Funkstille | DTM
2019-07-02 09:00:00

Funkstille

Funkstille

Als die Rockband ‚Queen’ 1984 den Hit ‚Radio Ga Ga’ schrieb, hatten sie ihn möglicherweise – aber doch eher unwahrscheinlich – als Kritik auf die zunehmende Bedeutung des Funkverkehrs für die Beeinflussung und sogar Entscheidung bei Rennen im Motorsport gemeint.

Aber wir können wohl davon ausgehen, dass manches vom nutzlosen Geschwafel, das in fast allen Topklassen des Motorsports durch den Äther geht, Freddie Mercury sicherlich nicht gefallen hätte.

‚Radio? Someone still loves you’, so heißt es im Song. Das gilt aber nicht in der DTM.

Dort nämlich wurde der Funkverkehr während des Rennens mit Beginn der Saison 2018 verboten. Seitdem hat ihn niemand so wirklich vermisst.

Es war ein gewagter Schritt, der aber perfekt zu der Strategie der Serie passte, gutes, enges Racing zu unterstützen. ITR-Vorsitzender Gerhard Berger, der ohnehin bekannt ist für seine prägnanten Aussagen, ist davon überzeugt, dass ein Übermaß an Funkkontakt den Rennsport weniger spannend macht. Wir glauben, er hat Recht.

Wie funktioniert das nun eigentlich mit dem Funkverbot? Wie wird es überwacht? Wie läuft das in der Praxis? Und macht es einen wirklichen Unterschied? Wir sprachen mit einem Teamchef und einem DTM-Fahrer und stellten die relevanten Fragen:

 

Was darf man nun eigentlich?

Zunächst einmal die Fakten, was erlaubt ist, und was nicht: Der Funkverkehr ist während der Freien Trainings und der Zeittrainings völlig frei. Beim Rennen ist Funkverkehr ebenfalls erlaubt, wenn es um Sicherheitsaspekte geht, beispielsweise um Fahrer vor einer gefährlichen Situation oder geschwenkten gelben Flaggen zu warnen. Funken ist auch erlaubt während Safety-Car-Phasen. Das bedeutet, dass Fahrer frei mit ihren Ingenieuren sprechen können, wenn sie in gedrosseltem Tempo auf der Strecke unterwegs sind.

„Es ist gut, dass wir im Freien Training und im Zeittraining den Funk nutzen können“, sagt DTM-Rennsieger Philipp Eng. „Es ist sinnvoll, um den Verkehr einordnen zu können und für die Planung. Im Rennen darf man sprechen, wenn es eine gelbe Flagge oder einen Safety-Car-Einsatz gibt. Da gilt es aber, die verfügbare Zeit wirklich sinnvoll zu nutzen. Ich möchte beispielsweise immer wissen, wie viele DRS-Einsätze die Fahrer um mich herum noch haben, wie lange sie schon mit ihren Reifen fahren und wie schnell sie unterwegs waren, bevor das Safety-Car auf die Strecke kam.“

„Ich bin froh, dass Funkverkehr im Freien Training erlaubt ist“, ergänzt sein Teamchef Bart Mampaey. „Das hilft, einem Fahrer gewisse Dinge zu erklären, besonders bei einem Rookie: Das Auto ist so kompliziert, dass es während der Sessions am Wochenende gelegentlich eine Erklärung braucht.“

Aus Sicherheitsgründen darf ebenfalls gefunkt werden, aber die Kommunikation ist sehr eingeschränkt, so erläutert Mampaey: „Wenn der Renndirektor eine Veränderung der klimatischen Bedingungen bekannt gibt, dann darf der Fahrer uns eine Frage stellen, worauf wir nur mit ‚Ja’ oder ‚Nein’ antworten dürfen. Mit anderen Worten: Der Fahrer würde es gar nicht mitbekommen, wenn es eine Veränderung der klimatischen Bedingungen geben würde, es sei denn, er fragt regelmäßig nach! Wir können es ihnen nicht erzählen.“

Die Teams dürfen die Fahrer jedoch darüber informieren, wenn der Einsatz der Fahrhilfen für die letzten fünf Runden im Rennen freigegeben wird. Die uneingeschränkte Nutzung von DRS und Push-to-Pass ist für 2019 neu im Reglement. „Wir dürfen es dem Fahrer mit nur einem Satz sagen“, betont Mampaey. „Der Fahrer weiß ja nicht, wann die letzten fünf Runden anbrechen, daher macht diese Ausnahme also Sinn.“

 

Übung macht den Meister

Der beste Weg, um sicherzustellen, dass sich Team und Fahrer während des Rennens richtig verstehen, ist, die Kommunikationsmaßnahmen abseits der Rennstrecke einzuüben. Im Fall des BMW Team RBM bedeutet das, dass viele mögliche Szenarien im Simulator durchgespielt werden.

„Unser Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass der Fahrer autonom agieren kann“, sagt Mampaey. „Wir wollen, dass er wirklich versteht, wie der Rennsport in der DTM funktioniert, was er genau zu welchem Zeitpunkt im Rennen machen muss. Und das setzt Training voraus, das für jede Rennstrecke anders aussieht. Dafür verwenden wir den Simulator. Unsere Fahrer kommen in der Regel am Dienstag oder Mittwoch vor jedem Rennwochenende zu unserem Teamsitz. Dort zeigen wir ihnen, wo man am besten das DRS einsetzt und wir führen Detailverbesserungen am Plan für die einzelnen Rennen durch.“

 

Kommunikation während des Rennens

Da der Funkverkehr ja nicht erlaubt ist, müssen die Teams auf eine klassische Kommunikationsmaßnahme zurückgreifen: Die altbewährte Boxentafel.

Und sogar dort gibt es Einschränkungen: „Es steht nur ‚Box’ drauf“, lacht Mampaey. „Das ist die einzige Mitteilung, die erlaubt ist. Etwas anderes darf man nicht schreiben.“

Eng schätzt das Gefühl der Unabhängigkeit, das mit dem Funkverbot einhergeht: „Für mich war der Funk ohnehin immer nur ein Hilfsmittel im Notfall“, sagt er. „Ich brauche keinen, der mich übers Radio an die Hand nimmt.“

Ohne Ingenieur, der den Fahrer während des Rennens führt, vertrauen die Teams und Fahrer zunehmend auf ihre eigene Erfahrungen am Rennwochenende, wenn sie sich auf die Rennen vorbereiten.

„In der DTM haben wir keine Telemetrie in den Fahrzeugen“, erklärt Mampaey. „Das Auto ist also die sprichwörtliche ‚Black Box’. Der Fahrer kann die Informationen am Display sehen, aber die Teams sehen diese nicht, so dass der Fahrer sie über den Funk weitergeben muss.“

Eng schätzt den technischen Aspekt: „Im Verlauf des Wochenendes sammeln wir immer mehr Erfahrungen über den Reifenverschleiß und wie dieser die Strategie beeinflusst. Im Vergleich von Samstag zu Sonntag kann man am Sonntag viel besser einschätzen, was passieren wird, weil man weiß, wie die Reifen funktionieren. Daher kann ich dem Team viel deutlicher sagen, was ich erwarte, das mit den Autos und den Reifen passieren wird.“

Das Funkverbot mag manchmal lästig sein, es sorgt aber für eine klassische Herangehensweise eines Rennens, und es funktioniert erwiesenermaßen. Mampaey sagt mit einem Lächeln: „Der Fahrer quatscht die ganze Zeit zu uns. Wir dürfen nur nicht antworten!“

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