Die Alfa-Männer: Alfa Romeos Erfolge in der DTM | DTM
2019-05-31 11:30:00

Die Alfa-Männer: Alfa Romeos Erfolge in der DTM

Die Alfa-Männer: Alfa Romeos Erfolge in der DTM

Die Nürburgring-Nordschleife sei eine ganz besondere Rennstrecke, so sagt man. Der eindrucksvolle, gut 20 Kilometer lange Kurs umfasst mehr als 150 Kurven. Manche behaupten sogar, man brauche Jahre, um die Strecke zu lernen und dort erfolgreich zu sein.

Es scheint jedoch, als hätte das niemand Nicola Larini jemals gesagt. Der energische Italiener mit dem ständigen Lächeln im Gesicht fuhr in den 1990er Jahren für Alfa Romeo in der DTM.

Vor dem fünften Lauf der Saison 1993 war er noch nie in der Eifel gefahren. Seine einzige Erfahrung auf der Nordschleife bestand aus 15 Runden in einem Straßenauto, um die Strecke kennenzulernen.

„Alfa wird auf der Nordschleife keine Chance haben“, prophezeiten die Konkurrenten der italienischen Marke damals, obwohl Alfa bei allen vorherigen DTM-Veranstaltungen jeweils mindestens ein Rennen gewonnen hatte.

Larini zeigte, dass sie alle falsch lagen: Überlegen gewann er am 10. Juni 1993 im Rahmen des ‚Großen Preises der Tourenwagen’ beide Rennen.

Der Alfa Romeo 155 V6 Ti war auf Anhieb schnell in der DTM und feierte beim Premierenrennen in Zolder bereits den ersten Sieg

 

Manche Fans werden heute noch emotional, wenn sie sich auf Youtube die Bilder des kantigen roten Rennwagens anschauen, der an jenem sommerlich heißen Nachmittag über den Eifelkurs gejagt wird, uneinholbar für die Konkurrenz.

Nach diesen beiden Siegen verglich Alfa-Romeo-Sportchef Giorgio Pianta seinen Fahrer Larini mit einer anderen italienischen Motorsportgröße: „Er fährt hier zum ersten Mal und gewinnt auf Anhieb, wie einst Tazio Nuvolari.“

 

Eindrucksvolle Historie

Für die Marke aus Arese nahe Mailand war der Einstieg in die DTM 1993 ein neues Kapitel in der ohnehin schon beeindruckenden Motorsporthistorie. Man könnte sogar behaupten, dass wir ohne Alfa Romeo vielleicht nie von Ferrari gehört hätten.

Schließlich gewann Enzo Ferrari als Fahrer mit einem Alfa Romeo zahlreiche Rennen und nachdem er, vor genau 90 Jahren, seine eigene Scuderia Ferrari gegründet hatte, setzte er noch ein Jahrzehnt lang Alfa-Romeo-Rennwagen ein, bevor er nach dem Zweiten Weltkrieg seine eigenen Autos baute.

In den 1930er Jahren war Alfa Romeo in Langstreckenrennen wie die Targa Florio und die 24 Stunden von Le Mans erfolgreich. 1950 gewann Giuseppe Farina den Titel im ersten Jahr der Formel-1-Weltmeisterschaft mit einem Alfa Romeo. Ein Jahr später wiederholte Juan Manuel Fangio diesen Erfolg. Danach verkündete die Marke den Ausstieg aus der WM. In den 1970ern und 80ern war Alfa Romeo erneut in der Formel 1 vertreten, zuerst als Motorenlieferant und dann auch mit eigenem Werksteam. Der unlängst verstorbene Niki Lauda fuhr 1978 die letzten beiden Grand-Prix-Siege für die Marke ein, als Alfa Romeo die Zwölfzylindermotoren für das Brabham-Team lieferte.

Niki Lauda gewann 1978 im Brabham mit Alfa-Romeo-Motoren zwei Rennen. Dazu gehört dieser umstrittene Sieg im BT46-‚Staubsauger’ in Anderstorp

 

Renntourenwagen

In den 1960er und in der ersten Hälfte der 1970er Jahre feierte Alfa Romeo Erfolge im Tourenwagensport. Das Modell GTA fuhr regelmäßig Siege in verschiedenen Meisterschaften ein. Von diesen Erfolgen inspiriert gründete Alfa Romeo in den 1970ern auch einen eigenen Markenpokal mit dem kompakten Alfasud. In dieser Serie fuhr der aktuelle ITR-Vorsitzender Gerhard Berger seine ersten Rennsiege ein. Der GTV war das nächste Siegermodell von Alfa Romeo auf der internationalen Tourenwagenbühne: Vier EM-Titel sprachen für sich.

Für den Alfasud gab es in den 70er Jahren einen eigenen Markenpokal

 

Der GTV war auch das erste Alfa-Romeo-Modell, das 1984, im ersten Jahr der Serie, in der DTM an den Start ging. Das kam eher durch Zufall, wie Fahrer Peter Oberndorfer erklärt: „Ich suchte einen Motor für die Teilnahme an der Formel 3“, erinnert er sich. „Ich sprach also den deutschen Importeur von Alfa Romeo an, aber dort sagte man mir, dass kein Interesse an der Formel 3 bestand. Gleichzeitig jedoch fragten sie mich, ob ich stattdessen nicht in dieser neuen Serie für Produktionswagen fahren wollte. So entschied ich zusammen mit Dr. Helmut Marko, einen GTV aufzubauen. Das war der Anfang.“

 

Erste DTM-Erfolge

Mit Rang drei beim zweiten Saisonlauf in Hockenheim sorgte Oberndorfer für den ersten Podiumsplatz von Alfa Romeo in der DTM. Danach gewann er im August an gleicher Stelle das erste Rennen bei einer Veranstaltung, die zwei Durchgänge umfasste.

