DTM unter einer Minute auf dem kleinen Kurs | DTM
2002-04-16 10:49:41

DTM unter einer Minute auf dem kleinen Kurs

Das Premierenfieber steigt, und dies in mehrfacher Beziehung: Beim Saisonauftakt am kommenden Wochenende auf dem Hockenheimring werden die Renntourenwagen der DTM den 2,604 Kilometer langen kleinen Kurs zum ersten Mal in weniger als einer Minute umrunden. Die Bestzeit bei den Tests Anfang April lag bei 57,923 Sekunden (Peter Dumbreck, Mercedes-Benz). Diese Fabelzeit ist auch den mit elektronischen Hilfsmitteln ausgestatteten DTM-Boliden Mitte der 90er Jahre nicht gelungen. Außerdem wird die DTM erstmals nicht fliegend starten, sondern stehend wie in der Formel 1 – und dies zweimal, erst beim Qualifikationsrennen, dann beim Wertungslauf. 21 Piloten treten in fünf Abt-Audi TT-R, zehn Mercedes-Benz CLK-DTM und sechs Opel Astra V8 Coupé an.

Das Mehr an Speed resultiert aus vier Faktoren, urteilt Opel-Werksfahrer Joachim Winkelhock. "Unsere Rennautos sind deutlich schneller, die neuen Dunlop-Reifen gigantisch, die Strecke ist 34 Meter kürzer und der neue Asphalt bietet mehr Haftung als der alte, bei dem schon die Kieselsteine rausgeschaut haben." Außer der Strecke wurden auch die Kiesbetten asphaltiert. Einziger Wermutstropfen für den schwäbischen Lokalmatador: "Die Senke bei der Opel-Kurve wurde entschärft. Früher ist man da richtig in ein Loch reingefahren und durch die Kompression gerieten die Autos stark ins Übersteuern. Das war toll für die Zuschauer – und für uns als Fahrer ziemlich aufregend." Von seinem neuen Opel Astra V8 Coupé ist Winkelhock begeistert: "Ich habe mich auf Anhieb wohlgefühlt, denn das Astra Coupé reagiert ganz exakt. Genau so muss ein Rennauto sein."

Abt: "Zeit des Pokerns ist vorbei", Alesi: "Will um Siege mitfahren"
Angriffslustig, hochmotiviert, optimistisch: Christian Abt vom Team Abt Sportsline aus dem Allgäu. "Ich freue mich wahnsinnig auf Hockenheim und das erste Kräftemessen mit Mercedes und Opel. Jetzt müssen alle Teams endlich ihre Karten auf den Tisch legen und zeigen, was sie drauf haben", sagt der 33 Jahre alte Bayer. Während die in Kempten aufgebauten Abt-Audi TT-R in den Vorjahren in buchstäblich letzter Minute zum Auftakt auf den Rädern standen, haben die Fahrer jetzt schon einige tausend Testkilometer absolviert. "Zeit zum Pokern hat in Hockenheim keiner mehr," sagt Abt. "Denn mit dem neuen Punktesystem zählen in diesem Jahr nur noch Siege, wenn man um die Meisterschaft kämpfen möchte. Und genau das wollen wir." Weil sie transparenter ist als die bisherige, wurde die Wertung der Formel 1 übernommen (10, 6, 4, 3, 2, 1 Punkte für die ersten sechs).

Die beiden ehemaligen Formel-1-Fahrer Jean Alesi und Karl Wendlinger, populäre Neuzugänge der DTM, zeigen sich vorsichtig optimistisch. "Mein erstes Ziel ist es, so schnell wie möglich mit meinen Teamkollegen mithalten zu können", sagt Wendlinger. "Abt Sportsline hat ja schon im vergangenen Jahr gezeigt, dass sie vorne dabei sind. Da möchte ich mich anschließen." Jean Alesi, der nach 201 Grand Prix seine Formel-1-Karriere im Oktober 2001 beendet hatte, sagt: "Ich möchte von Anfang an wettbewerbsfähig sein und um Spitzenplätze kämpfen." Außerdem ist es dem 37-Jährigen wichtig, "den Fans eine gute Show zu bieten. Denn wenn sie Spaß haben, freue ich mich auch."

Der Franzose hat in seiner ersten DTM-Saison gleich die härteste Nuss zu knacken. Er startet als Teamkollege des dreimaligen DTM-Champions Bernd Schneider, der sich nicht weniger vorgenommen hat, als seinen "Titel zu verteidigen". Einen Vorteil besitzt der DTM-Debütant allerdings gegenüber dem Meister: Alesi ist die neue Startprozedur aus der Formel 1 gewöhnt. "Ich persönlich bedaure die Umstellung ein bisschen, weil ich völlig aus der Übung bin. Ich bin seit mehr als zehn Jahren nicht mehr stehend gestartet", sagt Schneider, bekennt aber: "Der stehende Start ist gerechter als der fliegende – und daher eine gute Neuerung."

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