DTM 2019

DTM 2019 Driver Vote

DTM 2019 Driver Vote Jury

DTM 2019 Driver Vote Jury

Aus der Gesamtwertung 2019 geht hervor, wer der beste Fahrer des Jahres war. In gewisser Weise ja, aber es ist ein ziemlich enges Raster, das die komplizierten Nuancen des Rennsports oft nicht genau erfasst. Die Anstrengungen, die Fähigkeiten oder die Intelligenz, die einen Spitzensportler ausmachen, werden dabei oft außen vor gelassen. Ganz zu schweigen von den Fehlern, die ohne Punkte beendeten Rennen und den Ausfällen.

Am Ende der Saison bat DTM.com daher die Motorsport-Chefs der Hersteller, die Teamchefs und einige weitere hochrangige Vertreter des Sports darum, ihre persönlichen Top-10-Fahrer zu wählen.

Die Punkte wurden von 10 bis 1 vergeben, wobei jeder Wähler seine persönlichen Top 10 aufstellen konnte.

Ihnen allen wurde Anonymität zugesichert - nicht nur, um sie nicht in Verlegenheit zu bringen, sondern auch, um sie zu ermutigen, frei, ehrlich und korrekt abzustimmen.

Ihre Abstimmung hat es uns ermöglicht, einen präzisen, unbeirrten und (hoffentlich) ehrlichen Bericht über das in der DTM gezeigte fahrerische Talent zusammenzustellen.

Und die Ergebnisse könnten dich überraschen ...

René Rast (GER) 128 Punkte

René Rast (GER) 128 Punkte

René Rast (GER) 128 Punkte

Audi Sport Team Rosberg # 33

Es ist fast unmöglich, bei René Rast Schwachstellen zu finden. Wie einst der große Alain Prost in der Formel 1, sieht Rast eigentlich nie schnell aus, auch wenn er fast ausnahmslos der Schnellste von allen ist. Der Audi-Star baut sein Tempo allmählich auf. Man sieht ihn im freien Training selten eine herausragende Zeit fahren, aber wie einst Prost und Michael Schumacher geht er zutiefst analytisch vor und fügt alle Puzzleteile zusammen, bis er in der Lage ist, mit einer überraschenden, überragend schnellen Runde zuzuschlagen.

Nicht weniger als 35 seiner Meisterschaftspunkte gehen auf Rasts Qualifying-Talent zurück - ein entscheidender Faktor. Wichtiger noch: Diese starken Startpositionen halfen ihm, das Chaos der Startrunden hinter sich zu lassen. Während andere im Verkehr kämpften oder versuchten, ihre Reifenstrategien umzusetzen, konnte Rast einfach gleichmäßig fahren – in der Gewissheit, dass er eine ordentliche Anzahl an Punkten sammeln würde.

Es ist schwierig, die Schwächen in Rasts Spiel aufzudecken. Von hinten (wie in Hockenheim, wo er gezwungen war, zu sprinten, um das Feld vor dem Neustart einzufangen), konnte man sich immer darauf verlassen, dass er durch das Feld stürmte. Bei der Setup-Arbeit khat er mit seinem analytischen Vorgehen stets die besten Kompromisse gefunden. Von seltenen mechanischen Problemen ließ er sich nicht verunsichern und kam danach immer stärker zurück.

DTM-Chef Gerhard Berger hat offen bekannt, dass er Rast auch eine Karriere als Grand-Prix-Fahrer zugetraut hätte. Akzeptiert zu haben, dass dieser Zug für ihn abgefahren ist und dass deshalb sein einziger Fokus auf dem Erfolg in der DTM liegt, spricht ebenfalls für Rast. Er weiß: Es ist nicht alles Gold, was glänzt.

Ist er der größte DTM-Fahrer aller Zeiten? Es ist noch zu früh in seiner Karriere, um das zu sagen. Aber wenn er in diesem Tempo weitermacht, hat er beste Chancen, den DTM-Olymp eines Tages zu erklimmen...

