DTM-Mechaniker: die heimlichen Helden | DTM
2016-07-27 13:30:00

DTM-Mechaniker: die heimlichen Helden

  • Zehn Leute sind im Schnitt am Rennwochenende für ein Fahrzeug zuständig
  • Zehn Leute sind im Schnitt am Rennwochenende für ein Fahrzeug zuständig
  • Zehn Leute sind im Schnitt am Rennwochenende für ein Fahrzeug zuständig

Ohne Männer wie Alexander Gramlich wären die beeindruckenden Auftritte der DTM-Piloten nicht denkbar. Gramlich agiert im Schatten der Protagonisten. Und doch gebührt ihm und seinen Kollegen häufig der größte Dank nach einer erfolgreichen DTM-Session. „Ich danke meinem Team für die super Arbeit. Sie haben mir ein tolles Auto hingestellt.“ – Ein Satz, den wohl jeder DTM-Pilot in seiner Karriere bereits geäußert hat. Auch Robert Wickens sprach ähnliche Worte nach seinem dritten Platz im ersten Qualifying des Jahres 2016 und bedankte sich damit auch bei Gramlich. Der ist nämlich seit Saisonbeginn als Mechaniker für das Arbeitsgerät des Kanadiers zuständig – ein Job, der jede Menge Leidenschaft, Ausdauer und Fachwissen erfordert.

Seit 2008 ist Gramlich teil des Mercedes-AMG Teams HWA. Nachdem er seine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker beendet und im Anschluss sein Bachelor-Maschinenbau-Studium in der Tasche hatte, bewarb er sich kurzerhand bei HWA. „Der Bachelor-Abschluss ist aber keine Voraussetzung für den Job in der DTM“, sagt Gramlich. „Vielmehr zählt neben dem obligatorischen Know-How, viel Engagement, Teamfähigkeit und die Liebe zum Beruf. Es kommt auf die Kleinigkeiten an, viele Überstunden sind an der Tagesordnung.“ Charaktereigenschaften und Fähigkeiten, die Gramlich offensichtlich beim Boxenstopp-Casting vor acht Jahren mitbrachte. Er wurde angestellt und arbeitet sich langsam in der Team-Hierarchie nach oben. „Erst habe ich ausschließlich Boxenstopps und kleinere Arbeiten erledigt. Aber, ich wollte mehr – wollte ans Auto“, erzählt Gramlich, dessen Wunsch 2014 in Erfüllung ging. Sein erstes Fahrzeug war das von Paul Di Resta – am Ende des Jahres gab es den Pit-Stop-Award für das schnellste DTM-Team. Im Folgejahr schraubte er an Pascal Wehrleins Mercedes und feierte den Titelgewinn. Nun will er mit Robert Wickens seine Erfolgsbilanz fortsetzten: „ Ein Revival wäre natürlich sehr schön. So ein Titelgewinn ist die ultimative Belohnung für die ganze Arbeit, die man in das Auto investiert.“

Und diese Arbeit beginnt im Vorfeld einer DTM-Saison für die Mechaniker nur wenige Wochen nach dem Ende der alten. „Entwicklung, Anpassungen und Tests – das alles begleiten wir natürlich“, sagt Gramlich. Ist das erste Rennwochenende vorüber, beginnt die Vorbereitung auf das kommende. „Die Autos werden komplett zerlegt – soweit es der DMSB gestattet - gewaschen und kaputte Teile natürlich ausgetauscht. Zudem werden alle Ersatzteile für das nächste Rennen in der Firma bereits herausgesucht und vorbereitet“, so Gramlich, der an einem Rennwochenende in der Regel am Donnerstag an der Strecke eintrifft.

Zehn Leute sind im Schnitt am Rennwochenende für ein Fahrzeug zuständig: vier Mechaniker, ein Elektriker, der Truck-Fahrer und Reifenverantwortliche sowie die unterschiedlichen Ingenieure. Ein Aufbautrupp hat die Box bereits am Tag zuvor vorbereitet, für die ‚Inneneinrichtung’ sind dann unter anderem die Mechaniker zuständig. „Werkzeuge ausladen, Messstation aufbauen – alles, inklusive Fahrzeug, steht am Ende so, wie es in der Firma der Fall ist“, sagt Gramlich.

Ab Freitag steht morgens zunächst die gründliche Kontrolle des Fahrzeugs an. Alles wird durchgecheckt. „Wir machen das immer nach dem Vier-Augen-Prinzip und kontrollieren uns gegenseitig. Das gibt noch mehr Sicherheit“, so Gramlich. Die Schlusskontrolle unter Betriebstemperatur findet in der Regel in der ersten Runde der jeweiligen Freien Trainings statt. Nach einer Runde auf der Strecke kehren die Piloten meist in die Box zurück. „Nach dieser Check-Lap gehen wir nochmals alles durch“, sagt Gramlich, der bei jeder Rückkehr in die Box zunächst die Motorkühlung mit dem entsprechenden Lüfter an der Front des Fahrzeugs übernimmt. „Das ist gegen die Stauwärme. Dann wird das Auto in die Box geschoben, die Räder kommen runter und werden in Heizdecken gepackt. Gibt es dann Veränderungen am Setup kommt die Motorhaube weg, damit ich die gewünschten Änderungen durchführen kann, beispielsweise die Fahrhöhe, die Dämpfer oder den Sturz. Oder wir ändern das Planking – die Luftführung am Auto – durch das Abkleben bestimmter Teile. Trotz der ganzen Technik ist in der Box immer noch sehr viel Schraubarbeit vonnöten.“

Eine weitere Aufgabe die ihm zuteil wird, ist der Job an der Zapfsäule. „Ob ab- oder auftanken. Hier kommt es fast auf das Gramm an – ein wichtiger Teil meiner Arbeit, bei dem nichts schiefgehen darf“, sagt Gramlich, der natürlich auch im Schadensfall tätig wird. „Das meiste geht recht problemlos. Die Ersatzteile liegen im LKW parat, einfach auswechseln und mit dem Messarm einpiepsen, damit die Maße auch stimmen. Bei einem richtigen Schaden an Fahrwerkskomponenten, Vorbau oder Seitenwand wird’s dann schon dramatischer.“ Dann müssen er und seine Kollegen vielleicht auch mal den Joker ziehen, der sie dazu berechtigt, die Parc-Fermé-Bestimmungen in der Nacht zu umgehen, um weiter am Auto arbeiten zu können.

Die wichtigste Voraussetzung für seinen DTM-Beruf sei jedoch die Liebe zum Detail. „Du brauchst einfach unheimlich viel Herz und Freude. Hier mal ein Kleber richten, da mal eine Schraube schön machen. Das sind die Kleinigkeiten, auf die es im Zweifel ankommen kann. Die bist mit richtig viel Herzblut dabei – ein Grund warum ich diese Arbeit so sehr mag und so viel Freude dabei habe. Hat man dann auch noch Erfolg, ist es natürlich doppelt so schön.

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