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12.12.2011

BMW-Werksfahrer Martin Tomczyk im Interview

Martin Tomczyk ist zwar gerade erst 30 Jahre alt geworden, doch in der DTM ist er ein „alter Hase“. Der Rosenheimer startet seit 2001 in der Tourenwagenserie. 2011 hat er sich seinen großen Traum erfüllt und den Meistertitel gewonnen. Nun hat für Tomczyk ein neues Kapitel in seiner DTM-Karriere begonnen: Der amtierende Champion wechselte zu Rückkehrer BMW. Vom 6. bis 8. Dezember absolvierte er auf dem südspanischen „Circuito Monteblanco seinen ersten Test als BMW-Werksfahrer. Im Interview spricht er unter anderem über den Reiz der neuen Aufgabe, den BMW M3 DTM sowie seine Erwartungen und Ziele.

Was reizt Sie daran, beim DTM-Projekt von BMW dabei zu sein?

BMW muss nicht nur ein neues Auto bauen, sondern ist nach 20 Jahren Abwesenheit eigentlich auch wieder neu in der DTM. Das bedeutet, dass sie das Knowhow, das sie zum Beispiel aus dem Tourenwagen-Sport und der Formel 1 mitbringen, für die DTM adaptieren müssen. Das wird sicherlich nicht einfach, denn man hat in der DTM gesehen, dass immer alles auf den Punkt passen muss, damit man Topleistung bringen kann. Und das wird auch die Hauptaufgabe im Winter sein. Es wird eine Herausforderung, das Auto schnell zu machen und gleichzeitig die Teams und die Motorsportabteilung von BMW auf die DTM vorzubereiten.

Sie haben entschieden, sich dieser Herausforderung zu stellen. Warum?

Nach elf Jahren bei einem anderen Hersteller und dem Gewinn der Meisterschaft habe ich nun eine neue Herausforderung gesucht. Diese Herausforderung habe ich bei BMW gefunden. Und meine erste Woche in München und nun der erste Test haben wahnsinnig viel Spaß gemacht. Es ist etwas Neues, und gleichzeitig kann ich sehr viele Ideen und Erfahrungen einbringen. Das wird auch konstruktiv umgesetzt. Es ist einfach schön, ein Teil dieses Projektes zu sein und dazuzugehören, wenn es nun für BMW heißt, nach so langer Zeit in die DTM zurückzukehren.

Welchen Eindruck hatten Sie beim ersten Test vom BMW M3 DTM?

Einen positiven. Das Grundkonzept des Fahrzeugs ist stimmig. Natürlich gibt es gerade jetzt in der Anfangsphase Kleinigkeiten, an denen man arbeiten muss. Aber generell kann BMW schon zufrieden sein mit dem, was sie bisher mit dem Auto, mit dem Aufbau des Fahrzeugs, geleistet haben. Jetzt geht es an die Feinabstimmungen. Wir werden sicherlich noch genug Testarbeit vor uns haben. Doch ich gehe auch davon aus, dass wir schon am Anfang der Saison ein konkurrenzfähiges Auto haben werden.

Wie schnell haben Sie sich an das Auto gewöhnt und in das Team eingelebt?

An das Auto habe ich mich sehr schnell gewöhnt. Es war nur eine kleine Umstellung, die mir auch recht gut gelungen ist. Im Team kann man natürlich nach einer Woche noch nicht jeden kennen. Aber es ist am besten, wenn man die gemeinsame Arbeit beim Test nutzt, um die Leute kennenzulernen. Und das funktioniert bisher sehr gut. Ich bin für alle drei Teams gefahren und konnte dabei auch einen Eindruck von der Arbeitsweise gewinnen. Das ist auch etwas Neues, wenn man zu einem anderen Hersteller wechselt. Aber es macht großen Spaß, und ich fühle mich sehr wohl bei BMW.

Bruno Spengler und Andy Priaulx waren bei dem Test auch dabei. Wie klappt die Zusammenarbeit mit Ihren neuen Markenkollegen?

