Philipp Eng: Mit mentaler Stärke zum Erfolg | DTM
2019-05-29 14:00:00

Philipp Eng: Mit mentaler Stärke zum Erfolg

Philipp Eng: Mit mentaler Stärke zum Erfolg

Nette Menschen sind keine Siegertypen, so sagen manche. Zumindest bislang.

Denn wer so was behauptet, war sicherlich kurz abgelenkt, als Philipp Eng seinen ersten emotionalen DTM-Rennsieg in Zolder einfuhr, auf jener Strecke, wo die DTM 1984 Premiere feierte.

Der erste Sieg des freundlichen Österreichers war eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, seitdem er 2018 seinen Einstand in der Serie erlebte. Bei seinem 23. Rennen war es dann endlich soweit.

Eng, für den Langstrecken-Sportwagenrennen ebenso zum Alltag gehören wie die kurzen, aktionsgeladenen Sprintrennen in der DTM, empfand die letzten Runden bis zum Zieleinlauf genauso belastend wie die Schlussphase eines Langstreckenrennens, bei dem es um viel geht.

„Ich fahre ja auch Langstrecke, aber die letzten fünf, sechs Runden kamen mir fast länger als ein 24-Stunden-Rennen vor“, sagte er mit einem Lächeln, sichtlich erleichtert, es in Zolder bis ins Ziel geschafft zu haben.

Eng nützte eine Safety-Car-Phase zur Rennmitte, um seinen Weg nach vorne zu machen, aber er war während des gesamten Wochenendes schnell

 

Seine Fahrt zum Sieg war etwas ungewohnt: Er hatte bereits seinen Pflichtboxenstopp absolviert, als gegen Rennmitte das Safety-Car auf die Strecke kam. Danach überholte er seinen BMW-Markenkollegen Joel Eriksson, was sich als das entscheidende Manöver des Rennens herausstellen sollte. Fortan führte er das Feld an und fuhr daraufhin den Sieg nach Hause. Im Ziel hatte er acht Sekunden Vorsprung auf den Schweden.

„Das war so ein tolles Gefühl“, verriet er hinterher. „Ich habe oft von diesem Szenario geträumt, aber die Realität war viel, viel besser! Ich bin der glücklichste Mensch der Welt.“

 

Dieser Sieg ist für Charly

Mit einer großartigen Geste widmete Eng diesen Sieg Charly Lamm, den ehemaligen Teammanager des Schnitzer-BMW-Teams, der Ende Januar unerwartet verstorben war, nur wenige Wochen, nachdem er seine Aufgabe bei Schnitzer Motorsport, einem der erfolgreichen Tourenwagenteams Deutschlands, niedergelegt hatte.

„Charly war für mich viel mehr als nur ein Teamchef, für den ich ein Jahr lang gefahren bin“, betont Eng. „Er war ein Mentor und ein Freund. Wir haben so oft darüber gesprochen, wie es wäre, wenn ich ein DTM-Auto fahren könnte. ‚Wenn es das ist, was du wirklich willst, dann musst du alles dafür tun’, sagte er immer. Und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass er bei mir im Auto war, als ich gewonnen habe.“ Nur einen Tag nach dem Sieg hätte Charly Geburtstag gehabt. Man kann sich vorstellen, wie er lächelnd zugesehen hat, als wieder einmal einer seiner zahlreichen Schützlinge den Weg auf die Siegesstraße gefunden hatte....

Eng widmete seinen Sieg dem unvergessenen Schnitzer-Motorsport-Teammanager Charly Lamm, der im Januar verstarb

 

DTM war immer das Ziel

Eng stammt aus Salzburg, einer Stadt mit einer starken Verbindung zum Motorsport. Natürlich ist Salzburg in erster Linie als Mozarts Geburtsort bekannt, aber vom weltberühmten Komponisten ist keine Vorliebe für den Rennsport überliefert worden. Der Salzburgring jedoch ist nicht weit, der unlängst verstorbene dreimalige Weltmeister Niki Lauda wohnte lange Zeit dort und auch der unvergessene Roland Ratzenberger kam aus Salzburg. Red Bull, für Philipp Eng ein Sponsor während der ersten Jahre seiner Karriere, kommt ebenfalls aus der Region.

Nach Erfolgen im Kartsport war für Eng die Formel BMW der logische nächste Schritt. Im Kampf um den deutschen Titel musste er sich geschlagen geben, dafür gewann er aber das Weltfinale, in dem er sich unter anderem gegen den späteren zweimaligen DTM-Champion Marco Wittmann durchsetzten konnte. Als Belohnung für diesen Erfolg erhielt er eine Testfahrt in einem Formel-1-Auto.

Nach zwei Jahren in der vom britischen Ex-F1-Fahrer Jonathan Palmer ausgerichteten Nachwuchsserie, die damals den Namen ‚Formel 2’ trug, wechselte Eng zu Rennwagen mit Dach. 2011 sammelte er im ADAC GT Masters erste Erfahrungen im GT3-Auto. Im darauffolgenden Jahr ging er im deutsche Porsche Carrera Cup an den Start. Dort fand er ein neues Zuhause, gewann 2014 und 2015 jeweils den deutschen Titel und krönte seine Porsche-Karriere mit dem Titelgewinn im Porsche Supercup 2015.

