The boys are back in town | DTM
2019-05-15 10:15:00

The boys are back in town

The boys are back in town

Wie der Name bereits ausdrückt, ist die DTM eine deutsche Rennserie, aber bereits seit den Anfangstagen hat sie eine internationale Ausrichtung und eine Strahlkraft, die weit über die Grenzen der Bundesrepublik hinausreicht.

Das erste DTM-Rennen der Geschichte fand außerhalb von Deutschland statt: Die Rennstrecke von Zolder in Belgien war 1984 Austragungsort des Auftaktrennens der ersten Saison der neuen Serie. Danach war die ‚andere’ belgische Rennstrecke jahrelang fester Bestandteil des DTM-Kalenders. Nach einer langen Abwesenheit kehrt die DTM in diesem Jahr nach Zolder zurück.

 

Ab- und Aufwärtstrends im deutschen Tourenwagensport

Tourenwagenrennen erfreuen sich in Deutschland seit jeher einer großen Beliebtheit. Mit den spektakulären, PS-starken Boliden der Gruppe 5, eingesetzt von Werksteams und gleich starken Privatteams erlebte die Deutsche Rennsport-Meisterschaft (DRM) in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre ihren Höhepunkt. BMW, Ford und Porsche hatten allesamt eine starke Präsenz in der Serie, während Toyota und Lancia zu den interessanten Outsidern gehörten.

Als jedoch die Gruppe-C-Autos ihre Aufwartung in der Serie machten und die Budgets entsprechend anstiegen, waren die Tage der DRM gezählt. Die Nachfrage nach einer bezahlbareren Alternative wurde in der deutschen Motorsportszene immer stärker.

Jenseits des Rheins gab es in Frankreich eine interessante Tourenwagenserie, in der eine große Vielfalt von Autos an den Start ging, vom Alfa Romeo Alfetta GTV bis zu den BMW-Modellen 528i und 635 CSi, vom kompakten Renault R5 Alpine Turbo bis hin zum wuchtigen Peugeot 505 Turbo. Auch der eine oder andere Porsche durfte natürlich nicht fehlen.

Ein Lauf zum ‚Championnat de France de Voitures Production’ fand 1983 im Rahmen des deutschen Formel-1-Grand-Prix auf dem Hockenheimring statt. Ex-Formel-1-Fahrer Jean-Pierre Beltoise setzte sich im 14 Runden langen Rennen im werksunterstützten Peugeot 505 gegen die Konkurrenz durch. Als Gaststarter belegte Hans Heyer im Chevrolet Camaro Rang zwei, vor dem französischen Allrounder Dany Snobeck in einem Alfa Romeo GTV. Die Autos auf den ersten drei Positionen hatten allesamt unterschiedliche Motorkonzepte, vom 2,2-Liter-Reihenvierzylinder des Peugeot bis hin zum wuchtigen 5,7-Liter-V8 des Camaro. Die ersten sechs Autos lagen im Ziel nur eine Minute auseinander.

Das Konzept stieß in Deutschland auf Begeisterung. Wilhelm Lyding, damals Sportpräsident des einflussreichen ADAC, war ein großer Verfechter der neuen Serie, die für die Saison 1984 als ‚Deutsche Produktionswagen-Meisterschaft’ ausgeschrieben wurde.

Olaf Manthey im Rover Vitesse vor Volker Strycek im BMW 635i CSi beim Auftaktrennen in Zolder.

 

Neuanfang

„In der DRM hatten wir eine tolle Zeit, aber mit den Gruppe-C-Fahrzeugen wurde es einfach zu teuer und die Hersteller wollten nicht bezahlen“, erinnert sich Ex-Fahrer Harald Grohs. „Das neue Tourenwagenkonzept sagte mir auf Anhieb zu und ich bekam für die erste Saison einen Fahrerplatz im Vogelsang-BMW-Team mit einem 635 CSi. Damals waren es alles Privatteams. Allenfalls erhielten wir etwas Unterstützung vom Werk, aber das galt für alle BMW-Fahrer. Es gab einen richtigen Wettbewerb bei den Reifen mit vier, fünf verschiedenen Herstellern und einer großen Bandbreite von Mischungen, aus denen wir auswählen konnten. Manchmal hatte ich drei verschiedene Mischungen gleichzeitig auf dem Auto. Das war eine Wissenschaft für sich. Mit den Reifen war ich oft am Limit, aber meistens hat es gut geklappt. Natürlich haben wir auch irrsinnig viel getestet, das hat mir immer gefallen.“

 

Auf der Suche nach Rennstrecken

Zu jener Zeit waren die Möglichkeiten für den Rundstreckensport in Deutschland eher beschränkt. Die Grand-Prix-Strecke des Nürburgrings befand sich noch in der Konstruktion, die Nordschleife und der Hockenheimring waren die einzigen permanenten Rennstrecken. Daher trugen viele deutsche Rundstreckenmeisterschaften auch Rennen im Ausland aus. So auch die neue Tourenwagenserie, die am 11. März 1984 im belgischen Zolder ihre Rennpremiere erlebte. Der Auftakt war Teil einer jährlichen Veranstaltung namens ‚Bergischer Löwe’, ausgerichtet von einem deutschen Club, und zog traditionell viele Besucher aus Deutschland. „Wir fuhren oft dort“, sagt Grohs. „Neben dem Nürburgring betrachtete ich Zolder als meine Heimstrecke.“

Einmal verlor er einen Sieg durch Disqualifikation, aber im BMW 635 CSi stand Grohs im Premierenjahr nach vier weiteren Rennen ganz oben.

