Höhen und Tiefen, und nichts dazwischen | DTM
2019-07-25 18:45:00

Höhen und Tiefen, und nichts dazwischen

Höhen und Tiefen, und nichts dazwischen

 

Mit 46 Punkten zuletzt in Assen erreichte Marco Wittmann die größte Wochenendausbeute sämtlicher Fahrer in der aktuellen Saison. Aber nicht nur das: Erstmals in diesem Jahr erlebte der Franke zwei problemfreie Rennen.

Mit seiner Leistung in den Niederlanden gehört er auch wieder zum absoluten Favoritenkreis für den DTM-Titel 2019. Er wird versuchen, den Audi-Fahrern René Rast und Nico Müller das Leben schwer zu machen und sich seinen dritten Titel zu sichern.

 

Der 29-Jährige gibt jedoch sofort zu, dass die Saison 2019 für ihn bislang alles andere als einfach war.

 

‚Höhen und Tiefen, aber nichts dazwischen’

„Es war eine Saison mit Höhen und Tiefen, aber nichts dazwischen“, sagt er offen. „Wenn ich es ins Ziel geschafft habe, habe ich meistens gewonnen, oder war zumindest auf dem Podium, aber bei den anderen Rennen gab es technische Probleme, Zwischenfälle und keine Punkte.“

 

Wittmann brillierte mit seinem Sieg beim Auftakt in Hockenheim, pokerte mit einem gewagten Stopp am Ende der ersten Runde in Misano und fuhr damit vom letzten Startplatz aus zum Sieg. Auch in Assen feierte er einen Sieg und einen zweiten Platz, einmal mehr nachdem er sich nach einem Turboproblem im Zeittraining vom letzten Startplatz aus nach vorne gekämpft hatte. Damit ist er für die beiden Audi-Fahrer der ernsthafteste Konkurrent, aber es sind gerade die Rennen, in denen er keine Punkte einfuhr, die ihm zu schaffen machen.

 

Es gab mehrere merkwürdige Zwischenfälle. In Hockenheim wurde er umgedreht. In Zolder hatte er Pech wegen des Zeitpunkts des Safety-Car-Einsatzes und erhielt außerdem wegen einer Berührung mit Robin Frijns eine Durchfahrtsstrafe, die viele als unfair betrachteten. Eine Kollision mit René Rast in der ersten Runde auf dem Norisring beschädigte seine Lenkung und ein Motorschaden kostete ihn dort zehn Punkte.

„Manchmal hat man einfach keinen Einfluss darauf“, sagt er zu den mechanischen Vorfällen. „In der Vergangenheit habe ich jedoch gezeigt, dass ich zu den konstantesten Fahrern gehöre und in jedem Rennen eine gute Leistung erreichen kann. Für einen möglichen Titelgewinn in diesem Jahr ist Konstanz äußerst wichtig. Auch wenn ich mal ein schwieriges Rennen habe, gilt es, dennoch vier, fünf oder sechs Punkte einzufahren.“

"Für einen möglichen Titelgewinn in diesem Jahr ist Konstanz äußerst wichtig. Auch wenn ich mal ein schwieriges Rennen habe, gilt es, dennoch vier, fünf oder sechs Punkte einzufahren.“

Nach Siegen in Hockenheim (links), Misano (Mitte) und Assen (rechts) hat Wittmann jetzt wieder gute Chancen, seinen dritten DTM-Titel einzufahren

 

Verfeinerung des BMW-Gesamtpakets

Wittmann behauptet, dass Audi auf den Geraden noch einen Vorteil gegenüber den BMW hat

Zusammen mit dem Österreicher Philipp Eng hat sich Wittmann als wichtigster Titelanwärter im BMW-Lager hervorgetan. Er glaubt, dass der M4 Turbo in der DTM im Vergleich zum Audi RS 5 DTM keine unbedingten Nachteile hat. Ein positiver Punkt für die Münchener Marke, die im Vorjahr zusehen musste, wie Rast in der Schlussphase der Saison offenbar fast mühelos sechs Rennen in Folge gewann und auch bei den Vorsaisontests nicht unbedingt überzeugte.