„Der GTV war ein tolles Auto“, schwärmt Oberndorfer noch heute. „Es war von Marko hervorragend vorbereitet. Wir konnten damit sogar die Werksautos schlagen, die in Hockenheim ein Gastrennen fuhren. Schade nur, dass ich im zweiten Durchgang dort abgeschossen wurde. Sonst wäre ich als Gesamtsieger in die Geschichtsbücher eingegangen und wäre auch weiter vorne in der Meisterschaft gelandet.“

Oberndorfer ging zwei weitere Jahre mit seinem Alfa Romeo GTV in der DTM an den Start, während andere Fahrer, darunter der Titelträger des Jahres 1986, Kurt Thiim, 1987 gelegentlich den 75 Turbo einsetzten, aber erst 1993 startete Alfa Romeo einen richtigen Werkseinsatz in der Serie.

Nachdem sie bereits im Jahr zuvor mit dem allradgetriebenen 155 den Titel in ihrer nationalen Meisterschaft eingefahren hatten, benannte Alfa Romeo Nicola Larini und Alessandro Nannini als Werksfahrer für das Team Alfa Corse in der DTM. Das deutsche Team Schübel Engineering setzte zwei weitere 155 für Christian Danner und Giorgio Francia ein, wobei Letzterer sowohl als Fahrer als auch als Ingenieur tätig war.

Die Alfa Romeo 155 schrieben ein unvergessliches Kapitel in der DTM-Geschichte.

 

Der 155 rettete die Serie

Im Februar 1992 hatte Alfa mit der Entwicklung des DTM-Autos angefangen. Im September fand der erste Test statt. Die Teilnahme der italienischen Marke war entscheidend für den Fortbestand der Serie, nachdem Audi und BMW 1992 den Rückzug aus der DTM verkündet hatten.

Nach diesem Rückzug war Mercedes als einziger erfahrener Hersteller verblieben, um es gegen die Neueinsteiger aufzunehmen. Zahlreiche Privatfahrer mit Ford Mustang, BMW und Opel komplettierten das Feld, hatten aber keine ernsthafte Chance, um vordere Platzierungen oder gar Siege mitzufahren.

Der Alfa Romeo 155 V6 Ti war in der DTM auf Anhieb schnell.

Mit Larini (links) und Nannini (rechts) kamen italienisches Flair und Leidenschaft in die DTM

 

Larini begann die Saison mit zwei Siegen im strömenden Regen von Zolder. Auch auf dem Nürburgring und in Wunstorf war der Italiener erfolgreich. Danach folgen die beiden erwähnten Siege auf der Nordschleife. Auch auf dem Norisring gewann Larini beide Rennen.

Weitere Siege gab es in Donington, wo Christian Danner im Schübel-Alfa das erste Rennen für sich entscheiden konnte, in Diepholz und Singen.

Nach dieser überzeugenden Leistung konnte Larini bereits am vorletzten Rennwochenende auf der Berliner Avus den Titel einfahren. Für Teamkollege Alessandro Nannini waren zwei Siege beim Saisonfinale in Hockenheim ein halbwegs versöhnlicher Abschluss einer Saison, die von Pleiten, Pech und Pannen gekennzeichnet war.

„Alessandro sorgt für die PR, ich sorge für die Siege“, sagte Larini mit einem Lächeln am Ende der erfolgreichen Premierensaison von Alfa Romeo.

Wegen Mangel an Zuverlässigkeit spielte Alessandro Nannini bei der Titelvergabe keine Rolle, aber dennoch gewann der Italiener zwischen 1993 und 1996 insgesamt 14 Rennen für Alfa Romeo

 

Fortsetzung der Siegesserie

Im darauffolgenden Jahr gewann Nannini fünf Rennen, Larini siegte viermal. Stefano Modena trug mit Siegen auf der Avus ebenfalls zur DTM-Erfolgsserie von Alfa Romeo bei. Mercedes gewann jedoch mit Klaus Ludwig in der neuen C-Klasse den Titel.

Auch 1995 war Mercedes insgesamt stärker, aber Larini (ein Sieg), Danner und Michael Bartels (jeweils zwei Siege) konnten dennoch Erfolge für die italienische Marke einfahren.

1996 wurde die DTM unter Aufsicht der FIA als International Touring car Championship (ITC) ausgetragen. Nannini gewann sieben Rennen, darunter Doppelsiege in Estoril, auf dem Nürburgring und auf der Rennstrecke von Magny-Cours. Tarquini gewann das zweite Rennen in Silverstone und auch Nicola Larini feierte zwei Siege, darunter einen vor heimischem Publikum in Mugello.

Larinis Sieg im zweiten Rennen von São Paulo, wo Opel-Fahrer Manuel Reuter am vorletzten Rennwochenende der Saison den Titel einfuhr, war der bislang letzte Erfolg für Alfa Romeo in der DTM.

Im von Schübel Engineering eingesetzten 155 gewann der deutsche Ex-F1-Fahrer Christian Danner drei DTM-Rennen wie hier 1995 auf dem Norisring

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