„Die DTM war jedoch immer mein Traum“, sagt Eng. „Ich habe die Serie bereits verfolgt, als ich in der Formel BMW im Rahmenprogramm fuhr.“ Dennoch musste er warten. BMW verpflichtete ihn für 2016, aber zunächst für die GT3, nicht für die DTM. Der Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Spa-Francorchamps war ein bedeutender Erfolg. 2017 belegte er Rang vier der Endwertung im ADAC GT Masters. Daraufhin bekam er die lange ersehnte Chance in der DTM, als ihn BMW nach einem starken Auftritt beim Young Driver Test als Einsatzfahrer für 2018 ernannte.

 

Erste Erfahrungen in der DTM

„Das DTM-Auto hat mich wirklich beeindruckt“, sagte Eng nach seinen ersten Erfahrungen. „Besonders die Bremsen und die Aerodynamik sind komplett anders als beim GT3-Auto. Auch zu beobachten, wie professionell das Team und die BMW-Ingenieure beim Test arbeiten, war beeindruckend.“

Beeindruckend war auch Engs Einstand in der Serie. Auf dem Lausitzring sicherte er sich im Zeittraining die Pole-Position für sein erst viertes DTM-Rennen, eine Leistung, die sein BMW-Markenkollege Sheldon van der Linde in diesem Jahr in Zolder wiederholte.

Auf dem Lausitzring, für sein erst viertes DTM-Rennen, sicherte sich Philipp Eng bereits die Pole-Position  

 

Einen Tag zuvor war Eng nach einem Start aus der ersten Reihe bereits als Dritter ins Ziel gekommen. Diese Platzierung wiederholte er beim nächsten Auftritt in Budapest. Die Saison schloss er als bester Rookie und drittbester BMW-Fahrer auf Platz neun der Fahrerwertung ab. Nur der erste Sieg fehlte noch...

Für dieses Jahr schreckte Eng nicht davor zurück, sich selbst als einen der Titelfavoriten zu bezeichnen. Im Motorsport ist so etwas eher unüblich, Fahrer reden ihre Chancen normalerweise eher herunter, um anderen den Druck auf die Schulter zu legen.

 

‚An mir führt kein Weg vorbei’

Eng ist da eher eine Ausnahme. Auf Nachfrage erklärt er, dass er den Ansporn dazu bei Sportlern aus einer anderen Disziplin fand: „Im Winter habe ich viele Bücher von Profi-Radfahrern gelesen, vor allem, um mehr über ihre mentale Stärke herauszufinden. Ich habe die beiden Bücher von David Millar gelesen, der mich auch einmal besucht hat, als ich in Spanien ein GT-Rennen fuhr. Auch las ich Bücher von Tyler Hamilton und Thomas Dekker.“

„Gute Radfahrer sagen immer ‚An mir führt kein Weg vorbei’. Nicht aus Arroganz, sondern einfach, um sich selbst in den mentalen Zustand zu bringen, der ihnen dabei hilft, erfolgreich zu sein. Das habe ich für mich auch versucht. ‚What you see is what you get’ – einfach sagen, wie es ist. Und ich glaube, diese mentale Einstellung hat mir sicherlich geholfen.“

Gefragt nach seinen Stärken nennt Eng seine Detailverliebtheit. „Ich will derjenige sein, der am härtesten arbeitet, der das meiste tut, um erfolgreich zu sein. Und dann kann ich nur noch so schnell wie möglich fahren.“

Der Saisonauftakt in Hockenheim gestaltete sich für ihn wegen Elektronikproblemen als schwierig, aber er sicherte sich für das Sonntagsrennen die Pole und hatte einen glänzenden Start

 

Das heißt, wenn ihn sein Auto nicht im Stich lässt... Der Saisonauftakt in Hockenheim gestaltete sich für ihn als schwierig, da er wegen Elektronikproblemen in den Trainingssitzungen kaum zum Fahren kam. Am Sonntag jedoch revanchierte er sich mit der Pole-Position und er verpasste im Rennen als Vierter nur knapp das Podium.

Und dann folgte das Wochenende in Zolder mit dem ersten Sieg.

 

Geschichte schreiben

„Ich bin so stolz darauf, dass mein Name jetzt auch auf der Liste der DTM-Rennsieger steht“, sagt er offen. „In meiner Karriere ist nicht immer alles gradlinig gelaufen. Mein Weg zum Werksfahrer-Status war steinig und schwer. Aber das Gefühl, Rennsieger zu sein, war unglaublich. Diese Erinnerung wird mich noch lange begleiten.“

Nicht zuletzt auch durch die Nähe zu Deutschland fanden viele österreichische Rennfahrer den Weg in die DTM: Dieter Quester, Franz Klammer, Mercedes Stermitz, Roland Ratzenberger, Gerhard Berger, Karl Wendlinger und Mathias Lauda. Lucas Auer war der erste Österreicher, der DTM-Rennen gewinnen konnte, aber keiner von ihnen schaffte den Titelgewinn.

Kann Eng vielleicht Geschichte schreiben?

„Das wird sich zeigen“, gibt er sich vorsichtig. Aber Eng hat seine Ambitionen unter Beweis gestellt und man sollte ihn auf jeden Fall als ernsthaften Anwärter auf der Liste haben.

 

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