Sheldon strahlt: Rookie van der Linde überzeugt in der DTM | DTM
2019-05-27 08:45:00

Sheldon strahlt: Rookie van der Linde überzeugt in der DTM

Sheldon strahlt: Rookie van der Linde überzeugt in der DTM

Sheldon van der Linde ist aktuell bestplatzierter Rookie in der DTM, aber es ist vor allem die Weise, auf der er seine Ergebnisse eingefahren hat, die überzeugt.

Nach nur zwei Rennwochenenden hat der Südafrikaner dank seiner Bestzeit im Zeittraining für das zweite Rennen in Zolder bereits eine Pole-Position zu Buche stehen. Mit seiner Rennkraft und seinem Kampfgeist hat er längst die Aufmerksamkeit auch seiner mehr erfahrenen Gegner erlangt.

Natürlich bedarf er als Rookie – dazu erst 20 Jahre alt – noch einiges an Feinschliff, aber wer braucht das in dem Alter nicht? Im zweiten Rennen in Zolder musste er, mit längerer Laufleistung auf seinen Reifen, den beiden Routiniers Jamie Green und Mike Rockenfeller den Vortritt lassen. Damit verpasste er den Sprung aufs Podium, obwohl er den Podiumsplatz durchaus verdient hätte. Aber das ist nur eine Kleinigkeit, die nicht von seiner insgesamt beeindruckenden Leistung ablenken soll.

 

Eine nationale Sportbegeisterung

Wenn es zwei Dinge gibt, für die sich Südafrikaner begeistern können, dann sind das wohl eine ‚Braai’, zu Deutsch Grillparty, sowie jegliche Form von Sport .

Fußball, Cricket und Rugby sind im Land die beliebtesten Sportarten, aber auch das Interesse am Motorsport ist in Südafrika traditionell groß und umfasst alle Bevölkerungsgruppen, wie es ein eingängiges Motto auf der Webseite der nationalen Motorsportbehörde Motorsport South Africa klar macht: ‚Race is something that we do, regardless of what race we are’, heißt es dort auf Englisch, in dem das Wort ‚race’ sowohl für ‚Rennen’ als auch für ‚Rasse’ benutzt wird.

Der Rennsport in Südafrika hatte in den 1930er Jahren auf dem Stadtkurs von East London seinen Anfang. 1959 wurde dort eine permanente Rennstrecke errichtet, die in den Jahren 1962, 1963 und 1965 Austragungsort für den südafrikanischen Formel-1-Grand-Prix war. Der Brite Graham Hill siegte bei der Premiere im BRM, Jim Clark entschied jeweils im Lotus die beiden nachfolgenden Rennen für sich. Bereits davor gab es F1-Rennen in East London, die nicht zur WM zählten, bei denen sich Stars wie Stirling Moss, Gigi Villoresi und Paul Frère durchsetzen konnten.

 

F1 findet in Kyalami ein neues Zuhause

Die Eröffnung des Hochgeschwindigkeitskurses von Kyalami, Anfang der 1960er Jahre, gab dem südafrikanischen Motorsport einen bedeutenden Impuls. Dort fand zwischen 1967 und 1985 jährlich ein Lauf zur Formel-1-WM statt. Nur 1981 bildete eine Ausnahme, als das Rennen auf dem Höhepunkt der Feindschaft zwischen FISA und FOCA nicht zur Meisterschaft zählte.

Nach einem eingreifenden Umbau gab es auch 1992 und 1993 noch Formel-1-Rennen und es gibt aktuell auch wieder Bestrebungen für eine mögliche Rückkehr der Formel 1.

Der größte heimische Erfolg ist der Sieg von Jody Scheckter 1975 in Kyalami auf Tyrrell. Vier Jahre später wurde der Südafrikaner mit Ferrari Weltmeister, der letzte WM-Fahrertitel für die Scuderia bis zum Titelgewinn Michael Schumachers im Jahr 2000.

 

Eine Familiensache

Der Motorsport ist in Südafrika oftmals Familiensache. Tomas und Toby, die beiden Söhne Jody Scheckters, waren im Rennsport aktiv, ebenso sein Bruder Ian. Dann gibt es die Taylors, sehr erfolgreich im Langstreckensport mit mehreren Siegen bei den Klassikern von Daytona und Sebring. Es gibt die Aberdeins, von denen Jonathan aktuell ebenfalls in der DTM aktiv ist. Und dann gibt es die van der Lindes.

Großvater Hennie van der Linde war in den 1970ern und 80ern eine feste Größe im Tourenwagensport. Sohn Shaun van der Linde folgte in seine Fußstapfen und war unter anderem auch mit BMW erfolgreich. Sein Neffe Etienne fuhr mit Formelautos und seine Söhne Kelvin und Sheldon setzten die Familientradition fort. Beide begannen sie in Markenpokalen und stiegen danach in die GT3-Klasse auf, jeweils mit Audi.   

 

Sheldon steigt die Karriereleiter empor

Nach Erfolgen im Kartsport stieg van der Linde in Autos mit Dach um. 2014 gewann er gleich in seiner ersten Saison im südafrikanischen Volkswagen Polo Cup den Titel und wiederholte im darauffolgenden Jahr diesen Erfolg.

