Gefühle wie David Coulthard | DTM
2000-08-06 09:14:44

Gefühle wie David Coulthard

Peter Dumbreck kristallisierte sich im Vorfeld des Sachsenring-Doppelschlages als die Entdeckung des Wochenendes heraus. Der 26-Jährige aus dem schottischen Kirckaldy mischte bei den Testfahrten am Donnerstag ebenso konstant vorn mit wie in den freien Trainings.

Im Qualifying hielt der gelernte Gabelstaplerfahrer lange die Pole Position – bis sein Mercedes-Markenkollege Klaus Ludwig sie ihm sieben Minuten vor Ende der Sitzung entriss. Der Hobby-Golfer über seinen gelungenen Einstand in der DTM, sein Leben nach dem Horrorcrash bei den 24 Stunden von Le Mans 1999 und seine Zukunftsaussichten. Mit dem zweiten Platz im Training haben Sie sich neben Marcel Fässler als bester Mercedes-Neuling in der DTM empfohlen. Sind Sie überrascht?
Dumbreck: Ich weiß selbst nicht, warum sich die Dinge auf einmal verändert haben. Der Sachsenring ist einigen englischen Strecken ziemlich ähnlich, etwa der Piste in Oulton Park – oder auch engeren Kursen wie Croft. Und das kommt meinem Fahrstil entgegen – zumal wir die Abstimmung des Autos sukzessive auf meinen Geschmack hin entwickelt haben.

Wie ist denn Ihr Geschmack?
Dumbreck: Im Zeittraining haben wir den Wagen so abgestimmt, dass er beim Einlenken übersteuert hat und dann im Scheitelpunkt der Kurve begann, über die Vorderachse zu schieben. Aber das ist eine Abstimmung, die nur fürs Qualifying gut ist – nur für drei Runden. Wenn die Reifen danach mehr und mehr abgenutzt sind, dann wird auch das Übersteuern schlimmer – damit kann man im Rennen natürlich nichts anfangen.

Wie lernt man als junger schottischer Pilot eigentlich die deutschen Rennstrecken? Alle jungen Formel 1-Piloten verweisen dabei immer gern auf die Playstation...
Dumbreck: Ich spiele auch viel an der Playstation. Aber die ist vom wirklichen Leben doch ziemlich weit entfernt. Vielleicht lernt man dabei, dass es etwa in der ersten Kurve rechts rum und in der zweiten links rum geht – mehr aber auch nicht. Das echte Leben ist da ein bisschen anspruchsvoller. Deswegen versuche ich, an den Wochenenden möglichst früh an der Strecke zu sein, um noch ein paar Runden im normalen Straßenauto drehen zu können.

Kann man denn vom normalen Straßenauto Rückschlüsse auf den Rennwagen ziehen?
Dumbreck: Der persönliche Fahrstil gleicht sich im Renn- wie im Straßenauto. Ich zum Beispiel lenke beim Bremsen noch ziemlich stark ein. Das heisst, ich bremse auch später. Ausserdem provoziere ich immer ein leichtes Untersteuern und gehe ziemlich sanft mit dem Gaspedal um – und zwar all das sowohl im Rennwagen wie auch im Straßenauto. Bei der Umsetzung ist es aber ganz wichtig, dass man sich vor Augen hält, was im Rennauto noch alles vor sich gehen kann. Sonst erreicht man zu schnell ein Plateau, von dem man sich dann nicht mehr steigern kann.

Im letzten Jahr haben Sie in Le Mans am Steuer jenes Mercedes-Sportwagens gesessen, der im Rennen plötzlich abgehoben und im Wald neben der Strecke gelandet ist. Wie sind Sie mit diesem Horror-Crash fertig geworden?
Dumbreck: Sehr gut. Weil ich das meiste davon gar nicht mehr weiß, denn ich war bewusstlos. Meine Augen waren zwar geöffnet, aber ich habe so gut wie gar nichts mitbekommen. Irgendwie fühlte sich das Ganze an wie ein schlimmer Kater. Wenn ich jetzt auf die Geschichte zurückblicke, dann sieht man vieles mit anderen Augen. Ich habe alle Aussagen von David Coulthard nach dessen Flugzeugabsturz gelesen – und dabei festgestellt, dass ich mich ganz genau so gefühlt habe wie er.

Können Sie das etwas genauer beschreiben?
Dumbreck: Unmittelbar nach dem Unfall fühlt man sich unsterblich. Als ob einem nie mehr etwas passieren könnte. Aber wenn einen die Realität einholt, dann merkt man, dass man unglaublich viel Glück gehabt hat – dass es für mich einfach noch nicht Zeit war zu sterben. Mein Fahrstil hat nach dem Unfall sicher nicht gelitten – aber die Art, wie ich mein Leben weiter führen möchte. Ich will in meinem Leben unbedingt alles erreichen, was ich mir vorgenommen habe – und nicht irgendwann merken, dass mir für irgendein Ziel die Zeit oder das Geld ausgegangen ist. Weil man nie weiß, wie lange das eigene Leben noch dauert, sollte man nie irgendwas verschieben, was man gern tun würde.

Interessiert sich ein junger Fahrer aus England überhaupt für den deutschen Tourenwagen-Sport?
Dumbreck: Ich habe mich schon seit meiner Formel Opel-Zeit dafür interessiert. Denn damals ist mein Landsmann Dario Franchitti zu Mercedes gegangen, und ich habe seinen Platz bei Paul Stewart Racing übernommen. Deswegen habe ich mich für die alte DTM zu interessieren begonnen.

Wie sehen Sie das DTM-Engagement im Hinblick auf Ihre weitere Karriere?
Dumbreck: Jeder junge Fahrer möchte in die Formel 1 kommen. Nur wenige interessieren sich zunächst für eine Karriere im Tourenwagen-Sport. Aber wenn dann der Zeitpunkt kommt, in dem man ein Angebot von Mercedes oder Opel erhält und dann zum ersten Mal Geld mit dem Rennsport verdient anstatt wie sonst üblich Geld zu zahlen, um fahren zu können, dann nimmt man solch ein Angebot natürlich zuerst mal begeistert an. Die DTM ist eine tolle Serie, und die Autos sind klasse zu fahren – sie fühlen sich ein bisschen an wie große Karts mit Dach. Und Fahrer wie Dario Franchitti, Alexander Wurz und Jan Magnussen haben ja bewiesen, dass man die DTM als Sprungbrett nutzen kann. Auch ich möchte gern wieder in den Monoposto-Sport. Ich glaube fest daran, dass ich in der Formel 1 gut aussehen könnte. Und ich fühle mich mit 26 Jahren auch nicht zu alt für die Formel 1. Damon Hill war 32, als er zum Spitzenfahrer wurde. Das Alter ist nicht der entscheidende Faktor – sondern man muss jemanden hinter sich wissen, der einen fördert. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich mich derzeit wohl eher in Richtung ChampCars orientiere.

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