E-Sports: wo sich die reale und die virtuelle Welt treffen | DTM
2019-09-12 07:00:00

E-Sports: wo sich die reale und die virtuelle Welt treffen

E-Sports: wo sich die reale und die virtuelle Welt treffen

Die Grenze zwischen der realen und der virtuellen Welt verschwindet zunehmend. Wir betrachten ohnehin ja schon das halbe Leben durch die Bildschirme unserer digitalen Geräte und die digitale Welt ist (zu) oft ein Ort, an dem wir uns vom Trott des Alltags zurückziehen.

Auch im Motorsport hat die virtuelle Welt in den letzten zehn Jahren sehr stark an Bedeutung gewonnen. Sie spiegelt nicht nur den realen Rennsport wider, sondern vermischt sich sogar in zunehmendem Maße mit ihm.

Moderne Rennfahrzeuge kann man heutzutage nicht mehr ohne Laptops und Kabelverbindungen fahren lassen. Unvorstellbare Datenmengen werden zwischen Kontinenten übertragen und analysiert, um die Entwicklung voranzutreiben.

Vor allem das Wachstum von E-Sports und virtuellem Rennsport mit Hilfe von hochwertiger Software wie iRacing und rFactor2 ist rasant. Und es sind längst nicht mehr nur die Fans zuhause, die damit ihre Idole aus dem wirklichen Rennsport nachahmen wollen. Die Rennfahrer selbst setzen auf solche Programme, um sich zwischen den Rennen vorzubereiten, zu entspannen oder zu testen.

Der DTM-Fahrer Bruno Spengler fuhr einen virtuellen M8 GTE in einem iRacing-Wettbewerb im August auf dem Nürburgring

 

Am DTM-Rennwochenende auf dem Nürburgring im September trifft der reale Rennsport beim ONE-World-Charity-Simulator-Rennen auf sein virtuelles Pendant. Sechs DTM-Stars bilden jeweils ein Team mit einem Fan, der seine Teilnahme bei einer Versteigerung für einen guten Zweck gewonnen hat. Zusammen bestreiten sie ein virtuelles Rennen auf dem echten Eifelkurs.

Die Champions René Rast, Mike Rockenfeller und Bruno Spengler nehmen ebenso am Rennen über 30 Runden teil wie Philipp Eng, Jake Dennis and Dani Juncadella. Der Ertrag der Veranstaltung geht an ein Kinderkrankenhaus in Köln.

Philipp Eng is ein überzeugter E-Sports-Rennfahrer und verbringt mit iRacing mehrere Stunden pro Woche

 

Für BMW-RMR-Fahrer Philipp Eng gibt es das virtuelle Cockpit neben seinem vertrauten BMW M4 DTM. „Ich mache viel Abstimmungsarbeit im Simulator”, erklärt er. „Dabei lerne ich extrem viel für mein echtes Rennfahren. Einfach technisches Verständnis, denn Physik ist Physik: Wenn ich die Fahrhöhe verändere, dann fühlt sich das genau so an, wie wenn man das im echten Auto macht.“

Viele Rennteams nutzen ihre eigenen Simulatoren, um Änderungen an der Abstimmung oder an der Mechanik ihrer Autos zu beurteilen. Auch die Fahrer schätzen die Simulatoren, zum Beispiel, um vor einem Rennwochenende mit neuen Strecken vertraut zu machen. „Mittlerweile sind ja fast alle Strecken mit Lasertechnologie gescannt“, erklärt Eng. „Ich war zuletzt in Road Atlanta zum Testen, da habe ich mich einen halben Tag in den Simulator gesetzt, um etwas aufzufrischen, aber auch so wie mit Assen, da bringt das extrem viel, da bist du schon mal in einem Rhythmus, dann weißt du die Reihenfolge der Kurven. Das ist einfach nicht mehr wegzudenken.”

„Gleiches gilt für die Unebenheiten“, fährt er fort. „In Road Atlanta waren die Bodenwellen und die Kerbs zu 100 Prozent, wie sie in echt sind. Durch den Laserscan wird das extrem gut umgesetzt. Auch die Rundenzeiten, die ich im Simulator fahre, sind extrem nah an der Realität.“

Für R-Motorsport-Aston-Martin-Fahrer Jake Dennis, der auch als Simulatorfahrer für Red Bull Racing im Einsatz ist, ist der virtuelle Rennsport ein wichtiger Faktor für jeden Rennfahrer.

