"So kann’s ruhig weitergehen" | DTM
2000-07-09 19:18:27

"So kann’s ruhig weitergehen"

Neu: Rainer Braun analysiert für www.dtm.de die Rennen der DTM. Die Reise zum Norisring hat sich für den Motorsport-Experten gelohnt. Denn: "Mehr kann man als Zuschauer für sein Geld wirklich nicht verlangen: Nürnberg bot DTM pur, ein bis zur letzten Minute hochdramatisches Qualifying, zwei Rennläufe mit wechselnden Witterungsbedingungen und Positionskämpfe vom Allerfeinsten."

Der Sieg von Opel-Pilot Jockel Winkelhock im ersten Durchgang hinterließ einen makellosen Eindruck. Fahrer und Auto präsentierten sich als eine Festung, von der man den Eindruck gewann, dass sie niemand zu knacken vermochte. Nie hatte man das Gefühl, dass Jockel diesen Sieg noch verlieren könnte. Im zweiten Durchgang scheiterte er zwar an der offensichtlich besseren Boxenstopp-Strategie von Mercedes beim Reifenwechsel, bot aber auch hier seinen Fans alles aus seinem reichhaltigen Drift- und Kampfrepertoire.

Norisring-Siege sind für Jockel immer sehr emotional, das war schon 1992 so bei seinem ersten DTM-Laufsieg, und das war jetzt nicht anders bei seinem zweiten DTM-Erfolg an gleicher Stelle. Dazu noch seine erste DTM-Pole überhaupt am Samstag in allerletzter Sekunde - einfach was fürs Herz.

Und dann noch der gelungene Joke seiner Holzer-Truppe mit den über Nacht eingebauten Flügeltüren nach guter alter 300 SL-Tradition. Ob da die Mercedes-Führungsriege geschlossen drüber lachen konnte, sei mal dahingestellt.

Ein grandioser Oldie
Als echter Leckerbissen erwies sich der gigantische Zweikampf zwischen Klaus Ludwig und Manuel Reuter. Jeder der zahlreich vorgetragenen Angriffe war ein wahrer Genuß. Mal erkannte der alte Schlaufuchs Ludwig den Überschuss an Speed und ließ Reuter unbedrängt ins Leere laufen, mal ließ er genügend Raum, um dann doch das bessere Ende für sich zu behalten. Erst als wirklich nichts mehr ging, gab er sich Reuter fair und mit großer Geste geschlagen.

Ich habe in Nürnberg einen grandiosen "Oldie" gesehen, dem man seine 50 Jahre weiß Gott nicht angemerkt hat. Zweimal auf dem Podium, einmal Zweiter, einmal Dritter, viel Balsam für die gebeutelte Rennfahrerseele eines Rückkehrers, den man schon abgeschrieben hatte. Und ich habe einen Manuel Reuter gesehen, der cleverer denn je agiert und in dieser Form alle Titelchancen hat.

Bliebe noch die Galavorstellung von Bernd Schneider. Der erste Lauf war nicht unbedingt sein Ding, aber dann paßte einfach alles. Seine AMG-Boxencrew stellte überdies noch mit der zweifellos besten Strategie für den richtigen Zeitpunkt des Reifenwechsels alle Weichen auf Sieg. Eine Demonstration von Cleverness, Nervenstärke und Perfektion im Zusammenspiel zwischen Fahrer, Auto und Crew. In dieser Verfassung bleiben Schneider und Mercedes der härteste Reuter-Widersacher im Titelkampf.

Ein herrlicher Dreikampf um den Titel
Punktgleich sind die beiden angereist, mit drei Zählern Vorsprung geht Schneider in die nächste Runde auf dem Sachsenring. Der dritte Titelkandidat ist zweifellos Winkelhock, wenn ihm noch zwei oder drei gute Rennen gelingen, wird’s ein herrlicher Dreikampf um den Titel. Alles andere wäre eigentlich eine Enttäuschung.

Fazit nach dem Norisring: eines der besten DTM-Rennen aller Zeiten, der Neuzeit sowieso. So kann’s ruhig weitergehen.

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