Experten-Tipp: Bernd Schneider - „Der Druck ist enorm“ | DTM.com | Die offizielle Webseite
2017-10-12 18:15:00

Experten-Tipp: Bernd Schneider - „Der Druck ist enorm“

Experten-Tipp: Bernd Schneider - „Der Druck ist enorm“

Bernd Schneider ist der Rekordsieger der DTM. Fünfmal gewann der 53-Jährige den Titel in der populären Tourenwagen-Serie. Schneider war eine halbe Ewigkeit in der DTM aktiv – nicht ohne Grund wird er „Mr. DTM“ genannt. Sein erstes Rennen bestritt der gebürtige Saarländer 1986 in Zolder. 2008 beendete er seine Karriere nach 236 Starts, 43 Siegen und 110 Podiumsplätzen auf dem Hockenheimring. An derselben Stätte peilt Audi-Pilot Mattias Ekström am kommenden Wochenende seinen insgesamt dritten Titel an. Schneider kann sich gut in die Ausgangslage des Schwedens reinversetzen. Im Interview mit DTM.com beschreibt er, wie sich Ekström vor dem Finale fühlt.

Wie fällt dein Fazit zur DTM vor dem finalen Wochenende aus?

„Ich habe die Saison von Anfang bis Ende verfolgt. Ich war am Nürburgring und in Hockenheim und die Stimmung im Fahrerlager war besser als in der Vergangenheit. Es war eine sehr spannende Saison. Wie üblich gab es zwischen den einzelnen Herstellern sowie den Fahrern harte Duelle. Die Rennen waren stets sehr ausgeglichen, es gab spektakuläre Überholmanöver. Die Umsetzung des neuen Reglements hat sich bezahlt gemacht. Mir hat es gut gefallen.“

Wirst Du selber beim Finale vor Ort sein?

„Ja. Ich fliege am Freitag von Barcelona nach Köln und dann fahre ich zur Strecke nach Hockenheim. Ich habe einen relativ straffen Zeitplan bis Sonntag. Ich mache Interviews auf der Mercedes-Bühne und fahre auch das GT3-Renntaxi. Es gibt einiges zu tun.“

Siehst Du noch Möglichkeiten zur Verbesserung?

„Die DTM hat sich im Vergleich zu den letzten Jahren sehr positiv entwickelt, sie ist mit dem Format auf einem sehr guten Weg. Es gibt immer Sachen über die man diskutieren kann. Man hat ja jetzt die Performance-Gewichte abgeschafft. Persönlich finde ich das gut, bis zu einem gewissen Punkt. Weil, wenn ein Hersteller alle Rennen gewinnt, sind wir auch wieder am Jammern. Von daher sind das immer ganz schwierige Themen. Ich war angenehm überrascht, dass man sich nicht gescheut hat, während der Saison gewisse Dinge zu probieren, um einen sportlich fairen Ausgleich und eine gute Show für die Fans zu bieten.“  

Zwei Autos aus der japanischen SUPER GT-Serie fahren am Samstag und Sonntag ein paar Runden im Renntempo. Wie ist deine Meinung dazu?

„Ich bin sehr gespannt darauf sie in Hockenheim zu sehen. Und ich hoffe natürlich auch, dass man es schafft, sie in Europa an den Start zu bringen.“

Wie hast Du als ehemaliger DTM-Pilot Lucas Auer dieses Jahr gesehen?

„Die Mercedes sind oft ans Limit und auch drüber gegangen, um mithalten zu können. Das machte es für ihn nicht einfacher. Ein kleiner Fehler im Qualifying, dann bist du nicht vorne dabei und du hast im Rennen keine Chance. Der Lucas war dieses Jahr richtig gut drauf, er ist ein paar geile Rennen gefahren. Aber, wenn man so viel aus dem Auto rausholen muss wie er, dann geht es halt auch schnell mal schief.“

Audi-Pilot Mattias Ekström hat die besten Karten. Fährt er den Titel in Hockenheim nach Hause? Wie fühlt man sich vor so einem Finale?

„Es kommt auch immer drauf an, wie viel Vorsprung man hat, und wie man es angehen kann. Klar ist, ‚Eki’ muss trotz seines Vorsprungs ein gutes Wochenende haben, sonst klappt es wieder nicht mit der Meisterschaft. Der Druck der auf ihm lastet ist schon enorm. Die Erwartungen an ihn sind hoch, denn im Prinzip erwartet jeder den dritten Titel. Von daher wird es für ihn nicht leichter. Aber, er weiß damit umzugehen. Er hatte dieses Jahr das Glück, das man braucht, um Meister zu werden, auf seiner Seite. Und das Paket rund um den Audi war das stärkste. Wäre es ein bisschen anders gelaufen, hätten es auch Jamie Green oder René Rast werden können. Ich bin überzeugt, dass er es mit der Unterstützung vom ganzen Team schafft.“

Du kannst Dich gut in seine Lage reinversetzen. Bereitet man sich auf so ein wichtiges Rennwochenende anders vor? Verändert man seine Herangehensweise?

„Nein. Man versucht auszublenden, dass es um die Meisterschaft geht. Man bereitet sich konzentriert wie auf jedes Rennen vor. Das heißt, man will gewinnen. Genauso wird ‚Eki’ das jetzt auch machen. Erst auf den Samstag fokussieren, dann auf den Sonntag. Wenn Du fünf Prozent Sicherheit einbaust, dann bist du Letzter im Qualifying, dann gewinnst du die Meisterschaft nicht.“

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