Niki Lauda 1949–2019 | DTM
2019-05-21 15:45:00

Niki Lauda 1949–2019

Niki Lauda 1949–2019

Bei Niki Lauda hatte man immer das Gefühl, dass es eine Rückkehr zur alten Form, ein letztes Comeback geben würde, wie unwahrscheinlich es auch schien. Der dreimalige Weltmeister, der größte Rennsportheld Österreichs und einer der wichtigsten und einflussreichsten Grand-Prix-Fahrer aller Zeiten, hatte den Tod schon einmal ausgetrickst, und man glaubte immer, dass für jemanden, so entschieden und stark wie Niki Lauda, der Tod kein Hindernis wäre, das man nicht irgendwie überwinden könnte.

Der Tod Laudas im Alter von 70 Jahren hinterlässt eine Lücke, nicht nur in der Motorsport-Welt, in der er zurecht als Legende galt, aber in der Welt insgesamt, in der seine Ausdauer und sein Mut ihm seine Reputation als einen der größten Helden der Welt einbrachten.

Lauda war bekannt für seine berechnenden, strategischen Fähigkeiten im Rennauto. Wildes Übersteuern oder hektisches Gegenlenken sah man bei ihm nie. „Zu siegen mit der niedrigsten möglichen Geschwindigkeit“ – das war seine Prämisse, die er fast zur Kunstform erhoben hatte. Er fuhr materialschonend, hatte einen kühlen, präzisen und berechneten Fahrstil, um so einfach und problemlos wie möglich zur Ziellinie zu kommen, vor allen anderen.

Das klappte hervorragend. Seine Herangehensweise, entwickelt in den 1970er Jahren, machte Schule. Seit den Achtzigern, parallel mit der technischen Weiterentwicklung der Fahrzeuge, wurde von Grand-Prix-Fahrern zunehmend auch strategische Fähigkeiten vorausgesetzt, wie sie Lauda bereits mit großem Erfolg eingesetzt hatte.

 

Meister der Neuerfindung

Lauda war einfallsreich, clever und hatte großes Selbstvertrauen. Er setzte sich gegen den Willen seiner Familie durch, als er im Geheimen seine ersten Versuche im Motorsport startete. Er erhielt ohne nennenswerte Sicherheiten einen Bankkredit, mit dem er sich einen Fahrerplatz in der Formel 1 erkaufte. Er pokerte und landete bei Ferrari, dem berühmtesten Rennstall der Formel 1, der Anfang der Siebziger ebenfalls ins Schlittern geraten war.

Er versprach Enzo Ferrari, dass er mit einem der eigenwilligen roten Rennwagen der Scuderia auf der Teststrecke in Fiorano schnellere Rundenzeiten als die Stammfahrer erreichen würde. Er hielt Wort, bekam einen Vertrag und sicherte dem Team 1975 den ersten Fahrer- und Konstrukteurstitel seit 1964.

Die größte Bekanntheit erlangte Lauda durch seinen Feuerunfall 1976 auf dem Nürburgring. Beim Aufprall in die Leitplanken nach einem technischen Defekt im Streckenabschnitt Bergwerk hatte er seinen Helm verloren und er saß bewusstlos im Auto, als es Feuer fing. Lauda erlitt schwere Verbrennungen.

 

Beinahe tödlicher Unfall – Comeback nach nur sechs Wochen

Beim Unfall wäre er fast ums Leben gekommen, im Krankenhaus gab man ihm die Sterbesakramente. Stattdessen kehrte er in Monza, nur sechs Wochen später, ins Cockpit zurück. Er hatte nur zwei Grands Prix verpasst und kämpfte bis zum Saisonfinale mit McLaren-Fahrer James Hunt um den WM-Titel – ein wahres Wunder.

Dort, im Dauerregen von Fuji, zeigte er erneut Charakter. Freiwillig und selbstbewusst entschied er, dass es für ihn zu gefährlich war und stieg an der Box aus. Eine mutige Entscheidung für einen Rennfahrer. Dass er dafür kaum Kritik erntete, war der Beweis für den Respekt, den die Motorsportwelt für ihn hatte.

