Das Procar-Revival | DTM
2019-07-12 14:00:00

Das Procar-Revival

Das Procar-Revival

Auch nach vier Jahrzehnten hat der BMW M1 nichts von seiner Faszination verloren.

Heutzutage wäre so was undenkbar, aber einst nahmen sich Grand-Prix-Fahrer während F1-Rennwochenenden die Zeit, um sich im wohl spektakulärsten Markenpokal in der Geschichte des Motorsports mit den weltbesten Touren- und Sportwagenfahrern zu messen.

Vier Jahrzehnte später begeistert der BMW M1 immer noch die Massen, wie eine Demonstration im Rahmen des DTM-Wochenendes auf dem Norisring deutlich unter Beweis stellte.

Jedes Jahr werden die Beuthener Straße und die Zeppelinstraße, normale Verkehrsstraßen im östlichen Teil der Stadt Nürnberg, ein Wochenende lang für den regulären Straßenverkehr gesperrt, um den Norisring zu bilden, eine 2,3 Kilometer lange Rennstrecke die, in verschiedenen Variationen, seit 1947 für Motorsportveranstaltungen genutzt wird.

Bereits 1984 war die DTM im Rahmen ihrer Premierensaison dort zu Gast, seit 1987 war der Straßenkurs jedes Jahr Teil des DTM-Kalenders. Der jährliche Besuch der Serie in der Frankenmetropole gehört zu den absoluten Höhepunkten jeder DTM-Saison.

 

Ein Geschenk für die Fans zum 40. Geburtstag

Einen Mangel an Highlights gibt es beim Norisring-Rennen ohnehin nie, aber in diesem Jahr gab es ein besonderes Schmankerl, auf das sich die Motorsportfans freuen konnten. Zur Feier des 40-jährigen Jubiläums des legendären BMW-M1-Procar-Markenpokals hatte BMW die tolle Idee, ein Feld von Original-M1-Rennautos zusammenzubringen das offiziell unter dem Titel ‚BMW M1 Procar Revival’ als ‚High-Speed Demonstration’ im Programm stand. Die Austragungsort war perfekt, denn 1980 war der Norisring Teil des Kalenders der Procar-Saison.

Nicht weniger als 14 BMW M1 standen im Fahrerlager aufgereiht. Die berühmten Lackierungen begeisterten: Jägermeister, BASF, Gösser, Uher, Buler, Marlboro und natürlich die unverkennbaren BMW-Motorsport-Farben.

„Es ist ein toller Anblick, so viele Autos zusammen zu sehen, das bringt viele tolle Erinnerungen zurück“, sagte Jochen Neerpasch, ehemaliger Sportchef im Hause BMW. Er war es, der die ursprüngliche Idee eines Markenpokal für den 1978 vorgestellten BMW-Mittelmotor-Sportwagen ins Leben zu rufen, nachdem die geplante Homologation für Sportwagenrennen in der Gruppe 4 wegen Verzögerungen in der Fertigstellung der Autos bei Lamborghini nicht durchgeführt werden konnte.

Zusammen mit Max Mosley und Formel-1-Chef Bernie Ecclestone wurde beschlossen, die Procar-Serie, so der Name der Klasse, an den Samstagnachmittagen bei europäischen Grand-Prix-Wochenenden und die fünf schnellsten Fahrer aus dem Zeittraining der Formel 1 gegen 14 Stammfahrer der Serie aufnehmen zu lassen. Nur die Ferrari- und Renault-F1-Fahrer erhielten aus Sponsoringgründen keine Freigabe. Alle weiteren F1-Stars fuhren regelmäßig im BMW: Alan Jones, Nelson Piquet, Carlos Reutemann, Didier Pironi, Jacques Laffite, Alain Prost, Mario Andretti, Niki Lauda und viele andere freuten sich über die Gelegenheit, Rennsport-Spaß auf der Strecke zu erleben und sich außerdem ein kleines Taschengeld zu verdienen, denn es wurde ein beachtlicher Preisgeldtopf ausgeschüttet. Niki Lauda gewann 1979 den ersten Titel, Nelson Piquet wurde 1980 der zweite und letzte Titelträger.

 

‚Ich will Spaß haben und fahren’

Rennlegende Hans-Joachim Stuck war hocherfreut über die Gelegenheit, auf dem Norisring sein ehemaliges Rennauto wieder zu fahren. „Offiziell gibt es eine Art von Gleichmäßigkeitsprüfung mit einer Sollzeit und Punkten und dem ganzen Kram“, schmunzelte er. „Aber das ist mir egal. Ich will nur fahren, Spaß haben und fahren!“

Stuck schwärmt auch heute noch von der damaligen Serie: „Die fünf Schnellsten aus dem Formel-1-Qualifying gegen 14 reguläre Fahrer, so was hatte es zuvor noch nie gegeben und gab es auch danach nie mehr. Heutzutage absolut undenkbar!“

 

„Und es gibt keinen besseren Ort für ein Revival als den Norisring“, so Stuck weiter. „Hier gibt es so eine lange Motorsporttradition, so viele Fans. Und 1980 habe ich hier das Procar-Rennen gewonnen!“