„Bei den Wintertests hatte ich wirklich das Gefühl, dass wir einen kleinen Rückstand auf Audi hatten“, sagt Marco. „Aber als wir zum Auftakt nach Hockenheim kamen, waren wir wirklich stark: Ich gewann das erste Rennen und wir hatten eine gute Leistung.“

 

„Es war klar, dass Audi stark war: Ich glaube, dass sie in Hockenheim stärker waren als in Zolder, aber dann haben sie in Misano wohl einen Schritt vorwärts gemacht. Ich glaube tatsächlich, dass sie uns da gewissermaßen überholt haben. Seit Italien ist Audi konstant schnell.“

In Assen war Wittmann eine Klasse für sich: Er konnte sowohl im Regen als auch im Trockenen scheinbar mühelos angreifen. Dennoch ist er sich nach wie vor nicht ganz sicher, ob sein Auto auf dem gleichen Niveau mit dem Audi ist.

„Ich weiß nicht, ob BMW in Assen das schnellste Gesamtpaket hatte“, räumt er ein. „Mein Auto war allerdings das ganze Wochenende hinüber stark. Wir haben eine gute Abstimmung gefunden und das Auto hat unter allen Bedingungen funktioniert, egal ob nass oder trocken. So konnten wir uns auch die Reifen gut einteilen.“

BMW-Motorsport-Direktor Jens Marquardt bezeichnete Wittmanns Auftritt am Sonntag in Assen als ‚Meisterstück’ und lobte den Deutschen für ein insgesamt starkes Wochenende: „Er war in Assen sensationell. Am Samstag war er unbesiegbar und das steigerte er noch am Sonntag. Die technischen Probleme im Zeittraining hat er sofort abgeschüttelt und er hat sich komplett aufs Rennen konzentriert. Wie er vom letzten auf den zweiten Platz vorgefahren ist, ohne dabei von einer Safety-Car-Phase profitiert zu haben, war absolute Spitzenklasse.“

Ein Showdown zwischen Wittmann und Audi-Fahrer René Rast im Kampf um den Titel 2019 ist wahrscheinlich

Das Ergebnis hat den Druck der Verantwortung, der auf Wittmanns Schultern lastet, nicht erleichtert: „Ich glaube, dass wir uns im Vergleich zu Audi noch etwas steigern müssen, das würde uns das Leben sicherlich leichter machen. Der Audi ist auf den Geraden sehr schnell. Aber wenn ich mir die nächsten Rennstrecken auf denen wir fahren, ansehe, dann könnten wir auf dem Lausitzring und auf dem Nürburgring gut abschneiden. Auf dem Ring habe ich schon einige Male gewonnen. Und natürlich auch in Hockenheim, wo ich im Frühjahr ja gewonnen habe.“

 

 


Den Titel im Visier

Audi-Fahrer Nico Müller hat den Wert der Konstanz in diesem Jahr bislang deutlich unter Beweis gestellt. Der junge Schweizer fährt besser als je zuvor und gewann in Misano erstmals seit drei Jahren wieder ein Rennen. Wichtiger aber ist, dass er als Einziger bislang in allen Rennen Punkte eingefahren hat. Damit hat er aktuell 22 Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Rast und 18 Punkte Vorsprung auf Wittmann, der Dritter ist.

In einem so engen Kampf ist Wittmann sich sicher, dass noch mehr Konstanz gefragt ist, wenn er die Audi-Fahrer verstärkt unter Druck setzten will.

„Ab jetzt und bis zum Ende der Saison ist es klar, dass wir an jedem Wochenende eine konstant starke Leistung brauchen“, sagt er. „Hoffentlich war es das jetzt mit meinem Pech und ich habe für den restlichen Saisonverlauf etwas mehr Glück.“

Wittmann widerspricht die manchmal geäußerte Vermutung, dass er von BMW bevorzugt wird, um die Audi schlagen zu können, aber er gibt zu, dass das irgendwann der Fall sein könnte.
„Generell sind alle BMW-Fahrer gleich und dürfen frei fahren“, sagt er. „Das ist auch gut für die Show, wie ich glaube. Momentan ist Philipp [Eng] ja noch ganz nah dran. Aber sicherlich kommt irgendwann der Zeitpunkt, wenn ein Fahrer in der Schlussphase klar vorne liegt, dass alle anderen BMW-Fahrer das im Hinterkopf haben und respektieren werden.“

Assen hat gezeigt, dass man Wittmann immer auf der Rechnung haben muss, wenn er ein Wochenende mit zwei Rennen ohne Probleme hat. Mit einem dritten DTM-Titel würde er mit Klaus Ludwig gleichziehen. Nur Bernd Schneider hat mit fünf Titeln noch mehr.

„An jedem Wochenende in diesem Jahr haben wir gezeigt, dass wir die Leistung hatten: Qualifying, Rennpace, Longruns. Jetzt muss ich nur die Leistung abliefern. Wenn wir so weitermachen, können wir Audi unter Druck setzen. Und wer weiß, was dann passiert...“


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