Der legendäre Aston-Martin-Sieg in Le Mans | DTM
2019-06-14 09:30:00

Der legendäre Aston-Martin-Sieg in Le Mans

Der legendäre Aston-Martin-Sieg in Le Mans

La Chartre-sur-le-Loir ist eines von diesen typisch-französischen Dörfern. Idyllisch und sonnig gelegen am regionalen Fluss, einfach so ein charakteristischer kleiner Ort wie man sie in der französischen Provinz so zahlreich findet.

Auf den Hügeln rundum wird Wein angebaut, die Trauben für den nächsten Jahrgang von Jasnières, dem geschmacksvollen, erfrischenden lokalen Weißwein wachsen prächtig. Der Place de la Republique ist der Platz im Zentrum, aber auch hier geht es in der Regel entspannt und ruhig zu.

Rund um den Platz gibt es – klar doch – eine Bäckerei, eine Metzgerei, zwei Cafés und das Hotel de France, mit einem schönen Gebäude, das hier schon seit Ende des 19. Jahrhunderts steht. Für mehrere Generationen führte die Familie Pasteau das Haus.

Genau hier hatte der legendäre britische Teamchef John Wyer die Aston-Martin-Sportwagenmannschaft für die Teilnahme bei den 24 Stunden von Le Mans untergebracht.

 

Ein Zuhause weg von Zuhause für Aston

Wyer wollte eine Unterkunft mit einem anständigen Restaurant und ausreichend Platz, so dass seine Mechaniker an den Autos arbeiten konnten. Das permanente Boxengebäude in Le Mans entstand erst Anfang der 1980er Jahre, so dass bis dahin während der Rennwoche alle Autos in Werkstätten und bei Hotels in der Nähe untergebracht waren.

Das Hotel de France und der Place de la Republique waren für die Dauer des Le-Mans-Abenteuers das Zuhause von Aston Martin

 

Da sowohl seine kulinarischen Bedürfnisse als auch sein Bedarf nach einem ruhigen Ort zum Vorbereiten der Autos erfüllt waren, nahm Wyer die Distanz von über 40 Kilometern, die jeden Tag vom Hotel zur Rennstrecke und wieder zurück absolviert werden musste, gerne in Kauf. Selbstverständlich verliefen die Rückfahrten nach den Trainingssitzungen zur nächtlichen Stunde in der Regel erheblich zügiger...

1959 war Wyer in Le Mans für das Aston-Martin-Werksteam von David Brown im Einsatz. Einmal mehr waren die Fahrer und Teammitglieder im genannten Hotel untergebracht, ein Haus, das bis heute bei Motorsportfans berühmt ist und nach wie vor über eine exzellente Küche verfügt.

 

Die Briten schreiben Geschichte in Le Mans

Es wird oft gesagt, dass die 24 Stunden von Le Mans die größte Motorsportveranstaltung Großbritanniens ist, die nur zufällig in Frankreich stattfindet.

Tatsächlich erfreut sich das Rennen traditionell großer Beliebtheit bei britischen Fans, Fahrern, Teams und Herstellern. Die Leistungen von Bentley und Jaguar sind selbstverständlich bekannt, aber auch Aston Martin feierte an der Sarthe seinen wohl größten sportlichen Erfolg: Carroll Shelby und Roy Salvadori gewannen 1959 im von David Brown eingesetzten Aston Martin DBR1 das 24-Stunden-Rennen.

Die 50er Jahre in der Geschichte von Le Mans sind vor allem wegen der Erfolge von Jaguar mit den C- und D-Typen bekannt. Schon am Anfang des Jahrzehnts, 1951, hatte Peter Walker das Rennen mit seinem XK 120C gewonnen, in dem er sich mit Peter Whitehead abwechselte. Der erste Sieg für Jaguar als Werksteam folgte 1953 mit Tony Rolt und Duncan Hamilton in einem C-Type. Mike Hawthorn und Ivor Bueb gewannen 1955 im Werks-D-Type das Rennen, das freilich vom tragischen Drama in jenem Jahr überschattet wurde. Danach folgten zwei Siege für die Ecurie Ecosse mit dem D-Type, 1956 mit Ron Flockhart/Ninian Sanderson und 1957 mit Ron Flockhart/Ivor Bueb. Im letztgenannten Jahr belegte Jaguar die ersten vier Plätze.

