Der Mythos des altehrwürdigen Rings | DTM
2019-06-19 21:30:00

Der Mythos des altehrwürdigen Rings

Der Mythos des altehrwürdigen Rings

Nahezu jeder Musikliebhaber wird bestätigen, dass ‚The Beatles’ die beste Band der Welt waren, und wohl für immer sein werden. In gleicher Weise wird jeder richtige Motorsportfan sagen, dass es nur eine Rennstrecke gibt, die wirklich das Prädikat ‘beste’ verdient: Die Nordschleife des Nürburgrings.

Genau wie alle andere Bands immer an die ‚Fab Four’ gemessen werden, müssen sich alle Rennstrecken dem Vergleich mit dem traditionsreichen Kurs in der Eifel stellen. Man könnte Strecken wie Spa-Francorchamps, Suzuka, Monaco oder Le Mans erwähnen, aber es gibt nur eine Nordschleife.

Aktuell verschiebt sich die Aufmerksamkeit der Motorsportwelt vom wohl bedeutendsten 24-Stunden-Rennen, jenem in Le Mans, zum zahlenmäßig größten 24-Stunden-Rennen, das auf dem Nürburgring. Natürlich gehen auch die Topfahrer aus der DTM in der Eifel an den Start. Grund genug, zu eruieren, warum die ‚Grüne Hölle’ seit jeher eine so große Faszination ausübt.

 

Geburt einer Legende

Im Jahr 1927 eröffnet gehört die Nordschleife zu den ältesten Rennstrecken der Welt. Anders als die meisten anderen Rennstrecken, die einfach aus bestehenden öffentlichen Straßen bestanden, die für den Verkehr gesperrt wurden und einen Rundkurs formten, ließen sich die Gründer des Nürburgrings von der 1922 fertig gestellten Strecke in Monza inspirieren. So entstand auch in der Eifel ein geschlossener Kurs, der nur für den Rennsport bestimmt war.

Nach dem Vorbild der historischen Strecken, die von einer Stadt zur nächsten führten, wie die ursprüngliche Konfiguration von Le Mans oder die eindrucksvolle Targa Florio, wartete auch die Nordschleife mit einer beeindruckenden Dimension auf: über 20 Kilometer lang und mit mehr als 170 Kurven.

Auf einer dermaßen anspruchsvollen Strecke sollten immer die größten Fahrer herausragen. Die besten Rennen auf der Nordschleife waren immer jene, in denen Fahrer der Extraklasse besonders herausragende Leistungen zeigten.

So schwärmen manche bis heute von der legendären Aufholjagd, die Juan Manuel Fangio 1957 nach einem Reifenwechsel zur Rennmitte zeigte. Der Argentinier brach den Rundenrekord, indem er sich seinen ursprünglichen Vorsprung zurückholte. Er überholte Mike Hawthorn und Peter Collins auf dem Weg zu seinem wohl am meisten beachteten Grand-Prix-Sieg, der gleichzeitig sein letzter war.

Jackie Stewarts berühmter Sieg im Regenrennen von 1968, als er im Tyrrell-Matra mit einem Vorsprung von über vier Minuten gewann, gilt als eines der größten Erfolge im Sport bei nassen Bedingungen.

Eine legendäre Strecke

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verlagerte sich der Motorsport eher auf kürzeren, kompakteren Strecken, wo die Logistik einfacher und die Sicherheit besser war. Die Carrera Panamericana in Mexiko überlebte bis 1955, die Mille Miglia und die Targa Florio in Italien bis 1957 bzw. 1977, aber letztendlich bedeuteten auch bei diesen Traditionsveranstaltungen tödliche Unfälle, nach denen die Sicherheit sowohl der Teilnehmer als auch der Zuschauer ernsthaft in Frage gestellt wurde, das Aus.

Auch die Nordschleife musste 1976 daran glauben, aber nicht, wie es oftmals angenommen wird, wegen des Feuerunfalls von Niki Lauda, sondern weil die Strecke zu lang und zu unwegsam geworden war, um die Sicherheit zu gewährleisten. Es brauchte ein wahres Heer von Streckenposten und ein umfangreiches Fernsehnetzwerk um die Strecke vollends abzudecken. Aus diesem Grund wurde der deutsche Formel-1-Grand-Prix ab 1977 in Hockenheim ausgetragen.

