#DTM500 – „Alles in allem ist die Zeit viel zu schnell vorbei gegangen“ | DTM
2019-08-20 06:45:00

#DTM500 – „Alles in allem ist die Zeit viel zu schnell vorbei gegangen“

#DTM500 – „Alles in allem ist die Zeit viel zu schnell vorbei gegangen“

Die DTM feiert Jubiläum: Am 25. August steht auf dem Lausitzring das 500. Rennen der 1984 gegründeten Rennserie an. Grund genug für DTM.com, mit den beiden erfolgreichsten Fahrern der DTM zu sprechen: Bernd Schneider und Klaus Ludwig. Nach „Mr. DTM“ Schneider erinnert sich heute der dreimalige Champion Ludwig bei DTM.com an seine Zeit in der Tourenwagen-Serie.

 

Die DTM bestreitet ihr 500. Rennen. Welche Gedanken löst das bei Dir aus?

Klaus Ludwig: „Ganz ehrlich, mein erster Gedanke geht an Hans Werner Aufrecht. Er ist der Vater der DTM und er hat die Serie in der Zeit mehrfach gerettet. Er war als Chef von HWA, dem Joint Venture Partner von R-Motorsport, hinter den Kulissen auch am Einstieg von Aston Martin in die DTM beteiligt. Nach dem Zusammenbruch Ende 1996 hat Aufrecht die DTM im Jahr 2000 wieder auferstehen lassen. Er hat mich damals reaktiviert und gefragt, ob ich als eines der Zugpferde den Neuaufbau unterstützen würde. Ich wurde Dritter der Meisterschaft im Alter von 50. Seitdem hat die DTM 18 Jahre mit tollen, tollen Rennen und vielen Zuschauern hingelegt. Ein stetiger Aufstieg. Aufrecht ist für mich der Mann der DTM schlechthin. Ich hatte zwar ein ambivalentes Verhältnis zu ihm, aber das hatte jeder. Wir hatten ein Verständnis auf einer anderen Ebene und kamen miteinander klar.“

 

Bist Du stolz, ein bedeutender Teil der Historie dieser Rennserie zu sein?

„Die Rückschau auf meine Zeit in der DTM ist mit sehr viel Freude verbunden, und auch mit einem gewissen Stolz. Es gab viele tolle Menschen, die ich getroffen habe und mit denen ich arbeiten durfte. Ich habe viele Erfolge mit Mercedes eingefahren, aber man muss auch meine Opel-Zeit 1995 und 1996 erwähnen, die fantastisch war. Ich bin zu Opel gegangen, weil ich ein Allrad-Auto wollte, mit aller Gewalt, und ich hab’s gekriegt. Wir habe ja auch 1996 die Meisterschaft geholt – wenngleich der Fahrertitel nicht an mich ging, sondern an Manuel Reuter. Aber daran hatte ich selbst Schuld. Dennoch sind die zwei Jahre für mich eine sehr, sehr wertvolle Zeit. Alles in allem ist die Zeit viel zu schnell vorbei gegangen.“

Ludwig gewann 1988 seinen ersten DTM-Titel in einem Ford Sierra Cosworth

 

Was ist die prägendste Erinnerung an Deine Zeit in der DTM?

„Ich habe so viele Flashbacks. Gewisse Dinge machen mich sehr stolz, weil man mich zu Dingen hinzugezogen hat, die nicht die Abstimmung meines Rennautos betrafen. Zum Beispiel als die Entscheidung getroffen werden musste, wer wird Motorsport-Chef bei Mercedes. Da hat mich ein Vorstand Professor Hubbert gefragt: ‚Klaus, wen schlägst Du vor?‘ Er hat mir dann seine Kandidatenliste genannt, und ich habe gesagt, wen ich für den Besten halte. Oder ein paar Jahre später, Ende 1995, als mich Hans Wilhelm Gäb von General Motors aus Zürich anrief und sagte, dass es Sparmaßnahmen gebe und man das Programm nicht mehr verantworten könne. Es war Ende 1995, als er mich fragte, ob ich garantieren könne, dass Opel 1996 noch gewinnt. Ich sagte zu ihm: ‚Das garantiere ich, dafür halte ich beide Hände hin.‘ Am Saisonende war Opel mit Manuel Reuter Meister. Auf solche Begebenheiten bin ich fast noch stolzer als auf eigene Siege.“


Mit Opel 1996 an der Spitze: Klaus Ludwig und Manuel Reuter

 

Welcher war Dein schönster Sieg?