Die Karriere des D-Type neigte sich dem Ende zu, aber mit Aston Martin stand schon ein weiterer britischer Hersteller bereit. Der Sieg war 1959 das klare Ziel. Bereits in den Jahren zuvor hatte die Marke aus Newport Pagnell mit bekannten Fahrern wie Peter Collins, Reg Parnell und Roy Salvadori in Le Mans teilgenommen. Nun wollte man es ernsthaft gegen die Rivalen aus Maranello aufnehmen, denn die Ferrari-Teams waren mit nicht weniger als sieben 250 Testa Rossa in der Prototypen-Klasse und vier 250 GT vertreten.

Der DBR1 war für 1959 komplett überarbeitet worden und hatte mit dem Sieg auf dem Nürburgring schon vor Le Mans sein Potenzial unter Beweis gestellt

 

Der Ferrari Testa Rossa, das Siegerauto aus dem Vorjahr, wurde für 1959 weiterentwickelt und erhielt unter anderem Scheibenbremsen, verbesserte Feder-Dämpfereinheiten und eine Gewichtsreduzierung. Der V12-Motor leistete über 300 PS, während die Aston-Martin-Fahrer nur etwa 250 PS abrufen konnten.

 

Schwieriger Start für Aston

Beim Testwochenende im April wurden erstmals in der Geschichte die öffentlichen Straßen, die den größten Teil der Rennstrecke ausmachen, außerhalb vor der Rennwoche zu Testzwecken gesperrt. Dabei sah es für Aston Martin alles andere als erfreulich aus. „Wie so oft, wenn einer versucht, die bestehende Situation beizubehalten, hatten wir uns in Wahrheit rückwärts entwickelt. Die Leistung unserer Autos war schlechter als 1958“, schrieb Wyer in seiner Autobiographie. „Paul Frère gestand mir Jahre später, dass er sich nach dem Testwochenende ernsthaft Sorgen gemacht hatte, ob er mit seiner Entscheidung, für uns zu fahren, nicht völlig falsch lag.“

Am Rennsamstag war das Team dann endlich vollständig: Wyer war aus Großbritannien angereist und David Brown und seine Frau Majorie waren mit Browns Privatflieger aus Südfrankreich gekommen. Wie es in der Biographie von Carroll Shelby zu lesen ist: „Kurz danach fuhren die drei DBR1 und ein DB4GT aus dem Hinterhof des Hotels und machten sich auf den Weg zur Rennstrecke, etwa 45 Kilometer entfernt.

Der größte Teil der lokalen Dorfbewohner stand Spalier, und wer die Autos nicht sehen konnte, konnte sie zumindest hören, denn die Rennwagen ohne Schalldämpfer fuhren über den Platz zum Ortsausgang. Jedes Auto wurde von einem Mechaniker gefahren, alle waren sich ihrer großen Verantwortung bewusst. Es tröpfelte leicht.“

 

Die Aston-Martin-Mechaniker hatten die gleichermaßen ehren- wie verantwortungsvolle Aufgabe, die Rennwagen etwa 45 Kilometer auf der Landstraße zur Rennstrecke zu fahren!

 

Die Teamleitung hatte Moss im Auto mit der Startnummer 4 die Rolle des sogenannten ‚Hasen’ zugeteilt: Er sollte die Ferrari bis ans Limit pushen, und falls möglich auch gerne darüber hinaus. Sein Motor hatte eine größere Verdichtung, das zu einem Leistungsplus von etwa zehn PS führte. Hochmotiviert nach seinem Sieg auf dem Nürburgring zeigte Moss auch in Le Mans, dass er mit den Ferrari mithalten konnte.

Wyer schrieb: „Obwohl es logischerweise seine eigenen Chancen, das Ziel zu erreichen, beeinträchtigte, akzeptierte Stirling ohne Murren seine Position. Unsere anderen beiden Autos mit den Fahrerpaarungen Salvadori/Shelby und Frère/Trintignant hatten eine unterstützende Rolle mit der Chance, im weiteren Rennverlauf weiter nach vorne zu fahren.“

 

Der ‚Hase’ führt in der ersten Stunde

Und genau so machten sie es. Wenige Minuten vor vier Uhr stellten sich die Fahrer in nummerierten Kreisen auf der gegenüberliegenden Seite der Strecke auf und rannten dann, nachdem der Sportminister pünktlich zur vollen Stunde die ‚Tricolore’ geschwenkt hatte, zu ihren Rennautos hinüber: Der klassische ‚Le-Mans-Start’.

