Unwirkliche Wirklichkeit – eine Fahrt im DTM-Renntaxi | DTM
2016-07-29 09:15:00

Unwirkliche Wirklichkeit – eine Fahrt im DTM-Renntaxi

Unwirkliche Wirklichkeit – eine Fahrt im DTM-Renntaxi

Wow! Die Grafik ist wirklich abgefahren, einfach atemberaubend. Der Sound der absolute Hammer. Und erst der Rennsitz: Beschleunigen, bremsen, Kurvenlage - die passende Reaktion auf jedes Manöver. Alles fühlt sich absolut authentisch, geradezu real an. Weil es real ist! Und doch irgendwie total unrealistisch. Ich sitze nicht an der Spielkonsole oder im Simulator – sondern im DTM-Renntaxi und rase mit BMW-Werkspilot Dirk Werner über den Lausitzring.

Was ich fühle? – Gewaltige Kräfte reißen an meinen Körper: mal nach hinten, mal nach vorne, mal nach links, mal nach rechts. Aber Emotionell? Irgendwie gar nichts. Mein Hirn scheint einen Weg gefunden, die auf mich einprasselnden Eindrücke zu verarbeiten – es hat sich ausgeschaltet, für mich in eine Art Parallel-Welt geschaffen. Während verzerrte Schemen des Lausitzrings an meinen Augen vorbeifliegen, frage ich mich, was hier eigentlich gerade geschieht. Paradoxerweise schließe ich eine Sache definitiv aus: Autofahren. Denn mit Autofahren hat das ganze nun wirklich so überhaupt nichts zu tun – das hier ist viel, viel zu krass! 

Als ich die Einladung von BMW zur Taxi-Fahrt erhalte, bin ich sofort Feuer und Flamme. In einem Rennauto hatte ich noch nie Platz genommen – nun gleich der Sprung ins Cockpit eines DTM-Renntaxis. Mit einer gehörigen Portion Vorfreude mache ich mich auf dem Weg zum Lausitzring. „Iss vorher nicht zu viel.“, „Als ich das mal gemacht habe, war mir total schlecht.“, „Das wird heftig. Bin gespannt, wie du das verkraftest“ – Ratschläge und Sprüche dieser Art begleiteten mich das gesamte Wochenende. Am Sonntagmorgen erhalte ich den Taxifahrt-Gutschein – passenderweise inklusive Tüte für unvorhergesehene Körperreaktionen.

Es ist furchtbar heiß im Rennanzug. Mit dem Helm unter dem Arm begebe ich mich in Richtung Rennstrecke und treffe meinen späteren ‚Chauffeur’. „Für mich ist es die erste Taxi-Fahrt an einen DTM-Wochenende. Ein bisschen nervös bin ich auch“, erzählt mir der ehemalige DTM-Pilot Dirk Werner und grinst. „Am Anfang muss man sich an die Strecke und das Auto auch erstmal gewöhnen. Weshalb ich bei der ersten Fahrt eher so 80 Prozent fahre. Bei der Zweiten gehe ich dann aber schon langsam Richtung Limit. Ich würde so sagen: 94 Prozent.“

Ich bin als Zweiter an der Reihe... Meine Sicherheitsausrüstung wird von den Helfern geprüft, die Sicherheitsgurte schnüren mich fest in den Sitz. „So, die Nervosität wäre dann abgelegt. Alles gut?“ Ich nicke unsicher. „Na dann viel Spaß!“ Werner drückt auf den Startknopf, der Motor dröhnt auf und schon sind wir Mitten auf der Start-Ziel-Gerade. Es ist der letzte Orientierungspunkt, den ich für die kommenden eineinhalb Minuten habe.

Werner tritt voll durch – ich werde in den Sitz gepresst. Anbremsen auf die erste Linkskurve – die Sicherheitsgurte spannen an meinem Oberkörper, der gleichdarauf nach rechts in den Sitz gedrückt wird. Die Fliehkräfte sind enorm – und mein Hirn schaltet ab. Wie in Trance nehme ich war, wie Kiesbetten auf mich zu rasen und gleich darauf wieder verschwinden. Wie das Heck in den Kurven immer wieder auszubrechen scheint, aber nichts passiert. Mein Körper ist den Gesetzen der Physik hilflos ausgeliefert. Die Ablage für meine Füße zittert heftig, lässt meine Beine vibrieren, was zumindest den wohligen Anschein von Körperbewusstsein und –kontrolle erweckt.

Plötzlich kehrt etwas Ruhe ein. Ich befinde mich erneut auf der Start-Ziel-Geraden. Dann  ist es mit der Ruhe wieder vorbei. Die zweite Runde hat begonnen und ich bin für weitere eineinhalb Minuten zurück in der Unwirklichkeit.

Ich steige aus und bin immer noch benebelt. Im Gegensatz zu einigen Taxi-Beifahrern, denen die zitternden Beine – trotz dickem Rennanzug – deutlich anzusehen sind, bin ich komplett entspannt. Erst langsam kehre ich auch gedanklich in die Realität zurück. Mir wird klar, welch unglaubliche Leistungen die DTM-Piloten auf der Strecke erbringen. Es dauerte nur Sekunden, ehe ich aufgrund der waltendenden Kräfte im Fahrzeug in eine Parallelwelt abtauchte. Kräfte, denen die Piloten bis zu einer Stunde ausgesetzt sind und sie dennoch scheinbar spielend beherrschen.

Auch Wochen nach meiner Taxi-Fahrt bleibe ich dabei: Mit Autofahren hat das ganze nichts zu tun. Es ist Leistungssport auf unglaublich hohem Niveau – sowohl physisch als auch psychisch.

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