Ratlosigkeit nach Reifenschäden | DTM
2000-08-06 18:39:41

Ratlosigkeit nach Reifenschäden

Vier Reifenschäden bei Opel machten Bernd Schneider zum Gewinner des Tages – und spannten die Nerven der Opel-Mannen bis zum Zerreissen. Die Analyse der Defekte wird erst gegen Ende der Woche abgeschlossen sein.

Es geschah plötzlich und ohne Vorwarnung. "Es hat nur einen kurzen Moment vibriert", rekapitulierte Joachim Winkelhock, einer der Leidtragenden des Reifen-Dramas von Opel, "und dann ist der Reifen auch schon explodiert."

Der Schwabe war eines der Opfer. Er lag im ersten Rennen an vierter Stelle, als seinem Pneu die Luft ausging. Zwei Runden zuvor hatte es schon Uwe Alzen erwischt – der Betzdorfer war Sechster. Und in der letzten Runde, drei Kurven vor Schluß, gab auch am Opel V8 Coupé von Manuel Reuter der rechte Vorderreifen den Geist auf. "Ohne Vorwarnung", berichtete der enttäuschte Mainzer. "Am Anfang habe ich versucht, an den Mercedes dran zu bleiben. Das ging auch. Aber ich wollte nichts riskieren. Erst als Bernd Schneider von hinten näher kam, habe ich das Tempo wieder etwas forciert."

Reuters Reifenschaden führte in der Pause zwischen den beiden Rennen nicht nur zu hektischen Reparaturen an den Kühlern, der Crashbox und der Lenkung seines Astra, die so lange dauerte, dass er aus der Boxengasse starten musste – sondern auch zu heftigen Diskussionen zwischen Opel-Rennleiter Volker Strycek und Ferdinand Piringer, Motorsport-Manager von Einheitsreifen-Lieferant Dunlop. Strycek bestritt vehement das aufkeimende Gerücht, man habe die Sturzwerte an den Opel fürs zweite Rennen geändert. Die Dunlop-Ingenieure empfahlen allerdings eine Erhöhung des Reifen-Luftdrucks um 0,2 bar – und einigten sich mit der Rennleitung gleichzeitig darauf, das zweite Rennen sicherheitshalber von 30 auf 24 Runden zu verkürzen.

Aber selbst das reichte nicht: Im zweiten Lauf lieferte sich der Franzose Eric Helary einen herzerfrischenden Zweikampf mit Bernd Schneider um die dritte Position, der in der 21. Runde erneut mit einem Knall endete – abgesondert vom kaputt gegangenen rechten Vorderreifen. Damit erbte Schneider durch Opels Reifenpech in den beiden Sachsenring-Rennen vier Positionen – und zu allem Überfluss blieb sein Verfolger Reuter aus demselben Grund punktelos.

Klar, dass nach solch einem Fiasko die Nerven blank lagen. Gerüchte und Schuldzuweisungen machten schnell die Runde. Strycek reagierte gereizt und bat eindringlich, "von Gerüchten Abstand zun nehmen, dass wir eigene Wege gegangen sind". Der Exrennfahrer betonte, man habe sich bei der Abstimmung der Autos an die von Dunlop vorgebenen Werte gehalten. "Wir sind seit Donnerstag mit dem Reifenpartner im engen Dialog. Wir haben gemeinsam entschieden, wie das Auto hier auf die Strecke kommt." Eine Schuldzuweisung sollte das nicht sein, beteuerte Strycek. Man selbst habe aber alles richtig gemacht.

Nachdem Piringer und die Dunlop-Ingenieure die Reifen in Augenschein genommen hatten, lieferten sie eine Schnell-Analyse ab: "Die Karkasse ist gebrochen. So etwas kann zum Beispiel durch Walkarbeit passieren. Nach dem Umbau der Strecke werden die Reifen vor allem durch die Vierfach-Linkskurve extrem belastet." Strycek ergänzte: "Wir fahren mit einem anderen Konzept als Mercedes, weil unser Auto einen anderen Radstand und andere Überhänge hat. Deswegen haben die Reifen bei uns scheinbar früher ihr Limit erreicht."

Weil aber auch Doppelsieger Klaus Ludwig in der Auslaufrunde nach dem ersten Lauf von einem Reifenschaden heimgesucht wurde, nahm Mercedes-Rennleiter Norbert Haug ebenfalls Stellung: "An der Ecke muss etwas getan werden – denn normalerweise gibt es hier keinen Dreifach- oder gar Fünffach-Sieg. Wir sind ja normalerweise nicht die Glückspilze, die nur deshalb etwas erreichen, weil bei unseren Gegnern etwas schief geht – aber in diesem Fall war´s einfach Pech."

Bei den Testtagen am Donnerstag simulierte kein Opel-Fahrer einen Long Run über eine komplette Renndistanz am Stück. In den Pausen, die die Fahrer einlegten, konnten die Pneus sich derart wieder abkühlen, dass offenbar keine genauen Erkenntnisse über die Belastung abzuleiten waren. Dunlop will nach den Vorfällen bis zum Ende dieser Woche die Analyse abgeschlossen haben. "Aber dazu", fordert Piringer, "brauchen wir ganz offen alle Fahrwerksdaten von Opel, und dazu müssen wir uns natürlich alle Reifen anschauen."

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