Organisator, Koordinator, Mediziner: Rennarzt Dr. Scholz | DTM
2015-12-18 13:00:00

Organisator, Koordinator, Mediziner: Rennarzt Dr. Scholz

  • DTM-Rennarzt Dr. Michael Scholz
  • DTM-Rennarzt Dr. Michael Scholz

Als im Juli 1997 in der Magdeburger Börde die Motorsport Arena Oschersleben eröffnet wurde, tat sich für Dr. Michael Scholz eine ganz neue Perspektive auf. „Das war sozusagen die Initialzündung“, sagt Scholz, der inzwischen DMSB-Verbandsarzt ist und unter anderem die Rolle als leitender Rennarzt bei den DTM-Veranstaltungen innehat. Er gilt als absoluter Fachmann, ist Mitglied der FIA Medical Commission und hat sich im Motorsport auch durch sein unermüdliches ehrenamtliches Engagement verdient gemacht. Wenn die Saison in den unterschiedlichen Serien Fahrt aufnimmt, ist Scholz im Dauereinsatz.

WEC, Formel 1, Formel E, und ADAC GT Masters - die DTM-Rennen, inklusive aller Rahmenserien, sind bei weitem nicht die einzigen Veranstaltungen, die Scholz betreut. Wochenende für Wochenende ist er seit rund zehn Jahren auf allen Rennstrecken der Welt im Einsatz. Bei der DTM ist er bei jeder Veranstaltung vor Ort und ist zudem für den medizinischen Aspekt bei allen weiteren Rennveranstaltungen auf deutschen Rennstrecken zuständig. Scholz: „Soweit es der Terminkalender zulässt, bin ich bei jedem Rennen in Deutschland dabei. Das ist schon sehr zweitaufwändig. Zumal die internationalen Termine dazu kommen, sowie die ganzen Organisationsgeschichten.“ FIA Medical Commission, Anti-Doping-Kommission und jede Menge spezielle Ausbildungskurse. So leitet er unter anderem Kurse, in denen er an internationalen Rennstrecken für eine Art medizinische Grundausbildung für den Rennbetrieb sorgt und die Abläufe dort optimiert.

Auch zwischen den Saisons ist Scholz in Sachen Motorsport nicht untätig: Für DTM sind im Vorfeld einer Saison diverse Testtage vorgesehen, die für die spätere medizinische Versorgung von großer Bedeutung sein können. Scholz: „Es gibt eine ganze Reihe von möglichen Verletzungsmustern. Ein großes Feld, das wir auf dem Schirm haben, sind die sogenannten milden Hirnverletzungen. Die können unter Umständen von großer Tragweite sein, da diese nur sehr schwer zu entdecken sind. Gravierende Symptome bleiben aus, mithilfe von MRT und CT findet man teilweise nichts.“ Aus diesem Grund lösen die DTM-Fahrer zu Beginn des Jahres eine Reihe von Testfragen, die ihre kognitive Leistung ermitteln. „Damit haben wir eine Base-Line. Wir wissen, was ein Fahrer kann und können diese Ergebnisse dann nach Unfällen als Vergleichswerte heranziehen“, so Scholz. „Ein wichtiger Faktor für die Frage, wann ein Fahrer wieder voll einsetzbar ist. Wir haben diese Tests von den Kontaktsportarten in den USA übernommen. Beachtet man diese Aspekte nicht und lässt einen Piloten zu früh wieder ans Lenkrad, kann es zu schlimmen Folgeschäden kommen. Beim Motorsport ist es wichtig, sich den Unfallhergang genau anzusehen und die medizinische Betreuung im Medical-Centre darauf auszurichten. Die Intensität des Unfalls hängt nicht nur mit der Geschwindigkeit zusammen, häufig ist beispielsweise der Einschlagswinkel entscheidend. Mit solchen Dingen muss man die Rettungsteams vor Ort konfrontieren. Der Einsatz an der Rennstrecke ist völlig anders, als der des normalen Alltags.“

Besonders die Dokumentation der medizinischen Daten sei wichtig. Die DTM-Piloten seien alle sehr gut trainiert, hoch motiviert und würden so schnell wie möglich wieder ins Cockpit steigen wollen. Nur mit entsprechenden Belegen könne man sie, wenn nötig, daran hindern. Scholz: „Wenn es einem Piloten augenscheinlich gut geht, sagen auch die Teams: ‚Dem geht’s gut, der kann fahren.’ Aber manchmal treten Symptome erst verspätet auf, und das muss man den Teams argumentativ und fundiert darlegen können, um den Fahrer vor Schlimmeren zu bewahren.“