„Ja, da hast du mich geschlagen“, reagierte Jan Lammers. Der Niederländer kehrte ebenfalls zurück an jene Stätte, an der er vor 39 Jahren einen M1 fuhr. „Du bist ohnehin viel größer als ich, aber auf dem Podium war der Unterschied noch größer...“

 

Ein Kultauto

Lammers hat ebenfalls gute Erinnerungen an seine Renneinsätze mit dem M1 und hatte auch am vergangenen Wochenende sichtlich Freude. „Das Auto hat Kultstatus und es ist klar, weshalb“, sagte er. „Mosley, Ecclestone und Neerpasch hatten damals die Idee, vielleicht bei einigen Gläsern Wein, und fanden die Idee am nächsten Morgen immer noch gut, also haben sie es einfach gemacht. Dank dieser Serie verdoppelten sich damals die Zuschauerzahlen an den Samstagen von Grand-Prix-Wochenenden. Alle liebten einfach diese Serie!“

Der niederländische Fahrer, der aktuell bei der Rückkehr der Formel 1 nach Zandvoort eine große Rolle spielt, betonte auch, dass die Procar-Serie damals Fahrer wie ihm die Chance gab, sich in Szene zu setzen: „Stuck und ich hatten in der Formel 1 damals nicht gerade die besten Autos. In der Procar-Serie fuhren wir gegen Fahrer wie Reutemann, Piquet und Jones, die in der Formel 1 mit jenen Autos fuhren, die wir gerne fahren wollten. In der Procar-Serie konnten wir sie gelegentlich schlagen, das war eine helle Freude!“

Hinter Stuck und Lammers kam der Schweizer Marc Surer am 22. Juni 1980 beim Procar-Rennen auf dem Norisring als Dritter ins Ziel. Auch Surer kehrte am Wochenende auf den Straßenkurs in Nürnberg zurück.

„Für mich war das Rennen auf dem Norisring damals sehr speziell. Ich hatte mir in der Formel 1 bei einem Unfall in Kyalami die Füße gebrochen und konnte vier Monate nicht fahren“, erklärte er. „Das war damals mein erstes Rennen, nachdem ich aus dem Spital kam. Natürlich wollte ich der Welt zeigen, dass ich immer noch der Alte war. Tatsächlich habe ich das Auto auf die Pole gestellt.“

„Wie immer hatte Peter Sauber das Auto hervorragend vorbereitet. Im Rennen jedoch taten mir die Füße so weh, dass ich Stuck und Lammers ziehen lassen musste. Immerhin fuhr ich als Dritter noch aufs Podium. Ich war stolz, dass ich das geschafft hatte.“

„Zur Procar-Serie habe ich eine spezielle Verbindung, da ich damals für BMW die meisten Testfahrten gemacht habe. Ich glaube, dass ich ein recht gutes Set-Up gefunden habe. Die Balance des Autos ist gut, es ist relativ leicht zu fahren, aber am Limit auch faszinierend. Ein Amateur kann damit schnell sein, aber auch die Profi-Fahrer können mit dem Auto Spaß haben. Besonders wenn man den Heckflügel flach stellt, dann ist das Auto recht giftig.“

 

Erinnerungen werden wach

Ein weiterer bekannter Routinier im Norisring-Fahrerlager war Harald Grohs. Der 75-Jährige hatte ein arbeitsreiches Wochenende, an dem er ständig zwischen seinen Einsätzen in der Procar und bei den Tourenwagen Classics hin und her wechselte.

„Das hält mich aber jung“, lachte er. „Ich kam 1972 erstmals zum Norisring und habe hier viele Rennen gewonnen, aber die GT-Rennen mit dem M1 waren sicherlich das Highlight.“

Grohs und einige andere Fahrer setzten den M1 in der ‚Rennsport-Trophäe’, einer eigenen Wertung im Rahmen der ‚Deutschen Rennsport-Meisterschaft’ ein. Grohs gewann 1983 im M1 in dieser Klasse den Titel. „Die Kämpfe mit Stuck, Quester und den anderen waren legendär“, erinnerte er sich.

„Als ich hier am Freitag erstmals wieder das Auto gefahren und nach 25 Runden ausgestiegen bin, war ich schweißgebadet. Der Motor im Heck, die unfassbare Hitze im Cockpit, keine Servolenkung... Ich muss sagen, wir waren damals schon Gute, dass wir das alles geschafft haben.“

 

Die Preise für M1 mit Rennsporthistorie sind in den vergangenen Jahren beachtlich angestiegen. Das hinderte die Fahrer jedoch keineswegs daran, die Autos beim ‚Revival’ so zu benutzen, wie das einst gedacht war.

„Natürlich sind es Museumsstücke, aber sie machen beim Fahren auch einen Wahnsinns-Spaß“, erklärte Lammers. „Und wir fahren Rundenzeiten, die ähnlich sind mit jenen im aktuellen Porsche Carrera Cup. Nicht so schlecht, oder?“

Die einzige Frage, die während des Norisring-Wochenendes unbeantwortet blieb, war, wer mehr Spaß hatte: die Fahrer oder die Fans auf den Tribünen.

Eins ist jedoch sicher: Auch nach vier Jahrzehnten fasziniert der BMW M1 wie eh und je...

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