 

Keine Lust mehr, „sinnlos im Kreis zu fahren“

1977 gewann Lauda einen weiteren WM-Titel, aber die politischen Machenschaften beim italienischen Rennstall zermürbten ihn und er wechselte zu Brabham. Sein Sieg mit dem umstrittenen „Propeller-Auto“ ging in die Geschichte des Motorsports ein. Aber Lauda behielt immer die Kontrolle. So stieg er 1979 in Kanada während des Rennwochenendes aus und erklärte seinen sofortigen Rücktritt. Er wollte nicht länger „sinnlos im Kreis fahren“, wie er es ausdrückte.

Er kümmerte sich fortan um seine Fluglinie Lauda Air, denn die Fliegerei war seine zweite große Liebe. Dennoch blieb bei ihm das Gefühl, im Motorsport noch nicht alles erreicht zu haben.

Ein Anruf von McLaren-Boss Ron Dennis reichte, um Lauda zur Rückkehr zu überreden. Lange Überlegungen waren nie sein Ding: Er testete das Auto, stellte fest, dass er schnell genug war, und feierte sein Comeback in der Formel 1. Ein weiterer WM-Titel folgte 1984, als er seinen jungen aufstrebenden Teamkollegen Alain Prost um nur einen halben Punkt das Nachsehen gab. Ende 1985 verabschiedete sich Lauda endgültig aus der Formel 1.

 

Manager-Posten bei Ferrari, Jaguar und Mercedes

Als Fahrer kehrte Lauda nicht in den Grand-Prix-Sport zurück, aber als Funktionär blieb er der Formel 1 erhalten. In verschiedenen Funktionen im Managementbereich bei Ferrari und Jaguar Racing konnte er sich jedoch nie so wirklich durchsetzen. Anders war es allerdings beim Mercedes-AMG-F1-Team, denn dort, im Zusammenspiel mit den Business-Fähigkeiten eines Toto Wolff und den technischen Voraussetzungen der Mannschaft aus Brackley, fand er eine Aufgabe in der Formel 1, bei der er sich wohl fühlte.

Es war Lauda, der Lewis Hamilton Geschichten über Mut und Heldentum erzählte und den jungen Briten zum Weggang von McLaren überredete. Es war Lauda, der Schiedsrichter war, als die beiden jungen Fahrer des Teams sich gegenseitig das Leben schwer machten. Und es war Lauda, mit seinem Wissen und seiner Erfahrung, der Mercedes-Benz klar machte, dass die beträchtlichen Investitionen des Konzerns im Motorsport sicher angelegt waren.

 

Die Lauda-Familie in der DTM

Niki Lauda war häufig bei DTM-Rennen zu Gast, besonders in der Zeit, als sein Sohn Mathias für Mercedes in der DTM fuhr. Von seinem Bruder Lukas gemanagt, trat Mathias zwischen 2006 und 2009 bei 41 DTM-Rennen an. Als Aufsichtsrat des Mercedes-F1-Teams blieb Niki ein Fan der DTM und besuchte zuletzt 2016 in Spielberg ein Rennen.

In den letzten Jahren war er gesundheitlich geschwächt. Als er im Februar das Alter von 70 Jahre erreichte, hoffte die Motorsport-Welt, dass der Österreicher einmal mehr das Schicksal überwinden, ein weiteres, letztes Comeback erleben würde.

Leider sollte es nicht so sein.

Die Erinnerung an Andreas Nikolaus Lauda ist das Vermächtnis eines Mannes, der den Geist eines Rennfahrers verkörperte: ohne Angst, mit Durchsetzungsvermögen und einem nahezu unfassbaren Mut. Ein Mann, der regelmäßig das Schicksal herausforderte, aber kein Hasardeur war. Ein Mann, der Unglaubliches schaffte, auf und neben der Rennstrecke.

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