Moss führte während der ersten Stunde das Rennen an, verlor dann aber die Führung an Jean Behra im Ferrari. Er konnte jedoch locker mithalten. Das Auto des Briten, das später Jack Fairman übernahm, behauptete sich in der Spitzengruppe, bis nach vier Stunden der Motor den Geist aufgab.

Der Aston Martin von Moss/Fairman setzte sich beim Start ab. Das Ziel war, die Ferrari an ihre Grenzen zu pushen.

 

Da war die Aufhabe von Moss und Fairman jedoch bereits erledigt: Der schnellste Ferrari schied kurz nach Mitternacht aus. Dadurch konnten Salvadori/Shelby im Auto mit der Nummer 5 die Führung übernehmen, Frère/Trintignant folgten auf Platz drei.

Allerdings war es alles andere als eine Kaffeefahrt.

Salvadori verlor die Lauffläche von einem seiner Reifen. Er bekam allerdings die Anweisung, noch sieben Runden weiterzufahren, da Rennleiter Reg Parnell glaubte, dass die Vibrationen, über die sich der Fahrer beklagte, aus dem Getriebe stammten, um das man sich beim nächsten planmäßigen Stopp kümmern wollte. Der Zeitverlust war so groß, dass Phil Hill im Ferrari die Führung vor den beiden Aston übernehmen konnte. Währenddessen kämpfte Shelby wie bereits im Jahr zuvor in Le Mans mit Magenbeschwerden, was auch nicht wirklich hilfreich war.

Trotz Blasen und Verbrennungen an den Füßen absolvierte der Brite Salvadori die meiste Fahrzeit im führenden Aston Martin

 

Die Top Drei blieb für neun Stunden unverändert. Gegen zehn Uhr am Sonntagmorgen kam der Ferrari jedoch für einen ungeplanten Stopp an die Box und fiel später wegen Überhitzung aus. Damit war der Druck weg, so dass die Aston Martin ohne Probleme ins Ziel fahren konnten.

 

Der letzte Akt

Im Aston-Martin-Lager stand jedoch noch die teaminterne Entscheidung um den Sieg an. Frère und Trintignant, von denen der letztgenannte ordentliche Verbrennungen und Blasen an den Füßen hatte, da der Auspuff zu nah an den Pedalen entlang führte, pushten hart. Dennoch zeigte man ihnen letztendlich das Boxensignal ‚NE PASSER SAL’: ‚Salvadori nicht überholen’.

Ein überglücklicher Stirling Moss überreicht dem zweitplatzierten Paul Frère eine Erfrischung, die nach dem Zieleinlauf mehr als willkommen ist!

 

Carroll Shelby, der kurz nach 14.15 Uhr für den letzten Stint eingestiegen war, fuhr das Auto ins Ziel. Um 16.01 Uhr überquerte er die Linie, aber musste feststellen, dass niemand bereit stand, um die schwarz-weiß karierte Fahne zu schwenken: Diese Ehre galt einem der kleineren – aber französischen! – DB-Panhard, der die ‚Index-of-Performance’-Wertung gewonnen hatte... Ob mit oder ohne Zielflagge, der Doppelerfolg für Aston Martin ging in die Geschichtsbücher ein. Salvadori  und Shelby hatten dem Hersteller beim zehnten Anlauf endlich den heiß ersehnten Premierensieg beschert. Mit einer Runde Rückstand komplettierten Frère und Trintignant den Doppelerfolg.

Am Abend nach dem Rennen kehrte das Team ins Hotel nach La Chartre-sur-le-Loir zurück, das sie gut 36 Stunden zuvor verlassen hatten. „Der Bürgermeister war da, die Blasmusik und es gab ein großes Festessen, um den Sieg zu feiern“, erinnerte sich Noel Pasteau, der ehemalige Hotelbesitzer, der vor einigen Jahren verstarb. Am Montag zur Mittagszeit hatten fast alle das Hotel wieder verlassen. Auf dem Place de la République war für ein Jahr wieder Ruhe eingekehrt.

Ein historischer Moment nachgestellt: Der DBR1 kehrt 60 Jahre nach dem Sieg zurück zum Hotel de France

Diese Fotos wurden mit freundlicher Genehmigung des Hotel de France verwendet

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