Die Ringmeister | DTM
2019-09-06 12:00:00

Die Ringmeister

Die Ringmeister

Es gibt Orte, die immer wieder faszinieren, egal, wie oft man dahin fährt. Der Nürburgring ist ein solcher Ort. Die legendäre Strecke in der Eifel war, in verschiedenen Ausführungen, Austragungsort für nicht weniger als 80 DTM-Rennen. Das diesjährige Rennwochenende, die vorletzte Veranstaltung der Saison 2019, umfasst die Rennen 81 und 82 an dieser Stelle.

Der Nürburgring ist mehr als nur eine Rennstrecke, es ist eine Motorsportlegende. Grund genug also, uns mit den Hintergründen der ältesten Strecke Deutschlands zu beschäftigen und der Frage nachzugehen, warum sie über einen so langen Zeitraum eine so wichtige Rolle im internationalen Motorsport spielt.

 

1920er Jahre: Lass uns eine Rennstrecke bauen!

Wirtschaftlich war es in der Eifel eine schwierige Zeit, die Arbeitslosigkeit war groß. Der vorausschauende Landrat Dr. Otto Creutz setzte sich daher stark für den Bau einer permanenten Renn- und Teststrecke ein.

Creutz war davon überzeugt, dass diese die Wirtschaft in der Region ankurbeln würde. Bis zu 2.300 Menschen, die meisten von ihnen arbeitslos, waren beim Bau beschäftigt. Die Anlage umfasste verschiedene Konfigurationen, darunter die eindrucksvolle Nordschleife, die sich über die Hügel und durch die Täler und Wälder der Region schlängelte.

Nach einer Bauzeit von zwei Jahren wurde die Strecke mit dem Eifelrennen am 18. und 19. Juni 1927 offiziell eröffnet. Mercedes-Benz-Fahrer Rudolf Caracciola wurde der erste Rennsieger auf der neuen Strecke, die nach der Nürburg, einer mittelalterlichen Ritterburg in der gleichnamigen Ortschaft in unmittelbarer Nähe des Fahrerlagers benannt wurde.

 

1930er Jahre: Die Ära der Silberpfeile

Mit beachtlicher finanzieller Unterstützung der NS-Regierung, die den Motorsport als Aushängeschild für die Qualität der deutschen Ingenieurskunst betrachtete, setzten Mercedes-Benz und die Auto Union umfangreiche Werksteams mit den silberfarbenen Rennwagen für Grand-Prix-Rennen und weitere bedeutende Veranstaltungen ein.

Am 3. Juni 1934 gewann Manfred von Brauchitsch das Eifelrennen und sorgte damit für einen weiteren Mercedes-Benz-Erfolg auf dem Nürburgring. Sechs Wochen später jedoch siegte Hans Stuck, der Vater von Hans-Joachim Stuck, dem DTM-Champion des Jahres 1990, für Auto Union beim Großen Preis von Deutschland an der gleichen Stelle.

Der Italiener Tazio Nuvolari gewann 1935 im Alfa Romeo den deutschen Grand Pix, was den Parteioberen, die in großer Zahl vor Ort waren, sicherlich nicht gefiel. Ironischerweise siegte Dick Seaman, ein Brite, der für Mercedes-Benz startete, 1938 auf dem Nürburgring. Nur halbherzig hob er nach der Zieldurchfahrt den Arm...

Auch Auto-Union-Fahrer Bernd Rosemeyer war ein ‚Ringmeister’: Er gewann 1936 und 1937 das Eifelrennen und 1936 den Großen Preis von Deutschland. Rudolf Caracciola sorgte 1937 und 1939 für Mercedes-Benz-Grand-Prix-Erfolge, sein Markenkollege Hermann Lang siegte 1939 beim Eifelrennen. Es war klar, dass die deutschen Hersteller das Geschehen im europäischen Rennsport fast nach Belieben dominierten.

 

1950er Jahre: Anfang der Formel-1-Geschichte auf dem Nürburgring

1951, im zweiten Jahr der neuen Formel-1-Weltmeisterschaft, war der Große Preis von Deutschland erstmals Teil des WM-Kalenders.

