Bälle & Boliden im deutschen Monaco | DTM
2002-06-24 13:20:21

Bälle & Boliden im deutschen Monaco

"Für Teams, Fahrer und Zuschauer die Veranstaltung schlechthin", urteilt Joachim Winkelhock, "einmalig", schwärmt Christian Abt, und Bernd Schneider sagt: "Was Monaco für die Formel 1, das ist dieser Kurs für uns". Ohne Frage, hier ist der Nürnberger Norisring gemeint, wo die DTM von 28. bis 30. Juni ihr fünftes Saisonrennen austrägt. Nur 2,3 Kilometer kurz, garantiert der Stadtkurs rund um die legendäre Steintribüne und vorbei am idyllischen Dutzendteich stets spannende Rennen. Laurent Aiello (Abt-Audi) tritt in Franken als Spitzenreiter an, gefolgt von Jean Alesi (Mercedes-Benz) und Mattias Ekström (Abt-Audi). Wie immer ist im "deutschen Monaco" auch das Programm neben dem Renngeschehen von erster Güte. So stellt die Pop-Ikone der 80er Jahre, Kim Wilde, am Sonntagmittag den neuen DTM-Song "Born to be wild" vor. Und zum einmaligen Erlebnis wird es sicher auch, wenn 100.000 Zuschauer vor dem Start zum DTM-Rennen gemeinsam eine andere Sportart gucken: Auf den bis zu 84 Quadratmeter großen Videowänden wird das Finalspiel der Fußball-WM übertragen.

Trotz des Ballfiebers steht für die 21 Piloten der DTM ihr Sport im Vordergrund. Joachim Winkelhock kann auf "persönlich schöne Erfolge" zurück blicken. Er hat hier 1992, 1997 und 2000 gewonnen, der letzte Sieg im Opel Astra V8 Coupé war dabei sein Einstandgeschenk für Opel. "Ich habe keine Ahnung, wieso mir der Kurs so gut liegt", so der Schwabe. "Er sieht so einfach aus, hat aber seine Tücken. Meist sind erfahrene Fahrer vorne, denn Konstanz ist wichtig. Es muss alles immer 100 Prozent passen, der Kurs verzeiht nicht den kleinsten Fehler, sondern wirft einen meist gleich mehrere Plätze zurück." Opel-Kollege Manuel Reuter, ITC- Meister von 1996, weiß: "Die 44 Runden des Rennens wirken wie die doppelte Distanz – und zwar für Fahrer und Rennautos gleichermaßen. Es gibt nicht die geringste Verschnaufpause." Reuter schätzt, dass die DTM am Norisring "in einer neuen Dimension fahren wird: Da wird es nicht mehr um Zehntelsekunden gehen, sondern nur mehr um Hundertstel und Tausendstel."

Als Heimspiel betrachtet Abt Sportsline aus Kempten im Allgäu den Norisring – auch wegen der Nähe zu Ingolstadt und den zahlreich erwarteten Audi-Fans, zumal auch der aktuelle Le-Mans-Gewinner Audi R8 einige Runden drehen wird. "Nirgendwo fährst du so nah an den Mauern entlang und bist so nah bei den Fans", freut sich Christian Abt. "Die langen Geraden liegen unserem Abt-Audi TT-R zwar eigentlich nicht, aber darum werde ich mich einfach nicht kümmern, denn ein Platz auf dem Podium oder sogar ein Sieg in Nürnberg waren schon immer mein Traum. Ich registriere jede Fahne und jedes Transparent – und dies gibt mir ein paar PS mehr." Teamkollege und Tabellenführer Laurent Aiello will sich "100-prozentig auf die Meisterschaft konzentrieren. Nach Pech im letzten Jahr möchte ich dieses Mal das Rennen beenden und Punkte holen." Obwohl Aiello der Titel "Halbzeitmeister" nicht zu nehmen ist, hält es der Franzose "für viel zu früh, um vom Titel zu reden: Noch gibt es sechs Rennen."

Vorjahressieger Uwe Alzen hofft, dass "nun endlich der Knoten platzt". Genau das passierte 2001, am Ende wurde Alzen im Mercedes-Benz CLK-DTM Vizemeister. "Die Meisterschaft kann ich abhaken", sagt er, "aber meine Motivation ist ungebrochen. Und für den Norisring bin ich sehr zuversichtlich. Dort liegt auf Topspeed, Traktion und guten Bremsen das Hauptaugenmerk. Und auf der guten Kondition des Fahrers, denn zwischen den hoch gebauten Tribünen und verstärkt durch den Beton wird der Norisring bei Sommerwetter zu einem richtigen Hitzekessel. Die physische Anstrengung ist dann enorm." Auch der amtierende Meister Bernd Schneider, zuletzt am Sachsenring Zweiter durch herausragende Leistung, ist zuversichtlich: "Unsere Mercedes-Mannschaft hat in dieser Saison häufig durch perfekte Strategie Plätze gut gemacht; ich freue mich auf ein spannendes Rennen und das besondere Flair in Nürnberg." Und natürlich auf das WM-Endspiel – und einen eventuellen Einsatz seines Schwagers Oliver Bierhoff.

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