„Da waren wir kurz im Paradies“ | DTM.com | Die offizielle Webseite
2018-12-19 11:45:00

„Da waren wir kurz im Paradies“

„Da waren wir kurz im Paradies“

Teil zwei des großen Charly-Lamm-Interviews. Über das DTM-Comeback von BMW und das Erfolgsrezept eines guten Teamchefs.

2012 kehrt BMW in die DTM zurück, und gewinnt mit Schnitzer erneut auf Anhieb den Titel.

Die DTM ist dieTourenwagen-Serie. Ab 2000 hatte sich die Serie stetig entwickelt. Die 4-Liter-V8 waren Tourenwagen auf höchstem Niveau. Wir durften als eines von drei Werksteams da mitmachen. Es war eine komplett andere Welt. Es gab Kohlefaserbremsen. Die Aerodynamik hatte so einen großen Anteil an der Performance des Fahrzeuges. BMW hat das gut gemacht, eine Projektgruppe installiert und sich ab 2011 mit einer unglaublichen Schlagzahl auf den Wiedereinstieg vorbereitet. Bei den Tests hat man schon gesehen, der BMW kann da gut mit. Bruno Spengler wusste und kannte alles in der DTM durch seine Zeit bei Mercedes, das hat uns wesentlich geholfen. Das erste Rennen ging zwar schief, weil wir in Unfälle mit Ralf Schumacher verwickelt waren, aber schon beim zweiten Rennen konnte Bruno am Lausitzring gewinnen. Das gab uns Rückenwind für das ganze Jahr. Im letzten Rennen drehten Paffett als Polesetter beim Start die Räder durch. Augusto Farfus ließ Bruno in der ersten Kurve durch. Er setzte sich vorne ein bisschen ab. Am Ende konnte Bruno Paffett in einem epischen Duell hinter sich halten. Er gewann den letzten Lauf, nahm Paffett acht Punkte ab, drei hatte er Rückstand und wurde Meister. BMW gewann auch noch den Marken- und den Teamtitel. Da waren wir kurz im Paradies.

Beim vorletzten Rennen in Valencia mussten Sie zuvor ein Machtwort sprechen.

In der Mitte der Saison sah es fast nach einem Durchmarsch von Gary Paffett aus. Dann konnten wir aber ein paar Punkte abknabbern. Bruno saß im Auto und wurde für einen Frühstart bestraft. Er war so im Tunnel, er sagte sich, das kann nicht sein, ich fahre erstmal zu Ende und dann diskutieren wir das anschließend. Was er in dem Moment vergaß, das Sportreglement ist in dem Fall eindeutig, wenn du die Aufforderung der Rennleitung ignorierst, wirst du disqualifiziert. Der Valentino, der Ingenieur, bemühte sich vergebens und in der letzten der drei möglichen Runden für den Boxenstopp musste ich eingreifen. Ich sagte zu ihm: „Bruno hier ist Charly. You have to pit. Now!“ Sonst wären wir im Jammertal gewesen. Später hat er sich auf P6 vorgekämpft. Das hat uns bis auf drei Punkte an Paffett ran gebracht. Das Finale in Hockenheim war dann unser Rennen, es war unser Tag. Ich frage mich auch was es ist, jedes Mal im Debütjahr. Dass uns das 2012 mit dieser Fahrmaschine M3 und Bruno gelungen ist, war ein spezieller Erfolg.

Trotz Datenanalyse und Simulatoren: Stand für Sie der Fahrer immer im Vordergrund?

Ich bin in einer Zeit groß geworden, da wusste man noch gar nicht, wie man Datenanalyse schreibt. Da musste man das Rennauto nach anderen Kriterien vorbereiten. Es ist ein Teamsport. Atmosphäre und Anbindung, über Grenzen gehen für den Fahrer, das sind Dinge, die für mich eine Rolle spielen. Ich möchte wissen, wie der Fahrer tickt. Ich möchte ihn emotional erreichen. Er sitzt alleine da in seinem Auto drin, das HANS, der Helm, der Gurt. Bis dahin soll er sich wohlfühlen. Der Fahrer ist unser Held, für ihn gehen wir durch die Wand. Das sind meine Leitlinien gewesen. Das muss man leben und fühlen. Das kann ein Wettbewerbsfaktor sein, davon bin ich überzeugt.

Was ist denn das Erfolgsrezept eines guten Teamchefs?

Das ist eine individuelle Sache. Wie interagiert der Chef mit dem Team? Bei uns war es immer überschaubar. Ich wollte jeden Einzelnen mitnehmen und emotional mit der Geschichte verbinden. Stichworte Idealismus und Leidenschaft. Das sind alles keine rationalen Faktoren, das ist aber ein Punkt, der mir sehr wichtig war. Die Hardware gehört auch dazu. Wichtig ist, dass man das ganze Umfeld so gestaltet, dass die Leute ihre Arbeit perfekt machen können. Im Idealfall ist das dann eine schlagkräftige Truppe.

Abschließend die Frage, wie sieht die Rolle von Charly Lamm im Motorsport künftig aus?

Ich werde jetzt 64 Jahre alt. Der Motorsport war für mich wie eine Droge. Mein Lebensrhythmus war geprägt vom nächsten Test, vom nächsten Rennen. Die Zeit war toll, es war ein langer Weg. Ich möchte keine Stunde missen. Ich habe das Gefühl, es wäre gut, wenn ich dem Leben, das es außerhalb des Rennsports gibt, auch mal ein bisschen Raum gebe und etwas zur Ruhe komme. Ganz loskommen vom Motorsport werde ich sicher nie.

Teil 1 des Interviews

Tickets 2019

Tickets 2019

Jetzt Tickets für die DTM-Saison 2019 im Vorverkauf bestellen.

Zur Übersicht

Zur Übersicht.

Dabei sein

Ein Besuch bei der DTM ist Pflicht

Du warst noch nie bei der DTM? Wir zeigen Dir, warum ein Besuch bei der DTM Pflicht ist.

Erfahre mehr

Erfahre mehr über die DTM

DTM.tv

Action pur und gute Unterhaltung: Bewegende Bilder rund um die DTM.

Mehr sehen