2. Marco Wittmann (GER) 103 Punkte

2. Marco Wittmann (GER) 103 Punkte

2. Marco Wittmann (GER) 103 Punkte

BMW Team RMG # 11

Wenn es in der Saison von Marco Wittmann einen entscheidenden Wendepunkt gab, dann fand dieser im Sommer irgendwo zwischen dem Samstags- und Sonntagsrennen in Brands Hatch statt. Der zweimalige Champion hatte das erste Rennen von der Pole Position aus gewonnen. Nach dem Sieg von Brands und dem beeindruckenden Wochenende in Assen, an dem er 74 Punkte sammelte, sah er aus wie ein klarer Titelanwärter.

Beim Sonntagsrennen in Brands Hatch startete er jedoch außerhalb der Top 10 und holte als Zehnter nur einen einzigen Punkt. Nach dem Rennen in Assen hatte er noch gesagt, dass er konstanter werden und regelmäßig Punkte sammeln müsse. Nach Brands Hatch brachte er es in den sechs restlichen Rennen nur noch auf 56 weitere Punkte.

Während die Leistung von BMW stark abfiel und kein weiterer Rennsieg für die Münchner hinzukam, gab es an Marcos Tempo nichts zu kritisieren. Er war schnell auf trockener und auch auf nasser Piste. Es wurde für ihn nur immer enger, als er sich gegen die immer schneller werdenden Audis wehren musste.

3. Nico Müller (SUI) 95 Punkte

3. Nico Müller (SUI) 95 Punkte

3. Nico Müller (SUI) 95 Punkte

Audi Sport Team Abt Sportsline #51

Wer Nico Müller am vorletzten Rennwochenende der Saison 2019 am Nürburgring erlebt hat, weiß wie groß seine Enttäuschung gewesen ist, René Rast in Titelrennen nicht bis zum Schluss herausgefordert zu haben. Dennoch darf sich der Schweizer über eine beeindruckende Saison in nahezu jeder Hinsicht freuen.

Der sympathische Audi-Pilot erwies sich vor allem aufgrund seiner Konstanz als einer der stärksten Titelkandidaten. Bis zum bereits angesprochenen Nürburgring-Wochenende landete Müller immer in den Top 10 und feierte neben drei Saisonsiegen acht weitere Podiumsplätze. Sein Punkteschnitt hätte in den meisten anderen Jahren locker zum Titelgewinn gereicht. Der entscheidende Unterschied zu Rast: Der Champion war in den Rennen ähnlich konstant und glich die wenigen mäßigen Leistungen immer durch seine herausragende Qualifying-Performance aus, die ihm ein zusätzliches Punkte-Polster bescherte.

Trotzdem hat Nico eine sehr respektable Saison abgeliefert. Es waren weniger die Siege, durch die er glänzen konnte, sondern die Tatsache, dass er nach dem Qualifying in den Top 10 immer einen Podiumsplatz belegen konnte. Das sprach für sein Fahrgeschick und die effiziente Analyse eines Rennens.

Man hat das Gefühl, dass er mit dem Rückenwind aus 2019 im Jahr 2020 noch stärker sein wird.

4. Philipp Eng (AUT) 54 Punkte

4. Philipp Eng (AUT) 54 Punkte

4. Philipp Eng (AUT) 54 Punkte

BMW Team RMR #25

Der Rocker Neil Young hat einst gesungen: „It’s better to burn out than fade away“ – „Es ist besser auszubrennen als zu verblassen“. Wahrscheinich bezog er sich beim Schreiben des Songtextes nicht auf Philipp Engs Saison 2019. Es hätte jedoch durchaus gepasst.

Engs zweites Jahr in der DTM begann gut. Bei seinem legendären Start von der Pole Position in Hockenheim, schien er in einer anderen Liga zu spielen als seine Rivalen. Nach seinem ersten Rennsieg in Zolder (mit Safety-Car-Unterstützung) und einem ungeheuer souveränen Überholmanöver, an René Rast vorbei auf den zweiten Platz in Misano, wäre man überzeugt gewesen, dass dies die Saison würde, in der er den Titel holen könnte.

Abgesehen von diesen Höhepunkten gab es aber wenig mehr zu feiern. Wenn sich die Audi-Piloten aus irgendeinem Grund etwas schwächelten, wurde Eng oft zum Nutznießer und holte sich hier und da eine Handvoll Punkte. Er verlor aber zu oft Plätze im heißumkämpften Mittelfeld.