 

Eine Ikone für die moderne Zeit

Nach dem Weggang der Formel 1 wurde die alte Strecke weiterhin für Sportwagenrennen verwendet. Auch hier führten Sicherheitsbedenken letztendlich zum Aus, aber nicht, nachdem im Zeittraining zum denkwürdigen 1000-Kilometer-Rennen zur Sportwagen-WM 1983 Stefan Bellof im Porsche 956 während des Zeittrainings die sagenhafte Rekordzeit von 6:11,13 Minuten gefahren war. Die Bestmarke hatte bis 2018 Bestand.

Und die Strecke hielt tapfer stand. Sie war einfach zu legendär, um sie vom Gestrüpp überwuchern zu lassen. Daher erhielt sie eine zweite Chance. Das 24-Stunden-Rennen ist die wichtigste Rennveranstaltung auf der Nordschleife, aber der Kurs wurde auch zur Pilgerstätte für Straßenfahrzeuge. Die Strecke ist das ganze Jahr hindurch geöffnet und gegen eine Gebühr kann sie jeder, der mutig oder unbekümmert genug ist, befahren.

Die Nordschleife hat sich auch zu einem äußerst beliebten Testgelände für Straßenfahrzeuge entwickelt. Nahezu sämtliche Supersportwagenhersteller weltweit haben die Strecke für Hochgeschwindigkeitsfahrten und Tests benutzt. Dabei wurden nicht selten Rundenzeiten veröffentlicht, um die ständige Weiterentwicklung der Automobiltechnologie zu dokumentieren.

 

Die Magie eines Namens

Ähnlich berühmt sind auch die Kurven der Strecke.

Sie haben einen Charakter und eine Geschichte, die auf anderen Rennstrecken ihresgleichen suchen. Heutzutage werden auf modernen Grand-Prix-Strecken die Kurven nur durch Zahlen bezeichnet: „Geschwenkte gelbe Flaggen in Kurve 4, Sebastian“ – Solche Zahlen gab es auf der Nordschleife nie. Das ist wohl auch besser so, denn es wäre nicht wirklich aufschlussreich, über den Funk zu erfahren, dass „auf der Außenseite von Kurve 146 Teile auf der Fahrbahn“ liegen, gerade wenn man mit 210 eine Steilkurve durchfährt...

Nein, die Kurven auf dem Nürburgring sind wirklich ‚Old School’: Flugplatz, wo die Fahrbahn ansteigt und die Autos über eine Kuppe leicht abheben; Fuchsröhre, ein schneller Abschnitt in einer Talsenke; Karussell, wohl die berühmteste Kurve der Strecke, eine steile Linkskurve, die mit Betonplatten ausgelegt ist; Pflanzgarten, ein schneller Abschnitt, in dem die Autos ebenfalls abheben können, und Schwalbenschwanz.

 

Die Bedeutung der Rundenzeit

Auf der Nordschleife ging es immer um Geschwindigkeit: Lauda sorgte für Begeisterung, als er sowohl 1974 als auch 1975 als Erster unter sieben Minuten fuhr.

Die genannte Runde von Stefan Bellof 1983 ging in die Geschichte des Motorsports ein, denn der Deutsche hatte einerseits seinen unglaublichen Mut unter Beweis gestellt, verwandelte aber mit dem gleichen Einsatz am Renntag sein Auto nach nur wenigen Runden in einen Totalschaden.

Erst 2018 wurde Bellofs Fabelzeit unterboten, und sogar dafür brauchte es einen unfassbaren Aufwand von Porsche, das mit einem speziell umgebauten 919 Hybrid Evo, einer Weiterentwicklung des nicht länger eingesetzten Auto aus der WEC, einen Angriff auf den Rundenrekord startete.

Die Rundenzeit von Timo Bernhard war eine sagenhafte 5:19,546 Minuten. Wohl eher vorstellbar für jene, die mit äußerstem Einsatz in Gran Turismo oder Forza Motorsport auf der Nordschleife unterwegs sind, als für einen veritablen Rennfahrer in einem unbezahlbaren Sportprototypen...

Vor kurzem erst fuhr Romain Dumas eine Zeit von 6:05,336 Minuten, die zweitschnellste je gefahrene Runde, im 671 PS starken Volkswagen ID R, einem Prototypen mit Elektroantrieb. Damit zeigte er einmal mehr, dass die kurvenreiche Strecke in der Eifel dem Hang nach Abenteuer und Leistung beim Publikum gerecht wird.

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