 

Ob ihm das irgendeinen Vorteil verschaffte, ist unbekannt, aber tatsächlich gewann Grohs den ersten Lauf der neuen Serie, in dem er nach 24 Runden auf der belgischen Strecke ein Quartett von BMW-Fahrern anführte: die bayerische Marke belegte die ersten vier Plätze. Zusammen mit Grohs standen Udo Schneider und Volker Strycek bei der Siegerehrung auf dem Podium. Von den 24 Fahrern, die ins Rennen gestartet waren, wurden 18 gewertet.

Vier Wochen später wurde die Saison in Hockenheim fortgesetzt. Dort fuhr Grohs beim ‚Jim-Clark-Rennen’ wieder als Erster über die Ziellinie. Der Essener durfte seinen Sieg jedoch nicht behalten. „Es gab ein Problem mit dem Motor, 0,2 Millimeter Ventilhub. Aber es war ein Motor vom Werk, der direkt aus München kam. Weder das Team noch ich selbst hatten irgendwas damit zu tun. Stuck, Strycek, alle fuhren sie den gleichen Motor“, betont Grohs. Weil es eindeutig war, dass Grohs nicht für den Fehler verantwortlich war, rückten die nachfolgenden Fahrer in der Wertung des Rennens nicht auf, das Rennen blieb einfach ohne Sieger. Grohs fährt fort: „Nach Hockenheim wurde mein Motor verplombt und ich gewann mit dem gleichen Motor noch drei Rennen, aber der Sieg von Hockenheim war futsch...“

 

Autobahnen und Flugplätze

Der dritte Lauf der Saison 1984, auf der Berliner Stadtautobahn AVUS, war die erste Veranstaltung mit zwei Rennen. Manfred Trint, von Beruf Captain bei einer Fluglinie, gewann mit einem Ford Mustang das erste Rennen, Olaf Manthey siegte in einem Rover Vitesse im zweiten Durchgang.

Die nächsten beiden Veranstaltungen fanden auf Flugplatzkursen statt, was im deutschen Rennsport bis in die zweite Hälfte der Neunziger regelmäßig der Fall war. Auf dem Kurs von Mainz-Finthen setzte sich der Schwede Per Stureson im Volvo 240 Turbo durch und sorgte für den ersten Sieg mit einem Turbo-Tourenwagen. Da er nicht für die komplette Saison eingeschrieben war, war er nicht punktberechtigt. Manfred Trint feierte in Wunstorf seinen zweiten Saisonsieg und gewann auch das erste Rennen auf dem neuen Grand-Prix-Kurs des Nürburgrings, wo Winfried Vogt im zweiten Rennen im weniger leistungsstarken BMW 323i vor den größeren Autos als Sieger ins Ziel kam. Vogt siegte auch auf dem Norisring, während Grohs eine Woche später beim zweiten Besuch der Serie auf dem Nürburgring sowie in Diepholz gewann.

In den frühen DTM-Jahren gab es reichlich exotische Autos im Feld, darunter der Ford Mustang von Manfred Trint, hier auf dem Nürburgring vor Peggen Anderssons Volvo 240.

 

Im Rahmen der F1 in Hockenheim

Zwei Rennen waren am ersten Augustwochenende im Rahmenprogramm des deutschen Formel-1-Grand-Prix in Hockenheim angesetzt. Mit 40 Autos gab es hier das größte Teilnehmerfeld der Saison. Peter Oberndorfer (Alfa Romeo GTV) und Manfred Trint gewannen je ein Rennen. Zwei Wochen später gastierte die Serie erneut in Zolder, diesmal beim Westfalenpokal, wo Grohs einen weiteren Sieg einfuhr. Mit seinem kraftvollen US-Muscle-Car gewann Camaro-Fahrer Peter John das Saisonfinale, den Super-Sprint auf dem Nürburgring.

Im Endstand der Fahrerwertung belegte Volker Strycek den ersten Platz, obwohl er mit seinem BMW 635 CSi kein einziges Rennen gewonnen hatte. Für Strycek, der in späteren Jahren Sportchef bei Opel wurde, machte sich seine Konstanz bezahlt: Er hatte es geschafft, in jedem Rennen unter die ersten Zehn zu fahren und stand fünfmal auf dem Podium.

Volker Strycek verhalf seine Konstanz zum Titelgewinn, denn er fuhr in jedem Rennen in die Top Ten.

 

So wurde Strycek mit 155 Punkten (180,5 ohne Streichresultate) zum ersten Titelträger. Olaf Manthey hatte 7,5 Punkte weniger und wurde Vizemeister. Harald Grohs hatte zwar vier Siege zu verzeichnen, wurde aber auch zweimal nicht gewertet, konnte beim zweiten Rennen im Rahmen der Formel nach einem Ausfall im ersten Rennen nicht mehr antreten und wurde wie erwähnt beim zweiten Saisonlauf in Hockenheim von der Wertung ausgeschlossen.

Somit erinnert sich Grohs mit gemischten Gefühlen an die erste Saison: „Strycek war unser Eichhörnchen: Er sammelte immer fleißig Punkte, während ich mit Manthey und den anderen um Siege kämpfte. Ich gönne ihm seinen Titel, aber im Nachhinein wäre es doch schön gewesen, wenn ich der erste DTM-Champion der Geschichte geworden wäre!“

Grohs hat gute Erinnerungen an seine DTM-Zeit, aber bedauert, dass er 1984 nicht den Titel gewann.

 

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