Wie bereits zuvor sein Bruder und viele Südafrikaner in der Vergangenheit entschloss auch er sich, seine Karriere in Europa fortzusetzen. 2016 belegte er Rang vier im Audi TT Cup und profitierte in der folgenden Saison von seiner Erfahrung mit frontgetriebenen Rennautos in der stark besetzten ADAC TCR Germany, in der er mit einem Audi RS 3 LMS den dritten Platz belegte.

GT3 war der nächste Schritt. Zusammen mit seinem Bruder Kelvin schloss Sheldon van der Linde seine erste Saison im ADAC GT Masters gleich auf Platz zwei ab. „Es war allerdings immer mein Ziel, in der DTM zu fahren“, räumt er ein.

 

Der Weg in die DTM

Im Sommer des vergangenen Jahres besuchte er erstmals den Hauptsitz von BMW Motorsport in München. Er erhielt eine Einladung zum Rookie-Test in Jerez im Dezember. Kurz darauf wurde er als Werksfahrer verpflichtet.

„Das war viele Jahre lang ein Traum für mich“, erklärt er. „Wenn man auf das Gelände einer Rennstrecke fährt, spürt man gleich die Begeisterung der Fans. Das ist auch eine gewisse Verantwortung. Ich fühle mich sehr wohl bei BMW. Dort habe ich mein neues Zuhause gefunden, ich wurde sehr gut aufgenommen und habe mich auf Anhieb zurecht gefunden.“

Zusammen mit seinem drei Jahre älteren Bruder Kelvin bildet er eine WG in Kempten im Allgäu. Gab es zwischen den beiden einen Wettbewerb, wer als erster Fahrer in der DTM landen würde? „Nein, nicht wirklich“, sagt er. „Bei Audi gab es für dieses Jahr keinen freien Fahrerplatz, also musste ich mich woanders umschauen. Kelvin hingegen entschied sich, bei Audi zu bleiben. Wir wollten beide in die DTM. Ich würde sagen, dass wir jetzt vom Niveau her etwa gleich sind, aber ich hatte das Glück, dass es mit BMW geklappt hat. Für diese Chance bin ich unheimlich dankbar. Es ist natürlich cool, die Familientradition mit BMW fortsetzen zu können. Ich sehe dort für mich eine lange Zukunft!“

Beim Saisonauftakt in Hockenheim bestätigte van der Linde bereits das Vertrauen, das BMW in ihn gesetzt hatte, mit Platz sechs und somit seinen ersten Punkten bei seinem ersten Rennen in der Serie. In Zolder startete er dann in seinem erst vierten DTM-Rennen bereits von der Pole-Position.

Im Rennen hatte er bis zur letzten Runde die dritte Position inne, bis ihm Jamie Green und Mike Rockenfeller, beide mit frischeren Hankook-Reifen, schließlich das Nachsehen gaben und die Plätze drei und vier eroberten.

Für van der Linde blieb Position fünf. „Natürlich wäre ein Podiumsplatz toll gewesen“, sagt er mit einem Lächeln. „Aber dennoch können wir zufrieden sein. Diese Leistung gibt uns jede Menge Motivation.“

 

In den Fußstapfen eines Champions

Es ist bemerkenswert, dass der Karriereverlauf van der Lindes viele Gemeinsamkeiten mit jenem eines anderen DTM-Fahrers aufweist, und zwar dem des Champions des Jahres 2017, René Rast. Dieser gewann ebenfalls den Volkswagen-Polo-Markenpokal in seinem Heimatland und machte sich durch verschiedene Markenpokalen den Weg an die Spitze.

Und das ist nicht die einzige Gemeinsamkeit zwischen van der Linde und Rast: Mit Ex-Rennfahrer Dennis Rostek teilen sie sich auch noch den gleichen Manager. „René und ich sind gute Freunde, wir tauschen uns oft über viele Sachen aus, sowohl den Motorsport als anderen Themen betreffend. Zusammen mit Dennis haben wir auch eine nette kleine WhatsApp-Gruppe. Aber draußen auf der Strecke fährt natürlich jeder für sich!“

Auch sein Teamchef Bart Mampaey zeigt sich über die Leistungen seines Schützlings zufrieden: „Wenn man sein sehr junges Alter betrachtet, ist Sheldon schon sehr erwachsen. Er verfügt nicht nur über große fahrerische Fähigkeiten, sondern hat auch gezeigt, dass er schnell lernt und dazu einfach ein toller Junge ist. Von Anfang an hat er sich super in unser Team eingefügt und wie ein Schwamm saugt er alles, was er in der DTM neu dazulernt, auf. Es ist toll, ihn in unserem Team zu haben und mit ihm arbeiten zu können.“

Van der Linde hat bislang alle Beobachter beeindruckt, aber lässt sich vom frühzeitigen Erfolg nicht beeinflussen. „Ich bin nach wie vor ein Rookie“, räumt er ein. „Ich weiß, dass ich noch viel lernen muss. Zum Glück weiß ich, dass der Speed da ist. Ich freue mich also auf die kommenden Rennen.“

 

Wir f¸hren gerade Wartungsarbeiten durch. Bitte versuchen Sie es zu einem sp‰teren Zeitpunkt erneut.

Tickets 2019

Tickets 2019

Jetzt Tickets für die DTM-Saison 2019 im Vorverkauf bestellen.

Zur Übersicht

Zur Übersicht.

Bosch

DTM.tv

Action pur und gute Unterhaltung: Bewegende Bilder rund um die DTM.

Mehr sehen