„Streckenbegehung“ – zwischen Faszination und Schrecken | DTM.com | Die offizielle Webseite
2015-08-10 10:30:00

„Streckenbegehung“ – zwischen Faszination und Schrecken

  • Nur wenige Meter und ein Reifenstapel trennen mich vom Geschehen auf der Strecke.
  • Der eiserne Bulle - ein Markenzeichen des Red Bull Rings.

Zunächst ist es nur ein leises Surren, das den Hügel heraufzieht. Doch die Intensität nimmt schnell zu. Binnen Sekunden ist es zu einem unheilverkündenden, durchdringenden Dröhnen mutiert, das weiter anschwillt - und plötzlich abebbt. Als sich Mike Rockenfeller in seinem Audi mit gurgelndem Motor durch die 90-Grad-Kurve schiebt, dämmert es mir, dass ich mich in diesem Moment im Auge des Geräusch-Hurrikans befinde. Rund sechs Meter trennen mich von seinem grün-gelben RS 5 als Rockenfeller dem 500 PS-starken Motor freien Lauf lässt. Das Donnern ist markerschütternd und meine Vorahnung bestätigt. Der DTM-Pilot beschleunigt auf der langen Geraden durch und mir kommen Zweifel. Die Idee, den Red Bull Ring in Spielberg direkt an der Strecke zu Fuß zu umrunden, scheint mir plötzlich nicht mehr so lohnenswert. Als Jamie Green wenige Minuten später um die Ecke biegt, rutscht mir das Herz in die Hose.

Kurz vor dem ersten Freien Training mache ich mich mit einem Fotografen auf den Weg, um mir seinen Arbeitsplatz bei einem DTM-Rennwochenende genauer anzusehen. Die erste Etappe erfolgt im Shuttle. Ich lasse meinen Blick schweifen. Zur Linken die rot-weißen Curbs, zur Rechten rauscht ein Teilnehmer des Porsche Carrera Cups in seinem Wagen an uns vorbei. „Wie bitte?! Was zur Hölle machen wir während des Rennbetriebs mitten auf der Strecke?!“ Hektik. Entsetzt drehe ich mich in alle Richtungen – und beruhige mich wieder. Ich befinde mich in der Tat auf der Strecke. Aber lediglich auf einem Alternativabschnitt in unmittelbarer Nähe zur langen Geraden zwischen erster und zweiter Kurve, der während des DTM-Wochenendes nur von Shuttles und Rettungsfahrzeugen genutzt wird.

Das erste Etappenziel ist erreicht, das DTM-Training inzwischen gestartet. Ich habe Position an den Reifenstapeln Ausfahrt Remus-Kurve bezogen. Ein Großteil des Red Bull Rings ist einsehbar, von der Rennstrecke trennen mich rund sechs Meter und nichts blockiert die Sicht. Die Aus- und Übersicht ist fantastisch – die Geräuschkulisse ohrenbetäubend.  „Näher kann ich wohl nicht dran sein“, denke ich und blicke Pascal Wehrlein beim Herausbeschleunigen hinterher. Ein Irrtum. Plötzlich sehe ich nur noch Orange. Nur die Reifenstapel und wenige Zentimeter liegen zwischen mir und dem Audi von Jamie Green. Der Brite hatte in der Remus-Kurve den falschen Bremspunkt gewählt und benötigte in seinem orangenen Wagen jeden Zentimeter der Auslauffläche, um den Fehler wieder auszubügeln. Der Schock sitzt tief, mein Gesicht spricht Bände und mein Begleiter lächelt: „So etwas kann dir hier direkt an der Strecke ständig passieren. Aber in über 20 Jahren, in denen ich auf Rennstrecken fotografiere, ist mir noch nie etwas passiert.“ Tatsächlich ist in der gesamten DTM-Historie weder ein Fahrer, noch ein Zuschauer oder Mitarbeiter zu Tode gekommen.

Mit gehörigem Respekt aber festem Schritt setzte ich meinen Weg fort. Kurze Zeit später ist der Vorfall bereits vergessen. Augusto Farfus, Christian Vietoris, Maxime Martin und Co. schießen direkt vor meiner Nase mit über 240 Stundenkilometern über die Kuppe der langen Geraden. Berauscht von der Geschwindigkeit stehe ich einige Minuten später unterhalb des großen, eisernen Bullen – eines der Markenzeichen des Red Bull Rings. Beeindruckt beobachte ich, wie die Piloten die schnellen Kurven des Infields mit teils 190 Stundenkilometern scheinbar mühelos meistern. Fasziniert schlendere ich weiter.  Kurz vor dem Ende meiner „Streckenbegehung“ donnert Mattias Ekström durch die Doppelkurve vor der Start-Ziel-Geraden. Die Funken fliegen, das Heck des Audis droht für einen kurzen Moment auszubrechen und ich sauge die Luft hörbar zwischen meinen Zähnen ein. „Jetzt fliegt er ab.“ Doch der Schwede nimmt nur kurz das Gas raus, setzt seine Fahrt scheinbar unbeeindruckt fort und führt mir nochmals vor Augen, welch Bärenkräfte auf die Fahrer in ihren Boliden wirken. Kräfte, die mir auf meiner Runde offensichtlich mehr Schwierigkeiten bereiteten, als den DTM-Piloten in ihren Cockpits. 


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