Der italienische Ferrari-Fahrer Alberto Ascari, der bereits im Jahr zuvor mit einem Formel-2-Auto auf dem Nürburgring siegreich war, wurde der erste Sieger eines WM-Rennens in der Eifel und gewann auch 1952. Auch der berühmte Juan Manuel Fangio siegte gleich mehrmals: Er gewann 1954 mit Mercedes und wiederholte den Erfolg in den Jahren 1956 mit Ferrari und 1957 mit Maserati. Der Sieg 1957 ging in die Motorsportgeschichte ein: Der Argentinier entschied sich für einen Reifenwechsel und legte danach eine furiose Aufholjagd hin, die er als Sieger beendete. Der Brite Tony Brooks feierte 1958 und 1959 mit Vanwall und Ferrari zwei Siege in Folge.

 

Liebe für die Langstrecke

Zusätzlich zu den Formel-1-Rennen gab es auf dem Nürburgring auch Langstreckenrennen. Das erste 1000-Kilometer-Rennen wurde 1953 ausgetragen, die Sieger waren Alberto Ascari und Giuseppe Farina für das Ferrari-Werksteam.

In den 1960er und den frühen 1970er Jahren gab es viele weitere Erfolge für Ferrari, aber 1967 feierte Porsche den ersten Sportwagensieg und startete damit eine Erfolgsserie, die bis 2017 anhielt. In den Jahren 2015 bis 2017 fuhr der Porsche 919 Hybrid im Rahmen der FIA-Langstrecken-WM auf dem Nürburgring drei Siege in Folge ein.

 

Weitere siegreiche Porsche-Sportwagen waren die Modelle 908, 910 und 935. Bemerkenswert: Der legendäre 917 gewann nie ein Rennen auf dem Nürburgring, der kompaktere 908/03 war für die kurvenreiche Eifelstrecke besser geeignet.

Der legendäre 956 war in den Erfolgsjahren der Gruppe C erfolgreich. Mit seiner Fabelzeit von 6:11,13 Minuten im Zeittraining für das Rennen 1983 stellte Stefan Bellof einmal mehr seinen Speed und Mut unter Beweis.

Sauber, Mercedes und Jaguar feierten allesamt Erfolge in der zweiten Hälfte der 1980er. Danach gab es eine längere Unterbrechung der Sportwagentradition auf dem Nürburgring, das Comeback folgte im Jahr 2000.

Mit den Le Mans Series in verschiedenen Ausführungen wurde die Tradition wieder aufgenommen. Marken wie Audi und Peugeot feierten Siege, ebenso Zytek und Pescarolo.

 

1960er Jahre: Die British Empire regiert

Fahrer aus dem British Empire dominierten zum großen Teil die Grand-Prix-Rennen der 1960er Jahre in der Eifel. Stirling Moss, Graham Hill, Jim Clark, John Surtees und Jackie Stewart feierten in diesem Zeitraum alle Grand-Prix-Siege auf dem Nürburgring.

Von ihnen war Surtees, Weltmeister 1964, mit zwei aufeinanderfolgenden Siegen mit Ferrari in den Jahren 1963 und 1964 der erfolgreichste Fahrer. Das Rennen 1968 ging in die Geschichte ein: Starkregen und dichter Nebel sorgten fast für die Absage des Rennens. Der Schotte Jackie Stewart machte das Beste daraus und gewann mit einem Vorsprung von über vier Minuten auf Graham Hill.

Stewart machte nie einen Hehl aus seiner Abneigung für den Nürburgring und nannte die Strecke ‚die grüne Hölle’. Er erklärte, dass er jedes Jahr, als er von zuhause in die Eifel reiste, einen Blick zurück auf sein Haus und seine Familie warf, unsicher, ob er sie nach einem Wochenende auf dem Ring jemals wiedersehen würde...

 

1970er Jahre: Das Ende der Formel 1 auf der Nordscheife

Während der 1970er Jahre wurde es immer schwieriger, die fehlenden Sicherheitsvorkehrungen auf dem Nürburgring im Vergleich zu den neueren, kürzeren Strecken im Grand-Prix-Kalender zu rechtfertigen.

Vor allem Stewart war ausgesprochen in seiner Kritik und betonte, dass es unmöglich war, ausreichend Streckenposten zu finden für eine Strecke mit einer Länge von 20 Kilometern. Trotz seiner Vorbehalte erreichte der Tyrrell-Fahrer zwei weitere Siege auf dem Kurs.

