Der Champion aus Italien | DTM
2019-06-06 08:15:00

Der Champion aus Italien

Der Champion aus Italien

Wenn es um Italiener in der DTM geht, denkt man sofort an Nicola Larini und Alessandro Nannini, die als Teamkollegen zu Alfa-Romeo-Zeiten in den 1990ern zahlreiche Siege einfuhren. Der erste Italiener, der den DTM-Titel einfuhr, war jedoch Tourenwagen-Routinier Roberto Ravaglia, der sich 1989 im ebenso berühmten BMW M3 durchsetzen konnte.

Drei Jahrzehnte später verfolgt Ravaglia das Geschehen in der DTM nach wie vor intensiv. Zum diesjährigen Italien-Gastspiel der DTM sprachen wir mit Ravaglia über seine Erinnerungen an seine Jahren in der Serie, was die Faszination des BMW M3 ausmacht und das Leben als Rennfahrer im Allgemeinen.

Der berühmte BMW M3, hier beim Sprung über eine Kuppe auf der Nordschleife des Nürburgrings

 

1989 wurden Sie im BMW M3 als erster Italiener DTM-Champion. Wie war es, seinerzeit in der DTM zu fahren?

„Das war damals eine richtig tolle Zeit. Das Jahr meines Titelgewinns war für mich eine der besten Episoden in meinem Leben als Rennfahrer. Das Niveau war sehr hoch: Mercedes war da, aber Ford und Opel auch, später kam Audi dazu. Als wir damals im Fahrerlager ankamen, hatten wir noch Zeit, Fußball zu spielen. Heutzutage haben Rennfahrer keine Zeit mehr. Sie müssen sich um so viele Sachen kümmern: Besprechungen, Datenanalyse... Der Wettbewerb ist gleich, aber das Niveau ist um ein Vielfaches höher. Diesen Fortschritt kann man in jeder Motorsportkategorie beobachten.“

 

Gibt es von dieser Saison eine besondere Erinnerung?

„Oh ja, da gab es das Saisonfinale in Hockenheim. Ich kam als Führender in der Meisterschaft dorthin und konnte im ersten der beiden Rennen schon Meister werden, ich brauchte nur einen elften Platz. Natürlich lautete die Strategie bei BMW, dass mich alle absichern mussten, besonders beim Start. Im Zeittraining lief es für mich nicht besonders gut, ich stand irgendwo auf Platz acht oder so.

Dann, in der ersten Runde in der Schikane – damals fuhren wir freilich noch auf dem alten, langen Kurs – hatte ich Angst für die Autos hinter mir. Ich blickte beim Anbremsen in den Rückspiegel und sah, wie sich ein Fahrer komplett verbremste, mit stehenden Rädern: Ausgerechnet ein M3, das Auto von Steve Soper!

Ein Rennen vor Schluss sicherte sich Ravaglia in Hockenheim den Titel

 

„Das Auto kam mit vier blockierenden Rädern auf die erste Kurve zu, schaffte es unmittelbar vor mir irgendwie durch die Schikane – vielleicht nur zwei, drei Zentimeter vor meiner vorderen Stoßstange! Ich fuhr zunächst geradeaus, bremste und fuhr erst dann wieder los. Da hatte ich wirklich Glück. Die Bilder gibt es, glaube ich, noch irgendwo im Internet. Ich schaffte es bis ins Ziel, gewann den Titel und im zweiten Rennen konnte ich dann komplett frei, ohne Druck fahren. Das ist eine tolle Erinnerung. Wir sollten aber auch keineswegs Charly Lamm, meinen Teammanager, vergessen. Es geht keine Woche vorbei, ohne dass ich an ihn denke.“

 

Damals fuhr die DTM auch auf Strecken wie der Avus in Berlin und auf Flugplatzkursen wie Diepholz oder Mainz-Finthen. Haben Ihnen solche Strecken gefallen?

„Ja, die Avus mochte ich sehr, dort habe ich in meinem ersten Jahr gewonnen. Eine tolle Rennstrecke, viele Zuschauer, eine schöne Erinnerung. Flugplatzkurse hingegen mochte ich nicht so wirklich.“

Der Italiener mochte die Vollgaspassagen und die engen Spitzkehren auf der Avus in Berlin

 

Es gab eine gewisse Rivalität mit Steve Soper, auch Klaus Ludwig war ein Konkurrent. Wie hart war der Wettbewerb?

