"Am meisten störte die Unwissenheit" | DTM
2000-08-17 17:53:43

"Am meisten störte die Unwissenheit"

Nach dem Qualifikationstraining auf dem Sachsenring hatte Manuel Reuter alle Trümpfe in der Hand, Bernd Schneider die Tabellenführung abzuknöpfen. Ein Reifenplatzer machte diese Hoffnungen bekanntlich zunichte. Der 38-jährige Mainzer mit Wahlheimat Saalfelden in Österreich über das Leben nach dem Knall, die Ursachenforschung und die Aussichten für den Titelkampf.

Wie verarbeitet man ein Wechselbad der Gefühle, wie du es am Sachsenring-Wochenende durchlebt hast?
Manuel Reuter: Ich habe in der Woche danach viel Sport getrieben, dann ist das nicht so schwer zu verarbeiten. Wenn man zu viel darüber nachdenkt, dann ärgert man sich natürlich. Speziell das Beispiel Klaus Ludwig zeigt, wie nahe Erfolg und Niederlage beisammen liegen. Wenn ihm der Reifen 200 Meter früher geplatzt wäre, dann hätte er nicht gewonnen. Und wenn mein Reifen drei Kurven länger gehalten hätte, sehe die Situation in der Meisterschaft jetzt ganz anders aus.

Verliert man nach solchen Vorfällen das Vertrauen in die Technik?
Wir haben mit dem Reifen schon Rennen gewonnen und waren auch am Sachsenring bis einschließlich Zeittraining und Warm Up sehr gut aussortiert. Warum es dann zu diesen Schäden gekommen ist, werden wir wohl erst auf dem Nürburgring endgültig wissen, wenn wir uns auch mit den Ingenieuren von Dunlop in Ruhe unterhalten haben. Es gibt mittlerweile Hinweise, dass es durch Fremdeinwirkung gekommen ist. Wir wissen natürlich genau, was für Sturzwerte und welchen Luftdruck wir gefahren sind. Am meisten stört mich die Unwissenheit: War´s Fremdeinwirkung, zuviel Sturz oder zu wenig Luftdruck? Ich gehe davon aus, dass wir bis zum Nürburgring-Rennen eine Erklärung haben. Auf der anderen Seite ist man nicht verunsichert: Ich weiß, dass ich mit dem Reifen schon Rennen gewonnen habe. Und eine Strecke wie den Sachsenring, dessen Layout nun mal den rechten Vorderreifen extrem belastet, kommt in diesem Jahr nicht mehr.

War das Sachsenring-Rennen für dich ein Wendepunkt in der Meisterschaft?
Ich bin immer noch Zweiter in der Meisterschaft. Jetzt haben wir zwar 27 Punkte Rückstand, aber es stehen noch zehn Läufe aus – sprich 200 Punkte. Bernd Schneider hat es jetzt mit Sicherheit einfacher. Aber zu leicht werden wir´s ihm schon nicht machen. Man hat ja auf dem Sachsenring gesehen, was mit Pedro Lamy passiert ist. Ein leichter Schubser, und schon sind wichtige Punkte weg. Und einen solchen Treffer kann jeder mal bekommen.

Wie willst du den Spieß noch mal zu deinen Gunsten wenden?
Man hat gesehen: Wenn man selbst zweimal gewinnt und der andere Titelanwärter zweimal nur Vierter wird, dann macht das gleich einen Unterschied von zehn Punkten aus. Deswegen sehe ich die Situation noch nicht so dramatisch. Zumal der Nürburgring eine Strecke ist, die unserem Opel ziemlich gut liegen dürfte. Da ist noch alles drin.

Rufst du schon nach Stallregie?
Das habe ich nicht zu entscheiden. Stallorder ist bei zwei Herstellern ein heikles Thema. Sie ist auf jeden Fall schlecht für die Meisterschaft. Bis jetzt hätte uns eine Stallorder auch noch nichts gebracht. Man muss ja erst mal in eine Situation kommen, in der man Punkte durch solch eine Anweisung gewinnt. Die Entscheidung muss aktuell im Rennen getroffen werden. Dann habe ich aber genug damit zu tun, richtig zu fahren. Wir haben einen Rennleiter in der Box, der den Überblick über das gesamte Rennen hat und auch über so etwas entscheidet. Aber: Mercedes hätte auf dem Sachsenring eine Stallregie zugunsten von Bernd Schneider ausgeben und so seinen Vorsprung auf mich noch weiter vergrößern können. Sie haben´s nicht gemacht. Warum sollten wir es dann tun?

Interview: Norbert Ockenga

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