Renés außergewöhnliche Aufholjagd | DTM
2019-05-09 11:45:00

Renés außergewöhnliche Aufholjagd

Renés außergewöhnliche Aufholjagd

Es ist schwer zu sagen, was das wichtigere Ereignis beim DTM-Saisonauftakt in Hockenheim war: René Rasts unglaublicher Sieg im Sonntagsrennen, nachdem er nur von Platz 16 aus gestartet war, oder sein bitterer Ausfall am Samstag, als ihm ein Getriebeproblem einen Strich durch die Rechnung machte, gerade als er sich anschickte, um den Sieg zu kämpfen.

Für Rast ist Siegen in der DTM fast dermaßen zur Gewohnheit geworden, dass es mittlerweile fast mehr auffällt, wenn er mal nicht gewinnt.

Kurze Rückblende: Nach einem harzigen Start in die Saison 2018 war der 32-Jährige in den letzten drei Rennwochenenden unschlagbar. Sechs Siege in Folge sprachen für sich. Rast fehlten in der Endwertung lediglich vier Punkte auf Titelträger Gary Paffett.

Aufgrund der Audi-Leistungen bei den Vorsaisontests erwarteten viele, dass Rast diese Serie auch beim Saisonauftakt fortsetzen würde. Tatsächlich schien er im Regenrennen am Samstag um den Sieg mitfahren zu können, als er sichtbar zum Führenden Marco Wittmann aufschloss und die zwei dicht hintereinander die nasse Strecke umrundeten.

Es kam jedoch anders. Sechs Runden vor Schluss hatte Rast keinen Vortrieb mehr. Sein Audi RS 5 DTM rollte im Gras aus, er parkte sein Auto an der Leitplanke ausgangs der Sachskurve. Ein Getriebeproblem beendete für den Mindener sämtliche Hoffnung auf den siebten DTM-Rennsieg in Folge.

Am Sonntagmorgen schien auch die Hoffnung auf ein halbwegs versöhnliches Ergebnis im zweiten Rennen des Wochenendes zu schwinden. Nach einem Anlauf im Zeittraining zwang ihn ein Problem mit der Spritversorgung zum Boxenstopp. Mit der einen schnellen Runde fand er sich lediglich auf Rang 16 der Startaufstellung wieder. Ein gutes Ergebnis schien nahezu unmöglich.

Was aber für jeden guten Kämpfer gilt, trifft ebenso auf Rast zu: Wenn er in eine Ecke gedrungen wird, schlägt er um so fester zurück.

Da er im Rennen keine andere Möglichkeit hatte als anzugreifen, beschloss er zusammen mit seinem Renningenieur Florian Rinkes, jede Chance zu nutzen, die eine unerwartete Situation im Rennen bieten würde. „Wir haben vorher darüber gesprochen“, erläutert er. „Wenn man in der Startaufstellung auf P16 steht, dann kann man nur pokern. Wir wussten, dass wir bei einer Safety-Car-Phase eine Chance haben würden, Plätze gutzumachen.“

Und so geschah es tatsächlich: Als Loïc Duval in Runde sechs mit seinem Audi ins Kiesbett der Sachskurve schlitterte, kam das Safety-Car zum Einsatz. Rast war der einzige Fahrer, der zum Reifenwechsel an die Box fuhr. Klar, das war ein Risiko. Das DTM-Reglement beinhaltet einen Pflichtboxenstopp, aber ein Reifenwechsel während einer Safety-Car-Phase zählt nicht als solcher. Rast wusste daher, dass er vor Rennende ein zweites Mal an die Box fahren musste, einmal mehr als sämtliche Konkurrenten.

„Ja, das war eine äußerst aggressive Strategie“, gibt er zu. „Das Safety-Car blieb nur eine Runde draußen. Ich musste bei der Boxenausfahrt also wirklich Gas geben, um den Anschluss nicht zu verpassen.“ Das ist eine Untertreibung: Beim genauen Studium der Wiederholung sieht man, wie Rasts weißer Audi nur gerade noch am Ende des Feldes anschließen kann, bevor die Spitzenreiter beim Restart aufs Gas drücken. Eine ganz enge Kiste...

„Ich hatte Glück, dass ich es auf Start und Ziel gerade noch geschafft habe“, grinst er. „Aber mein Start war gut und ich konnte einige Fahrzeuge überholen. Mit neuen Reifen habe ich nur drei oder vier Runden gebraucht, bis ich durchs ganze Feld hindurch war. Klar, ich hatte etwas Glück, als sich Autos drehten. Einige drehten sich unmittelbar vor mir und ich verpasste sie nur um Zentimeter. Marco Wittmann wurde umgedreht und jemand anderes drehte sich vor mir, da musste ich auch jeweils ausweichen. Es war ein ziemliches Chaos. Ich glaube, auf der Strecke habe ich nur fünf Autos überholt, nicht mehr. Die anderen Plätze konnte ich gewinnen, weil sich Autos vor mir drehten. Das war Glück. Aber so ist der Rennsport manchmal.“

Das Lächeln auf seinem Gesicht verrät, dass er mit dem Ergebnis sehr zufrieden ist. Wenn man aber noch etwas nachhakt, wird es auch klar, wie sehr er, wie sämtliche Fahrerkollegen der DTM 2019, die neuen, leistungsstarken Turbo-Tourenwagen schätzt.