„Es ist komisch, denke ich an meine Siege und Meisterschaften, dann denke ich auch unweigerlich an die Titel, die ich nur verloren habe, weil ich krank geworden bin. Am Nürburgring stellte ich 1989 das Auto einmal auf Pole, konnte aber das Rennen wegen Nierensteinen nicht fahren. Beim Folgerennen am Norisring war ich auch nicht dabei. Damit war die Saison gelaufen. 1996 waren wir mit Zakspeed-Opel auf einem wahnsinnig guten Weg und ich bekomme in Mugello genau dieselben blöden Nierenprobleme. Verdammt ärgerlich. Wenn ich aber heute Bilanz ziehe, dann sage ich: unterm Strich alles gut!“

 

Du hast fast alle Fahrzeuggenerationen erlebt. Die Autos der späten 80er und frühen 90er Jahre, dann die erste Klasse-1-Generation, anschließend die High-Tech-Autos von 1995 und 1996 und schlussendlich die V8-Autos der „neuen“ DTM ab 2000. Welches Auto hat dir am besten gefallen?

Schwierig zu sagen. Ich erinnere mich, dass wir – gemessen am heutigen Standard – in den 80er Jahren mit wirklich dürftigen Rennautos angefangen haben. Der Ford Sierra Cosworth war schon eine Gratwanderung. Man durfte an den damaligen Autos nicht viel verändern, und es war durchaus große Kunst sie am Limit zu bewegen. Auch der erste Mercedes war eher dürftig, aber sie haben sich blitzartig gesteigert, und der 92er Mercedes 190E 2.5-16 war ein Traum! Mit dem Auto wurde ich Meister. Dann kam die C-Klasse, auch ein tolles Auto, mit dem ich als ungeliebter vierter Fahrer im Team den Titel geholt habe – vielleicht mit etwas Glück, aber ich habe gewonnen. Ehrlich gesprochen haben mir 1995 und 1996 die High-Tech-Autos am besten gefallen. Wir hatten jeden Tag eine neue Idee und konnten sie auch umsetzen. Eine irre Zeit! Ich muss aber auch kritisch eingestehen, dass es im Endeffekt zu aufwendig und zu teuer wurde, was man früher hätte erkennen müssen. Dann kam zum Neustart im Jahr 2000 das Fahrzeugkonzept mit Einheitschassis und strengem Motorenreglement, eine Idee, die bis in die heutige DTM-Zeit trägt. Fantastisch!“

 

Wenn Du heute zurückdenkst, wer war Dein härtester Rivale?

„Da fallen mit mehrere ein, an erster Stelle natürlich Bernd Schneider. Ein toller Partner, wir verstanden uns eigentlich immer exzellent. Er war dann irgendwann bei Mercedes der ‚Leading Driver‘ und ich war nur noch die Nummer zwei. Ich habe dann 1994 nochmal den Titel gewonnen, weil er viel Pech hatte, aber so ist das nun einmal. Johnny Cecotto und Steve Soper waren auch extrem harte Gegner. Steve war ein absoluter Fighter, wir fuhren auf Augenhöhe. Einfach tolle Rennen.“

 

Und 1995 die jungen Wilden: Dario Franchitti oder Jan Magnussen?

„Ich fuhr in der Zeit für Opel, die beiden bei Mercedes. Wir hatten sehr schnell unsere ersten Berührungen. Ich erinnere mich an ein Rennen in Estoril, wo Franchitti meinte, er müsse mich außen überholen. Er landete im Kies. Da waren die Feindbilder mal gleich aufgebaut. Das gehört zum Motorsport.“

Klaus Ludwig (r.) 1994 mit seinen Mercedes-Teamkollegen Bernd Schneider (m.) und Roland Asch

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