Der Reifen-Verantwortliche - Herr über Temperatur und Druck | DTM
2016-08-08 12:00:00

Der Reifen-Verantwortliche - Herr über Temperatur und Druck

  • Reiner Weigert ist der Reifen-Verantwortliche im Team Phoenix.
  • Reiner Weigert ist der Reifen-Verantwortliche im Team Phoenix.

Seit 36 Jahren arbeitet er im Motorsport, seit 1999 beim Team Phoenix und hat keines der DTM-Rennen seit 2000 verpasst. Reiner Weigert ist der Reifen-Verantwortliche im Team und trägt damit im Rennstall aus der Eifel eine große Verantwortung. „Bei all der hochkomplexen Technik des Autos, sind die Reifen die einzige Verbindung zur Straße. Sie müssen perfekt sein, damit die ausgeklügelten Ideen der Konstrukteure auch zum Tragen kommen“, sagt der 63-Jährige. Das Alter sieht man ihm nicht an,  Weigert ist topfit – und muss es auch sein. Ein DTM-Reifen mit Felge wiegt um die 25 Kilogramm, mindestens 60 Reifen, dazu kommt die gleiche Anzahl an Felgen, nimmt Phoenix pro Veranstaltung mit an die Strecke – 15 komplette Sätze für beide Autos. „Die richtige Technik beim Heben ist wichtig – man muss den ganzen Körper dafür einsetzen. Wenn man es falsch macht, hält man ein Wochenende nie durch.“ Zudem ‚jongliert’ Weigert nicht nur während eines DTM-Events mit den Pneus, ist er doch über das ganze Jahr hinweg für eines der wichtigsten Bestandteile eines DTM-Wagens verantwortlich. Vor und nach einem DTM-Wochenende trägt er gar die Verantwortung für das gesamte Equipment, was sein Team vor Ort benötig.

Denn Weigert ist als Reifen-Verantwortlicher gleichzeitig einer der Truck-Fahrer. „Das macht aber nur so zehn Prozent meiner Arbeit aus.“ Bevor er sich hinter das Steuer eines der multifunktionalen Team Trucks setzt, ist er mit seinem Team für den optimalen Zustand der mitzunehmenden Reifen verantwortlich. Alle werden gründlich gewaschen und sorgfältig geprüft. „Bei 15 Reifensätzen ist das schon ein enormer Aufwand.“

Hat Weigert die Rennstrecke erreicht, steht naturgemäß zunächst das Ausladen auf dem Programm. Reifen und Felgen werden zum DTM-Partner Hankook gebracht, wo die Auslosung vorgenommen wird. „Alle Reifen werden den Fahrern und den einzelnen Sessions des Wochenendes zugelost und entsprechend markiert. Mithilfe meines Barcode-Scanners, weiß ich dann immer, welche Reifen in welcher Session bei welchem Fahrer benutzt werden dürfen. Da darf ich nichts verwechseln. Wenn ein Auto während einer Session die falschen Reifen drauf hat, hast du die Arschkarte, wie es so schön heißt – sofortige Disqualifikation.“

Strafen - wenn auch nicht ganz so drastische – werden auch verhängt, wenn die Regenreifenkisten unerlaubterweise geöffnet werden. Auch darauf muss Weigert ein Auge haben. „In den Kisten sind drei Satz Regenreifen. Die dürfen nur geöffnet werden, wenn die Rennleitung ein Wet-Race deklariert.“ Zudem werden alle Reifen über Nacht verpackt und mit Plomben des DMSB versehen, um Manipulationen zu verhindern. Wird eine Plombe aus Versehen beschädigt – in den engen Boxen kann dies durchaus passieren – muss Weigert schnell handeln. „Dann muss ich den Rennkommissar benachrichtigen und bekomme ordentlich Schimpfe. Danach prüft er alle Reifen auf den ordnungsgemäßen Zustand und erneuert die Plombe. So etwas darf aber nicht zu oft passieren.“

Vor und während den Sessions ist die richtige Vorbereitung elementar. Heizdecken und Steuergeräte werden auf Funktionalität geprüft. „Wenn da was nicht stimmt, steht der Pilot plötzlich mit drei warmen und einem kalten Reifen da. Dann braucht er auch gar nicht erst losfahren. Deshalb bereiten wir während einer Session in der Regel auch schon die kommende vor.“ Temperatur und Druck muss stimmen, wenn die Mechaniker die Pneus am Fahrzeug montieren – besonders beim Boxenstopp im Sonntagsrennen. „Wir fahren auf allen vier Reifen mit unterschiedlichem Druck, unsere Messgeräte gehen bis aufs Hundertstel genau. Je nach Streckenbedingungen und Außentemperatur müssen die angepasst werden. Solche Entscheidungen trifft der Renn-Ingenieur – wir führen nur aus.“ Zusätzlich muss Weigert auf den Zeitplan eines Wochenendes reagieren. So benutzen beispielsweise die Piloten des Porsche Carrera Cups Reifen eines anderen Herstellers und lassen natürlich ebenfalls bei ihren Sessions Gummi auf der Strecke. „Dadurch können sich für uns die Grip-Verhältnisse ändern und wir müssen reagieren. Wie wir das tun, bleibt aber intern.“

Nach jeder Session steht wieder die Reifenpflege im Mittelpunkt. „Gott sei Dank gibt es dafür inzwischen eine Waschmaschine – ich habe auch noch Zeiten erlebt, als wir das von Hand machen mussten. Ein riesiger Aufwand und bei den engen Zeitplänen heutzutage gar nicht mehr dankbar.“ Die Reifen, die inklusive Felge in die Maschine kommen, werden mit einem speziellen Granulat beschossen und von Bürsten im Inneren abgeschrubbt.

Nichtdestotrotz hat Weigert mit seinem Team alle Hände voll zu tun. Rund zehn Tonnen bewegen sie an einem Wochenende. Eine Tätigkeit, die der 63-Jährige noch gerne ein paar Jahre ausüben möchte. „Die Arbeit in der Boxengasse fasziniert mich unheimlich. Ich plane immer zwei Jahre im Voraus und bis jetzt bin ich noch absolut fit. Ich werde häufig darauf angesprochen, wann ich aufhöre. Es gibt halt einige Leute, die scharf auf meinen Job sind“, sagt Weigert und lacht.

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