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2018-08-06 12:45:00

Die Welt zu Gast bei Freunden

Die Welt zu Gast bei Freunden

Die Gästeliste der DTM ist illuster. Bei den DTM-Rennen im italienischen Misano (24.–26. August) kommt ein weiterer prominenter Name hinzu, wenn Alessandro Zanardi in einem BMW M4 DTM sein Gastspiel gibt.Der ehemalige Formel-1-Pilot und Paralympics-Goldmedaillengewinner betritt den Kreis zahlreicher Gaststarter in der langen Geschichte der Tourenwagenserie.

Gastspiele von prominenten Fahrern sind nichts Ungewöhnliches. Sogar DTM-Chef Gerhard Berger bestritt ein Rennen in seiner außergewöhnlichen Motorsport-Karriere. Zum Saisonauftakt 1985 in Zolder nahm der Österreicher in einen BMW 635 CSi Platz und wurde letztlich Achter. Den Lauf gewann damals Harald Grohs.

Der große Michael Schumacher setzte sich im Jahr 1990 und 1991 vier Mal in der DTM hinter das Lenkrad eines Mercedes 190E 2.5-16 Evo2. Ein 14. Platz in Diepholz und ein 25. Platz am Norisring waren dabei die besten Resultate des siebenmaligen Formel-1-Weltmeisters. Auch dessen langjähriger Manager versuchte sich einmal in der DTM. Willi Weber belegte am Nürburgring im Jahre 1984 in einem VW Scirocco den 16. Platz.

Formel-1-Weltmeister, Dakar-Sieger und… Streckendesigner

Der Franzose Jean-Louis Schlesser, zweimaliger Gewinner der Rallye Dakar, gab sich im Oktober 1988 auf dem Hockenheimring ein Stelldichein. Mit einem Mercedes 190 E 2.3-16 wurde er Zehnter und Siebter im Rennen. Bekannt wurde Hermann Tilke als Streckenbauer. Unter anderem realisierte er die Kurse in Sepang, Bahrain und Shanghai. Er war aber auch am Umbau des Hockenheimrings beteiligt. Am Nürburgring zeichnete er verantwortlich für die Bilstein-Tribüne und die neue Streckenführung (Mercedes-Arena). 1987 war er Fahrgast in der DTM mit einem Toyota Corolla. Tilke, der zusammen mit DTM Race Consultant Dirk Adorf 2003 und 2004 auch ein paar VLN-Läufe gewann, sah den Zielstrich in Zolder aber nicht.

Auch andere ehemalige und künftige Formel-1-Fahrer machten eine Stippvisite. Der 1994 tödlich verunglückte Roland Ratzenberger trat im Juni 1989 als Ersatzpilot für Karl Wendlinger in einem Mercedes 190 E 2.3-16 an. Der Österreicher belegte im ersten Rennen auf der Nordschleife des Nürburgrings den 18. Platz, im zweiten Rennen schied er aus. Juan-Pablo Montoya startete im August 1996 mit einem AMG-Mercedes C-Klasse in Silverstone, blieb aber ohne Platzierung, bevor es den Kolumbianer ab 2001 für Williams und später dann McLaren in die Königsklasse verschlug. Im Oktober des selben Jahres fuhr Christian Fittipaldi, Neffe des zweimaligen Formel-1-Weltmeisters Emerson Fittipaldi, in seiner Geburtsstadt São Paulo mit einem Mercedes-AMG C-Klasse unter anderem einen zehnten Rang heraus.

1996 war ohnehin das Jahr der Gastfreundlichkeit in der DTM. Im November pilotierte Aguri Suzuki einen AMG-Mercedes C-Klasse im ersten Rennen in Suzuka auf Platz elf. Ein Jahr zuvor hatte der Japaner nach acht Jahren und 65 Starts seine Karriere in der Formel 1 beendet. Ebenfalls nach dem Ende seiner Laufbahn in der Formel 1 (105 Starts) fuhr Jochen Mass im Jahr 1991 vier Rennen in der DTM mit mäßigem Erfolg. Der ehemalige Co-Kommentator der F1 beim TV-Sender RTL startete in Zolder, in Wunstorf und zweimal in Diepholz mit einem Mercedes 190E 2.5-16 Evo2 und sein bestes Ergebnis war ein 23. Platz.

Legendäre Lombardi sorgte für Furore

Die 1992 aufgrund eines Krebsleidens verstorbene Maria Grazia „Lella“ Lombardi war die erste Frau, die jemals an einem DTM-Rennen teilnahm. Im Premierenjahr 1984 sorgte die Metzger-Tochter aus Frugarola in Hockenheim mit einem Alfa Romeo GTV6 mit den Plätzen zehn und sechs für Furore. Von 1974 bis 1976 nahm Lombardi an zwölf Formel-1-Läufen teil. 1975 schrieb sie Formel-1-Geschichte. Für den sechsten Platz beim vorzeitig abgebrochenen Großen Preis von Spanien auf dem Circuit de Montjuïc in Barcelona mit einem March-Ford erhielt sie einen halben WM-Punkt. Sie ist somit die erste und einzige Frau, die jemals bei einem Formel-1-Grand-Prix in die Punkteränge fuhr.

Die Liste ließe sich noch problemlos erweitern, auch Sportler wie der mehrfache Querfeldein-Radweltmeister Klaus-Peter Thaler, der tödlich verunglückte ehemalige Porsche-Kremer-Pilot Bob Wollek, Tony Kanaan, 2004 Meister in der IndyCar Series, oder Wayne Gardner, Motorrad-Weltmeister von 1987 in der 500-ccm-Klasse, waren bei der DTM gern gesehene Gäste.

Und die Gästeliste wird länger werden. Alessandro Zanardis Auftritt für BMW im italienischen Misano ist nicht der letzte seiner Art. Bereits zum Saisonauftakt in Hockenheim holte Mattias Ekström im Audi seine Abschiedsvorstellung nach. Möglich machte dies eine Reglementänderung. Eine neu eingeführte Klausel besagt, dass pro Hersteller für maximal eine Veranstaltung der Saison 2018 eine Genehmigung für einen zusätzlichen Teilnehmer erteilt werden kann. Der Gaststarter erhält keine Punkte: Das Ergebnis wird erstellt, als hätte der zusätzliche Pilot gar nicht am Rennen teilgenommen. Audi und BMW haben die Gastkarte gezogen. Fehlt nur noch Mercedes.

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