„Wenn man keine Rennen fährt, bleibt man durch den Simulator in Form“, sagt er. „Man benutzt viele Techniken, die man auch im richtigen Auto anwenden würde, daher bleibt man in der ‚Groove’. Mit einem Spiel wie iRacing und einem ordentlichen Lenkrad, wie beispielsweise Fanatec, fühlt sich das Ganze schon sehr realitätsnah an. Die Reifenwirkung und die Art des Bremsen und Beschleunigens sind ebenfalls sehr realistisch.“

R-Motorsport-Fahrer Jake Dennis fährt für das Red Bull-Formel-1-Team im Simulator

 

Was laut beiden Fahrern fehlt, ist das typische Gefühl des Risikos und den gewissen Respekt beim Fahren mit hohen Geschwindigkeiten.

Dennis erklärt: „Was wirklich fehlt, ist der Faktor Angst: Die Einstellung, die man hat, wenn man auf eine Kurve zufährt, ist sehr schwierig darzustellen. Und wenn man auf dem Computer fährt, kann man das System ein wenig austricksen, was aber natürlich auch bedeutet, dass man sich selbst austrickst.“

Eng stimmt ein: „Das Einzige, was im Simulator fehlt, ist, dass der Puls hochgeht in schnellen Kurven, weil halt nix passieren kann.”

Aber mit der dynamischen Darstellung des Wetters und der Reifenwirkung wird die Computerwelt immer akkurater. Eng kann sogar seine eigene Simulatordaten zu seinem DTM-Renningenieur Ruggero Apriletti übermitteln, damit dieser sie beurteilt. Damit hat sich der Kreis zwischen der virtuellen und der realen Welt fast schon geschlossen.

Moderne Plattforms wie iRacing machen es zunehmend schwieriger, zwischen der richtigen und der virtuellen Welt zu unterscheiden

 

„Er kann sich die Daten ansehen”, sagt Eng. „Er schaut mal auf die Luftdrucke und die Fahrzeughöhe, dass ich da nicht zuviel aufsetzte. Wir stehen da im Dialog. Zuletzt in Zolder habe ich dem eine Onboardrunde vom Simulator geschickt; dann haben wir die verschiedenen Linien, die verschiedenen Fahrstile besprochen.“

Beide Fahrer sind sich einig, dass die Bedeutung des E-Sports stark zunehmt, und sie stellen fest, dass dieser hilfreich ist, die Lücke zu der oftmals kostspieligen und dadurch für viele unerreichbaren Welt des professionellen Motorsports zu schließen.

„Man sagt, dass 10.000 Trainingsstunden zur Perfektion führen“, sagt Dennis. „Ich glaube, dass, wenn man die Technik im Simuator drauf hat, man sie auch im wirklichen Leben anwenden kann. Allerdings ist es wichtig, festzuhalten, dass es nicht eins zu eins identisch ist: Man kann sich nicht einfach so in ein Rennauto setzten und die gleiche Rundenzeit fahren wir vorher am Computer. Aber ich glaube, dass jeder, der die Chance erhält, den Umstieg wagen sollte.“

DTM-Rennsieger Philipp Eng ist Routinier auf iRacing, hier bei einem virtuellen iRacing-Le-Mans-Rennen in diesem Jahr

 

Eng stimmt ein, dass die Grenzen zwischen richtigen und virtuellen Rennfahrern fast ausgelöscht worden sind: „Dabei stelle ich mir auch oft die Frage: Was wäre aus dem einen oder anderen geworden, wenn er eine Chance gekriegt hätte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das eine das andere nicht ersetzen wird, aber ich glaube, dass beide Bereiche als zwei verschiedene Sportarten sehr anerkannt sein werden.

Man muss sich nur anschauen, was Fahrer wie Max (Verstappen) oder Lando (Norris) machen: Wenn sie ein freies Wochenende haben, starten sie für das Redline-Team. Ich glaube, wenn man die im richtigen Rennauto setzt, da geht richtig was ab! Es ist ja auch relativ bezahlbar: Bei iRacing kostet ein Auto, glaube ich, 15 Euro, eine Strecke zehn. Dadurch können viel mehr Menschen Erfahrung sammeln. E-Sport wird nur noch größter und größer!”

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