 

1976 erwogen die Fahrer sogar einen Boykott der Strecke, wurden jedoch überredet, ein letztes Mal an den Start zu gehen. Am 1. August verunfallte der Weltmeister Niki Lauda im Ferrari und erlitt schwere Brandverletzungen sowie eine Rauchvergiftung, als sein Auto Feuer fing.

Der Österreicher kehrte bald wieder ins Cockpit zurück und kämpfte bis zum Schluss mit McLaren-Fahrer James Hunt um den Weltmeistertitel. Sein Unfall jedoch bedeutete das Aus für die lange Strecke im WM-Kalender und der deutsche Grand Prix fand fortan in Hockenheim statt.

 

1970-2019: Tag und Nacht im Renntempo

1970 fand erstmals auf dem Nürburgring ein 24-Stunden-Rennen statt. Hans-Joachim Stuck und Clemens Schickentanz waren im Koepchen BMW 2002 TI die ersten Sieger.

Bis auf 1974 und 1975 (Ölkrise) sowie 1983 (Umbau der Strecke) fand das 24-Stunden-Rennen seitdem jedes Jahr statt. Legendäre Fahrer wie Niki Lauda, Klaus Ludwig, Roberto Ravaglia, Marc Duez, Bernd Schneider, Marc Lieb, Timo Bernhard und Romain Dumas stehen alle auf der Siegerliste, ebenso die aktuellen DTM-Fahrer Mike Rockenfeller, René Rast und Nico Müller.

Einen weiteren Erfolg mit DTM-Bezug gab es mit dem Gesamtsieg 2003 für den Opel Astra V8 Coupé des Phoenix-Racing-Teams, ein angepasstes DTM-Rennauto, gefahren von Manuel Reuter, Timo Scheider, Marcel Tiemann and Volker Strycek.

Mit 19 Gesamtsiegen ist BMW die erfolgreichste Marke in der Geschichte des Rennens. Seit Einführung des GT3-Reglements 2012 hat Audi fünf Siege eingefahren. Das Rennen zieht in der Regel weit über 200.000 Zuschauer und zählt damit zu den größten Sportveranstaltungen Deutschlands.

 

1984: Ein neues Zuhause und die Rückkehr der Formel 1

Der Abschied der Formel 1 von der Nordschleife Mitte der 70er Jahre bedeutete nicht das endgültige Aus für den Grand-Prix-Rennsport in der Region.

Eine neue, kürzere Grand-Prix-Strecke wurde neben dem alten Kurs gebaut, die Eröffnung folgte im Mai 1984.

 

Die moderne Zeit: Ein Zuhause für die DTM

Nur einen Monat nach der Wiedereröffnung im Mai 1984 stand die Grand-Prix-Strecke des Nürburgrings bereits im Kalender der ersten DTM-Saison. Seitdem gastierte die Serie jedes Jahr in der Eifel, in manchen Jahren sogar mit bis zu drei Veranstaltungen!

Tatsächlich ist der Nürburgring in der Addition von Grand-Prix-Strecke in langer und kurzer Ausführung sowie Nordschleife nach Hockenheim die Anlage mit der zweithöchsten Zahl von ausgetragenen DTM-Rennen.

 

Wenig überraschend ist der dreimalige DTM-Champion Klaus Ludwig mit 14 Rennsiegen auf seiner Heimstrecke auch der erfolgreichste Fahrer in der Geschichte der DTM auf dem Ring. Danach folgen Bernd Schneider mit sechs und Manuel Reuter mit fünf Siegen. Zwei weitere namhafte Fahrer, Nicola Larini und Steve Soper, fuhren jeweils vier DTM-Rennsiege in der Eifel ein.

 

Die schnellste Mautstraße der Welt

Offiziell gilt die Nordschleife als öffentliche Mautstraße mit Einwegverkehr!

Wenn die Strecke nicht gerade für Testfahrten oder Rennen benutzt wird, ist sie gegen eine nominelle Gebühr für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Faszination, selbst auf der 20 Kilometer langen Strecke fahren zu können, zieht Autoliebhaber aus der ganzen Welt an. So sind die sogenannten ‚Touristenfahrten’ auch eine beachtliche Einnahmequelle, nicht nur für die Rennstrecke selbst, sondern auch für Hotels, Frühstückspensionen, Restaurants, Cafés, Werkstätten, Tankstellen und Geschäfte in der Region.

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