Sein vierter Platz im Drivers Voting (zwei Plätze vor seinem Platz in der DTM-Gesamtwertung) spricht für seinen Ruf, den er im Fahrerlager genießt. Eng wird darauf hoffen, in der kommenden Saison häufiger um Spitzenresultate fahren zu können.

5. Robin Frijns (NED) 47 Punkte

5. Robin Frijns (NED) 47 Punkte

5. Robin Frijns (NED) 47 Punkte

Audi Sport Team Abt Sportsline #4

Der lockere Audi-Pilot, der seine DTM-Engagement mit Starts in der Formel E (mit Envision Virgin Racing) kombiniert, stellte 2019 seine großartigen Allrounder-Qualitäten unter Beweis. Er feierte zwei Siege in der Elektroserie, scheiterte jedoch in seiner zweiten DTM-Saison daran, den lang ersehnten Sieg einzufahren.

Frijns klagte oft über sein Pech – und damit lag er auch nicht ganz falsch. In vier der ersten neun Rennen schaffte er es nicht ins Ziel. Allerdings hatte er auch nie das nötige Tempo, um sich den Weg nach vorne zu bahnen, wenn er die Gelegenheit hatte, viele Punkte zu holen.

Das soll nicht heißen, dass er nicht schnell war. Er fuhr beim Saisonauftakt aufs Siegertreppchen und versuchte das ganze Jahr über einen Sieg einzufahren. Das Glück, oder wie auch immer man es nennen mag, fiel ihm jedoch nicht in den Schoß.

Trotzdem zeigte Frijns einige großartige, inspirierte Fahrten, wenn man zum Beispiel an die Rennen am Lausitzring und am Nürburgring denkt. Robin Frijns ist ein Siegfahrer im Wartestand.

6. Mike Rockenfeller (GER) 42 Punkte

6. Mike Rockenfeller (GER) 42 Punkte

6. Mike Rockenfeller (GER) 42 Punkte

Audi Sport Team Phoenix #99

Wie Aberdein war auch Mike Rockenfellers Saison 2019 mehr von stetigem als atemberaubenden Tempo geprägt – und dazu gehört auch sein Sieg in Assen.

Die Saison des DTM-Champions von 2013 begann mit einem zweiten Platz im Eröffnungsrennen stark, aber dann verschwand er weitgehend von der Bildfläche. Seine Saison nahm erst nach dem Sieg in Assen in der Mitte des Jahres wieder richtig Fahrt auf, wo er brillant die Reifen managte und zu einem fehlerfreien Sieg fuhr.

Auch wenn der Audi-Pilot letztlich kein Titelanwärter war, mischte er in der Regel vorne mit. Frustrierenderweise fehlten ihm immer die letzten paar Zehntel der Rundenzeit, die er gebraucht hätte, um seinen Rennnachmittag in einen echten Angriff umzuwandeln.

Wie Loïc Duval zeigte auch er mit seiner Leistung beim Dream Race im November in Fuji, dass er nach wie vor zu den schnellsten Fahrern der DTM gehört.

7. Jonathan Aberdein (RSA) 35 Punkte

7. Jonathan Aberdein (RSA) 35 Punkte

7. Jonathan Aberdein (RSA) 35 Punkte

WRT Team Audi Sport

Der junge Südafrikaner war so unauffällig unterwegs, dass es manchmal leicht war, seine herausragenden Auftritte, von denen es viele gab, zu verpassen.

Im Gegensatz zu Landsmann Sheldon van der Linde kam Aberdein etwas langsamer in Fahrt. Zu Saisonbeginn war er wie die gesamte WRT-Mannschaft darauf konzentriert, sich an die DTM zu gewöhnen. Aber spätestens am dritten Rennwochenende in Misano hatte er zur Spitze aufgeschlossen.

In Italien startete er von P2 und P3 und erzielte in beiden Rennen Top-10-Platzierungen. Danach folgten weitere Starts in der ersten Reihe in Assen und auf dem Lausitzring sowie Top-Vier-Platzierungen in den Niederlanden und auf dem Nürburgring.

Aberdein ist ein schneller, gründlicher und effizienter Rennfahrer. Er wird wahrscheinlich nie eine als großer Showman auffallen, erle-digt seinen Job aber ruhig und bringt die Punkte konstant nach Hause.