Wenn Scholz an den DTM-Wochenenden im Einsatz ist, hat er bereits einen Großteil seiner Arbeit erledigt. Schon Tage zuvor muss er dafür sorgen, dass das gesamte Netzwerk an der Strecke funktioniert. Scholz: „Es geht ja nicht nur darum, dass der Einsatz des Medical-Cars funktioniert. Die ganze Veranstaltung muss koordiniert und abgesichert werden.“ Die Offiziellen vor Ort, die Rennleitung, Stuarts, das Rennstrecken-Management, die technischen Services – alle müssen die nötigen Schritte für zahlreiche Szenarien verinnerlicht haben. Die Abläufe werden in zahlreichen Briefings und Meetings genau durchgesprochen und festgelegt. „Es muss sehr professionell an der Strecke vonstatten gehen“, sagt Scholz. „Das ist natürlich im Sinne des Fahrers – nicht nur im Falle eines tatsächlichen Unfalls. Wenn die Piloten merken, dass Profis vor Ort sind und jeder weiß, was er zu tun hat, fühlt er sich gleichzeitig auch sicherer.“ Zudem müssen Szenarien im Vorfeld bedacht werden, die nicht in erster Linie mit dem Motorsport in Verbindung gebracht werden. Was passiert, wenn es zu einem sogenannten Großschadensfall kommt? Eine Tribüne bricht zusammen oder es kommt zu einem Anschlag? Scholz: „Gerade in der aktuellen politischen Situation muss man solche Fälle beachten. Wie sind die Strukturen vor Ort? An wen muss man sich wenden, wenn zwar vier Krankenwagen vor Ort sind, die Anzahl der Verletzten aber wesentlich höher ist? Das ist gerade im Ausland manchmal nicht so einfach.“

An den Rennwochenenden selber ist Scholz dafür zuständig, dass die zuvor geplanten Abläufe reibungslos funktionieren. Sein Platz ist meist in der Schaltzentrale – der Rennleitung. Hier hat er den Überblick, findet wichtige Ansprechpartner und kann am effektivsten handeln. Eventuelle auftretende Lücken im System muss er schnellstmöglich schließen und in Unfallsituationen die Übersicht behalten. Scholz: „Es ist wichtig, dass die Crews wissen: da ist jemand, der die Sache in Verantwortung übernimmt. Das mindert auch den Druck.“ Im Falle eines schlimmeren Zwischenfalls ist Scholz das Bindeglied zwischen Rennleitung, medizinischen Services, Krankenhaus, Familie und den Teams - nicht zuletzt auch zu den Medien.

Zu einem richtig schlimmen Ernstfall ist es in der DTM glücklicherweise noch nicht gekommen. Die hohen Sicherheitsstandards der Autos und Strecken haben daran entscheidenden Anteil. „Die Sicherheitspakete haben sich sensationell entwickelt. Dennoch dürfen wir nie unsere Sensibilität verlieren und müssen immer hellwach sein. Gerade bei der DTM, wo verhältnismäßig wenig passiert“, sagt Scholz und verweist dabei auf Spielberg 2015. „Das war so ziemlich das heftigste Unfallbild, was ich in meinen Jahren bei der DTM gesehen habe.“ Beim Rahmenrennen, dem Audi-TT-Cup, waren gleich mehrere Wagen bei heftigen Starkregen miteinander kollidiert, wurden extrem beschädigt und gerieten teils in Brand – größere Verletzungen blieben aber aus. „Das sah ja aus, wie ein Kriegsschauplatz. Überall Trümmerteile, ausgelaufenes Benzin und Öl und dann dieses üble Wetter. Die Einsatzkräfte haben dennoch fantastische Arbeit geleistet. Das funktioniert nur, wenn man sich im Vorfeld gut koordiniert, Situationen trainiert und Hand in Hand zusammenarbeitet. In Österreich hat man gesehen, was das Wert ist.“ Für Dr. Michael Scholz ein sichtbares Zeichen, dass seine Arbeit und die Sicherheitsbemühungen aller Verantwortlicher Früchte tragen.

Tickets 2020

Tickets 2019

Jetzt Tickets für die DTM-Saison 2020 im Vorverkauf bestellen.

Zur Übersicht

Zur Übersicht.

Bosch

DTM YouTube

Action pur und gute Unterhaltung: Bewegende Bilder rund um die DTM.

Mehr sehen