Die totale Überwachung – ein Besuch in der Rennleitung | DTM.com | Die offizielle Webseite
2015-06-23 13:00:00

Die totale Überwachung – ein Besuch in der Rennleitung

  • Die totale Überwachung – ein Besuch in der Rennleitung
  • Die totale Überwachung – ein Besuch in der Rennleitung

Der Raum ist klein und überall flimmern Bildschirme: Zahlreiche Fernseher bilden an der Front eine große Videoleinwand, auf den Tischreihen reiht sich Monitor an Monitor. Dazwischen beobachten 15 Menschen gebannt das Geschehen. Jeder trägt ein Headset, jeder ist hochkonzentriert, kaum jemand spricht ein Wort. Eine Atmosphäre, wie bei einer Mondlandung. Dann wird es hektisch. Kameraperspektiven werden herangezoomt, die Lage wird schnell und präzise analysiert. Sekunden später das unmissverständliche Ergebnis. „Red flag“, hallte es durch den Raum – die Rennleitung hat entschieden. Das Freie Training der DTM-Fahrer ist vorzeitig beendet.

Ich bin zu Gast bei der Rennleitung am Hockenheimring. Jeder Meter der Strecke wird von Kameras erfasst, kein Winkel bleibt den Hütern der Sicherheit und des Reglements verborgen. Das Freie Training beim DTM-Saisonauftakt ist im vollen Gange. „Deshalb sind die hier alle noch recht entspannt“, sagt Michael Kramp vom DMSB. „Während eines Qualifyings oder Rennens wäre es hier mucksmäuschenstill.“ Entspannt ist relativ, denke ich. Kaum ein Wort ist zu hören, geschweige denn ein lockeres Gespräch. Jeder fixiert die Monitore, scheint in seine Aufgabe vertieft. Das gilt besonders für die erste Reihe. „Das ist der ständige Bestandteil der Rennleitung. Die sind bei jeder DTM-Veranstaltung dabei“, erklärt Kramp. Die Aufgaben sind klar verteilt, der Arbeitsplatz genau auf die entsprechenden Bedürfnisse zugeschnitten:

Rennleitung: Der Rennleiter ist die höchste Instanz im Team. Er hat das letzte Wort. Was der Rennleiter entscheidet ist endgültig und wird sofort umgesetzt.
Marshall-System: Neben dem Rennleiter bewahrt ein Kommissar die Gesamtübersicht. Auf seinen Monitoren ist die komplette Strecke grafisch dargestellt. Wandernde Punkte mit Startnummern geben ihm Auskunft, wo sich die jeweiligen Autos des Fahrerfeldes bewegen. Kommt ein Pilot von der Strecke ab blinkt die entsprechende Startnummer auf. Farbliche Markierungen neben den einzelnen Streckenabschnitten weisen auf Besonderheiten, wie gelbe Flaggen, hin.
Beratung durch Aktive: Der zweite direkte Sitznachbar des Rennleiters ist ein aktiver und erfahrener Rennfahrer. Er hat die Aufgabe, Situationen aus Fahrersicht zu bewerten. War eine Reaktion vermeidbar? Hätte man ausweichen können? Seine Einschätzungen unterstützen den Rennleiter bei seinen Entscheidungen.
Sicherheit und Bergung: Kommt es zu einem Unfall, wird dieser Kommissar aktiv. Er koordiniert sämtliche Hilfsfahrzeuge an der Strecke. Muss ein Auto geborgen werden?  Wie geht es am schnellsten? Welche Fahrzeuge müssen auf die Strecke geschickt werden? Ist ein Rettungswagen vonnöten? Muss die Fahrbahn gereinigt werden? Ihm zur Seite stehen erfahrene Mitarbeiter der jeweiligen Rennstrecke. Sie sitzen in der zweiten Reihe und unterstützen ihn durch ihre lokalen Kenntnisse und helfen bei der Koordination. Bei schweren Zwischenfällen wird der Rennarzt aktiv, der sich ebenfalls in der Rennleitung befindet.
Fernsehbilder und Dokumentation: Dieser Kommissar hat die Aufgabe knifflige Szenen genauer zu beleuchten. Er untersucht alle verfügbaren Kameraeinstellungen eines Zwischenfalls oder möglichen Vergehens und zeichnet diese auf. Material, das er nach Bedarf auch an die Fernsehregie der Veranstaltung weiterleitet. Außerdem werden die Aufzeichnungen für die Beweisführung einer Entscheidung gesichert.
Regie und Startkontrolle: Dieser Kommissar bedient unter anderem die große Videoleinwand. Er führt sozusagen die Regie und wechselt zwischen den verfügbaren Kameras hin- und her.  Zudem überwacht er den Startvorgang. Jedes einzelne Fahrzeug wird von Spezialkameras erfasst mit denen der Kommissar einen möglichen Frühstart genau erfassen kann.

Während das Freie Training seinen Lauf nimmt, betreten hin und wieder die sogenannten Runner den Raum. Sie haben die Aufgabe, Entscheidungen der Rennleitungen an die betroffenen Teams in der Boxengasse zu übergeben. Oft wird ihr Einsatz während meines Besuchs jedoch nicht benötigt, die Kommissare müssen nur selten aktiv werden. Bis zehn Minuten vor dem Ende des Trainings ein Wagen ins Kiesbett rutscht. Ein verhältnismäßig kleiner Zwischenfall, doch die Unfallstelle ist unübersichtlich, eine Fahrzeug-Bergung mit schwerem Gerät vonnöten. Die offensichtliche Maxime der Rennleitung: kein unnötiges Risiko. Binnen Sekunden ist die Endscheidung gefallen. „Red flag“, ruft der Rennleiter durch den Raum. Alle leiten routiniert die notwendigen Schritte ein. Das Training und mein Besuch in der Rennleitung ist beendet. 

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