Rasts Grinsen wird noch breiter, wenn er über seine erste Erfahrung mit dem neuen Auto beim Funktionstest am Donnerstagabend in Hockenheim spricht: „Ich war ja die alten DTM-Autos gewohnt, aber beim Herausbeschleunigen aus der Boxengasse und der Parabolica habe ich große Augen gekriegt, so kraftvoll und so schnell sind diese Autos. Das hatte ich nicht erwartet, obwohl ich im Winter das Auto gefahren bin. Ich kam hierher und dachte mir: ‚Okay, diese Strecke kenne ich’, aber das Auto schiebt und schiebt und hört einfach nicht auf. Das Gleiche gilt wohl für Rast selbst, den viele nun als Favoriten für den Titel 2019 betrachten.

Egal, welches Auto man ihm gibt, er fährt es gerne. Rasts Einsitzerkarriere fand nach zwei Jahren in der Formel BMW, der Klasse, in der Fahrer wie Ralf Schumacher, Sebastian Vettel und Nico Hülkenberg ihre erste Erfahrungen im Motorsport sammelten, ein jähes Ende. Mangels Aufstiegsmöglichkeiten im Formelsport fuhr – und siegte – er 2005 im Volkswagen Polo Cup. Das darauffolgende Jahr schloss er als Vize im Seat Leon Supercopa ab.

Für 2007 blieb Rast den Marken des Volkswagenkonzerns und der Bühne der DTM-Veranstaltungen treu, indem er in den Porsche Carrera Cup Deutschland wechselte. Hier gewann er in seinem zweiten Jahr den Titel. Einmal mehr erwies sich der junge Deutsche als einer, der schnell lernt, denn er passte seinen Fahrstil nahtlos dem doch etwas eigenwilligen Fahrverhalten des Porsche 911 in Cup-Ausführung an. Von 2010 bis 2012 gewann er dreimal in Folge den Titel im Porsche Supercup und feierte auch Klassen- und Gesamtsiege bei den Langstreckenklassikern in Spa und Daytona.

Sein Talent blieb nicht unbemerkt. Rast bekam mehr als nur eine Gelegenheit, ein DTM-Auto zu testen, aber aus verschiedenen Gründen klappte es nie mit einer Verpflichtung als Einsatzfahrer in der Serie. Stattdessen fuhr er für Audi GT3-Rennen. Die Saison 2014 brachte weitere Erfolge mit dem Titelgewinn im ADAC GT Masters und Rennsiegen bei den beiden 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring und in Spa-Francorchamps im gleichen Jahr, ein seltenes Ereignis. Er startete auch dreimal bei den 24 Stunden von Le Mans, aber die Hoffnung auf einen Vertrag als Einsatzfahrer in der LMP1 mit Audi zerschlug sich, als der Hersteller das werksseitige Engagement bei den Prototypen Ende 2016 beendete.

In jenem Jahr wurde Rast zu später Stunde angerufen, ob er im Sonntagsrennen von Zandvoort fahren könnte, nachdem Adrien Tambay nicht einsatzfähig war. Rast erhielt den Anruf, als er gerade beim Grillen zuhause bei seinem Manager war, sprang ins Auto und sputete sich nach Zandvoort, wo er sein erstes DTM-Rennen als 18. beendete.

Nach diesem Ergebnis erhielt er einen DTM-Vertrag für die Saison 2017 bei Audi, in der er mit drei Siegen den Titel gewann. Im Vorjahr tat er sich – wie auch die übrigen Audi-Fahrer – in der ersten Saisonhälfte schwer, aber seine Aufholjagd danach war außerirdisch. Nachdem er in Zandvoort den ersten Audi-Sieg der Saison eingefahren hatte, gewann er an drei Wochenenden in Folge auf dem Nürburgring, in Spielberg und in Hockenheim jeweils beide Rennen. Diese sechs aufeinanderfolgenden Siege bedeuteten einen neuen DTM-Rekord.

„René ist im Zeittraining jedes Mal eine Bank“, sagt Audi-Motorsportdirektor Dieter Gass. „Auch die anderen Fahrer haben gelegentlich eine gute Runde, aber nicht den Regelmaß, den René hat. Wenn es darauf ankommt, macht er weniger Fehler. Und wenn man es im Qualifying gut hinbekommt und vorne startet, ist ein gutes Rennergebnis in der Regel in Reichweite. Im Verlauf eines Wochenendes fängt er im ersten Training oft im Mittelfeld an, aber dann arbeitet er bei der Datenanalyse sehr akribisch, was er dann auf der Strecke in seinem eigenen Fahrstil umsetzen kann. Das macht ihn so stark.“

Diese Fokussierung macht sich für Rast bezahlt, aber gleiches gilt für sein Engagement. Der Sieg im Sonntagsrennen von Hockenheim lag keineswegs auf der Hand, aber er nutzte die Chance, als sie sich ergab, und war dann eine Klasse für sich. „Vielleicht mein bestes Rennen bisher“, sagte Rast hinterher mit einem Schmunzeln. Für den Deutschen ist der Gewinn seines zweiten DTM-Titels das erklärte Ziel. Für alle anderen Fahrer gilt, ihn davon abzuhalten...

Tickets 2020

Tickets 2019

Jetzt Tickets für die DTM-Saison 2020 im Vorverkauf bestellen.

Zur Übersicht

Zur Übersicht.

Dabei sein

Ein Besuch bei der DTM ist Pflicht

Du warst noch nie bei der DTM? Wir zeigen Dir, warum ein Besuch bei der DTM Pflicht ist.

Erfahre mehr

Erfahre mehr über die DTM

DTM YouTube

Action pur und gute Unterhaltung: Bewegende Bilder rund um die DTM.

Mehr sehen