8. Sheldon van der Linde (RSA) 35 Punkte

8. Sheldon van der Linde (RSA) 35 Punkte

8. Sheldon van der Linde (RSA) 35 Punkte

BMW Team RBM # 31

Jenson Buttons bezeichnete den jungen Südafrikaner nach deren Zweikampf in Hockenheim als „den dreckigsten Fahrer, den er je gesehen hat.“ Das war ein unfaires Urteil über den BMW-Rookie, der sein Auto konsequent im Griff hatte und im Laufe des Jahres einige wirklich gigantische Leistungen ablegte – allen voran seine sensationelle Pole-Position in Zolder, bei seinem erst vierten DTM-Rennen überhaupt. Dem späteren Sieger René Rast konnte er leider nicht ganz die Stirn bieten. Allerdings blieb der Youngster bis in die letzten Runden in Schlagdistanz. Kurz vor Schluss ließen ihn seine verschlissenen Reifen dann im Stich. Ergebnis: ein noch immer respektabler fünfter Platz.

Dieses zunächst beeindruckende Tempo ließ allmählich nach, als die BMW-Teams gegenüber Audi ins Hintertreffen gerieten. Van der Linde fuhr in seinem BMW DTM M4 allerdings regelmäßig in die Top 10. Schnell auf nassem, schnell auf trockenem Untergrund – und immer bereit, seine Rivalen in Schach zu halten.

Ein wirklich schneller Rennfahrer, trotz seines jungen Alters von nur 20 Jahren. Ein guter Fang für die DTM.

9. Jamie Green (GBR) 24 Punkte

9. Jamie Green (GBR) 24 Punkte

9. Jamie Green (GBR) 24 Punkte

Audi Team Rosberg #53

Als begeisterter Fußballfan wird Green sicherlich den Vergleich, dass seine Saison ein Spiel mit zwei Hälften war, zu schätzen wissen. Nach einer unergiebigen und, um ehrlich zu sein, enttäuschenden Saison 2018, musste Green dringend wieder in den Sattel steigen. Das aufgrund einer Blinddarmoperation verpasste Misano-Rennen trug nicht gerade zu seinem Aufschwung bei. Am meisten traf ihn aber, dass er während des Qualifyings versäumt hatte, das Maximum aus seinem Auto herauszuholen.

Im Vergleich zu Rast, dem Tempomacher der Saison, fehlte Green das gewisse Etwas, das nötig war, um eine schnelle Runde zu ziehen, wenn es wirklich darauf ankam. Dennoch konnte er stetig ein starkes Rennen abliefern – wenn auch durch schlechte Startpositionen behindert.

Sein dringend benötigter Podiumsplatz in Zolder war ein Beweis dafür, dass er so gut fahren konnte wie jeder andere. Seine Erfolgssträhne gegen Ende der Saison – die Pole auf dem Lausitzring, dem 500. Rennen der DTM und die Pole und der Sieg auf dem Nürburgring – zeigte, dass sein hohes Tempo und sein Selbstvertrauen noch vorhanden sind.

10.  Jake Dennis (GBR) 23 Punkte

10. Jake Dennis (GBR) 23 Punkte

10. Jake Dennis (GBR) 23 Punkte

R-Motorsport Aston Martin # 76

Der junge Brite war zwar nicht der Fahrer mit den meisten Punkten, aber die herausragende Figur des neuen R-Motorsport Aston-Martin-Teams. Wie alle Aston-Fahrer fehlte es Dennis die ganze Saison an Beständigkeit - aber wann immer er eine Gelegenheit bekam, ergriff er sie mit beiden Händen.

Dennis war schnell und furchtlos. In seiner rasanten Fahrt in Zolder nutzte er ein chaotisches, von der Reifenwahl bestimmtes Rennen, um den sechsten Platz zu holen. Seinen achten Platz im Hockenheim-Finale errang er mit fast fröhlichem Eifer, indem er schnellere Autos hinter sich in Schach hielt, während er mit den rutschigen Bedingungen kämpfte.

Im GT- und Sportwagensport hat er eine lange und erfolgreiche Karriere vor sich.

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