Sehr gut. Unser gemeinsames Ziel muss sein, das Auto über den Winter zusammen zu entwickeln, damit wir beim Saisonstart in Hockenheim ein konkurrenzfähiges Fahrzeug haben. Andy hat unheimlich viel Tourenwagen-Erfahrung, und das ist eine echte Bereicherung. Gleichzeitig bringen Bruno und ich sehr viel Erfahrung aus der DTM mit, die mit in die Entwicklung einfließt. Die Zusammenarbeit mit beiden funktioniert hervorragend. Und das ist wichtig. Denn man muss das Auto als Team zusammen entwickeln.

Bruno Spengler war im vergangenen Jahr Ihr Titelrivale, nun sind Sie Markenkollegen. Ist das erst einmal ungewohnt für Sie?

Ja, es war am Anfang schon komisch. Doch man gewöhnt sich eigentlich recht schnell daran. Wir fahren nun für denselben Hersteller, Bruno ist mein Markenkollege, und wir wollen beide dasselbe Ziel erreichen. Und dazu gehört vor allem erst einmal ein konkurrenzfähiges und gut strukturiertes Team.

Sind Siege für BMW schon bald ein realistisches Ziel?

Wir sollten einen Schritt nach dem anderen tun. Es ist schwierig, das jetzt schon zu beurteilen. Denn wir wissen natürlich nicht, wo die anderen beiden Hersteller stehen. Auch sie bauen ein neues Auto, und auch sie haben sicherlich Dinge, die sie verbessern müssen. Deshalb möchte ich mich jetzt nicht so weit aus dem Fenster lehnen. Auf jeden Fall ist unser Ziel, von Beginn an konkurrenzfähig zu sein. Ob Siege realistisch sind, kann man zu einem späteren Zeitpunkt besser einschätzen.

Sie haben beim Test in Monteblanco Ihren 30. Geburtstag gefeiert. Was war das schönste Geburtstagsgeschenk?

Ganz klar, im BMW M3 DTM zu sitzen! Es war mein zweiter Tag im Auto. Am Morgen hat mich das Team auch noch mit einem Ständchen und einer Torte überrascht – von der ich selbst übrigens kein einziges Stück abbekommen habe. Aber ich habe die Torte gern den Mechanikern überlassen, denn sie arbeiten bei so einem Test wirklich hart und haben sie sich verdient. Auf alle Fälle war dieser Geburtstag mal etwas Anderes, auch wenn ich es gewohnt bin, auf der Essen Motor Show oder an der Teststrecke zu feiern.

Ihr erstes Rennen als BMW Werksfahrer haben Sie bereits bestritten. Sie haben zum ersten Mal am Race of Champions in Düsseldorf teilgenommen und haben dort als bester DTM-Fahrer das Halbfinale erreicht. Hatten Sie Spaß?

Ja, auf alle Fälle. Es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht, gegen solche Toppiloten aus der ganzen Welt Rennen zu fahren und gleichzeitig auch die Gelegenheit zu haben, sich mit ihnen zu unterhalten und gemeinsam Zeit zu verbringen. Denn die Leute aus der Formel 1, dem Rallyesport, der Tourenwagen-Szene und die, die aus den USA kommen, trifft man ja normalerweise nicht so oft. Und mit meiner Leistung bin ich natürlich auch zufrieden. Bis ins Halbfinale zu kommen und dort gegen den späteren Sieger Sébastien Ogier nur knapp zu verlieren – ich glaube, das war für die Premiere ein ganz guter Auftritt.

Mit welchem Dienstwagen sind Sie abseits der Rennstrecke unterwegs?

Momentan fahre ich einen BMW 320 Diesel Touring. Das Auto ist wunderbar. Als Sportler möchte man die Vielfalt der BMW Palette natürlich auskosten. Ich werde sicherlich verschiedene Autos ausprobieren, denn es ist schön, auch die Serienfahrzeuge von BMW kennenzulernen.

Wie sieht Ihr persönliches Programm bis zum Jahresende aus?

Die Saison klingt nun allmählich aus. Es stehen noch ein paar Sponsorentermine an. Aber dann werde ich die Weihnachtszeit so weit möglich in vollen Zügen genießen. Ich versuche dann auch, mir Anfang Januar freizuhalten, um einfach einmal komplett vom Motorsport abzuschalten und neue Energie zu sammeln.