„In meiner aktiven Zeit gab es mehr Fahrer, die echte Tourenwagenspezialisten waren. Heutzutage kommen die Fahrer eher aus dem Formelsport. Aber Fahrer, die beispielsweise aus der Formel 1 kommen, sind in der DTM nicht erfolgreicher, als jene, die ihre Karriere im Tourenwagensport aufgebaut haben.“

 

Würden Sie den DTM-Titelgewinn als größten Erfolg ihrer Karriere bezeichnen?

„Der größte Erfolg war wohl der Gewinn der Tourenwagen-Weltmeisterschaft, weil es sich da um einen Weltmeistertitel handelte. Der große Unterschied ist jedoch, dass ich in der DTM alleine fuhr und das Auto nicht mit jemandem anderen teilen musste, wie das bei den Langstreckenrennen der WM im Jahr 1987 der Fall war. In der DTM konnte ich zeigen, dass ich alleine eine Meisterschaft gewinnen konnte, ohne Hilfe von Teamkollegen. Und natürlich war der Titelgewinn in der DTM für BMW sehr wichtig.“

 

Der BMW M3 (E30) hat mittlerweile Legendenstatus, obwohl er beispielsweise in der DTM-Partnerserie Tourenwagen Classics immer noch eingesetzt wird. Welche Bedeutung hat der M3 für Sie?

„Ich habe schöne Erinnerungen an den M3. Man kann gewissermaßen sagen, dass ich zu den ‚Ziehvätern’ des M3 gehöre, denn ich bin Ende 1986 den allerersten Test mit dem Auto gefahren, damals auch schon in Misano. Der Test verlief absolut problemfrei, wir fuhren zehn Tage am Stück ohne Zwischenfälle.

Für mich gehört der M3 zu den besten Autos, die BMW jemals produziert hat. Schon das Straßenauto war fantastisch, das Rennauto kam unmittelbar danach. Vor einigen Jahren haben Bruno Spengler und ich mal unsere Autos getauscht, ich fuhr seinen aktuellen BMW M3 aus der DTM und er fuhr meinen alten M3. Er war ziemlich überrascht, wie gut das Auto war!“

 

Sie haben im Vorjahr das DTM-Wochenende in Misano besucht. Was war Ihr Eindruck?

„Insgesamt kann man sagen, dass die DTM in Italien recht beliebt ist. Als ich ins Fahrerlager kam, erkannten mich viele Menschen. Ich glaube, Misano ist als Austragungsort für die DTM gut. In Italien kommen normalerweise nicht viele Zuschauer zu Tourenwagenrennen. In Italien geht es immer nur um Ferrari! Ich bin aber zuversichtlich, dass es eine ordentliche Kulisse geben wird. Ich komme auch wieder hin und freue mich schon darauf!“

 

Wie beurteilen Sie das diesjährige Teilnehmerfeld?

„In der DTM gibt es immer gute Fahrer. Berühmte Fahrer, Profis. Ich kann mir vorstellen, dass es für die Organisation der Serie nicht einfach war, die DTM nach dem Ausstieg von Mercedes fortzusetzen, aber das Engagement von Aston Martin ist ein toller Erfolg für sie. Ich hoffe, dass auch andere Hersteller kommen werden.“

 

Es gibt ein Rennen in Misano, wäre es aber auch nicht schön, wenn Alfa Romeo in die DTM zurückkehren würde?

„Vor einigen Jahren wurde oft von einer Rückkehr von Alfa Romeo in die DTM gesprochen, aber ich glaube, dass die Marke jetzt sehr stark in der Formel 1 involviert ist. Natürlich wäre es toll für die Serie, wenn Alfa zurückkehren würde. In der DTM liegt der Nachdruck nach wie vor sehr stark auf Deutschland. Vielleicht sollte die Serie also internationaler werden, aber ich weiß, dass die Organisation auch an diesem Aspekt arbeitet.“

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