Wie ein Neuling die Champions’ Leage des Motorsports gewann | DTM
2019-09-11 12:30:00

Wie ein Neuling die Champions’ Leage des Motorsports gewann

Wie ein Neuling die Champions’ Leage des Motorsports gewann

Können Sie sich vorstellen, dass Lewis Hamilton, Fernando Alonso, Sebastian Vettel und Charles Leclerc alle bei einem Tourenwagenrennen mit identischen Autos an den Start gehen würden, wenn sie gerade mal ein freies Wochenende haben und nicht in der Formel 1 im Einsatz sind? Einfach so, nur aus Spaß?

Und dass ehemalige Weltmeister wie, sagen wir mal, Nico Rosberg, Alain Prost, Mika Häkkinen und Damon Hill ebenfalls mit von der Partie sind? Die Älteren und die Jungen, die zusammen die Eröffnung einer neuen Rennstrecke mit einem Einladungsrennen der Extraklasse mit Vollgas zelebrieren…

Wenn Sie ihr verträumtes Lächeln abgelegt haben, dann werden Sie mit uns zur Einsicht kommen, dass das heutzutage einfach unmöglich wäre.

Dennoch ist es genau das, was am zweiten Mai-Wochenende des Jahres 1984 passierte, als die neu angelegte Grand-Prix-Strecke eröffnet wurde. Dazu gab es neben den üblichen Feierlichkeiten ein spezielles Einladungsrennen für die Helden und Newcomer der Formel 1.

 

Eine spektakuläre Eröffnung für den neuen Ring

1984 sollte der ‚neue’ Nürburgring erstmals Austragungsort für ein Formel-1-Rennen sein, und zwar den europäischen Grand Prix im Oktober. Auf dem ‚alten’ Ring, der ehrwürdigen Nordschleife, hatte die Formel 1 1976 letztmals ein Rennen gehabt. Sie wurde zwar gelegentlich noch genutzt, aber nach dem ADAC-1000-Kilometer-Rennen für Sportwagen war die Nordschleife nach der Saison 1983 endgültig vom internationalen Kalender gestrichen worden.

Daher wurde der Bau einer neuen, zeitgemäßen Anlage vorangetrieben. Sie wurde als Anhang an der ursprünglichen Strecke konzipiert und gebaut für die Durchführung moderner Rennen. Es traf sich, dass die Eröffnung unmittelbar vor der Markteinführung des neuen Mercedes-Benz 190 E 2.3-16 geplant war.  

 

Bühne frei für Mercedes-Benz

Der 190 E war eine besser motorisierte Ausführung des 190ers, liebevoll als ‚Baby-Benz’ bezeichnet, da er seinerzeit das kleinste Modell der Stuttgarter Marke war. Nur wenige Monate zuvor, im September 1983, wurde der 190 E 2.3-16 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Nach der Tragödie in Le Mans 1955 hatte Mercedes sämtliche Rundstreckeneinsätze des Werksteams eingestellt. Nur im Rallyesport ging gelegentlich ein Mercedes an den Start, aber das blieb für fast drei Jahrzehnte die einzige motorsportliche Disziplin, in der sich die Marke betätigte. Jegliche weitere Aktivität, wie beispielsweise die Teilnahme des berühmten roten 300 SEL 6.8 beim 24-Stunden-Rennen von Spa 1971, beruhte auf privaten Initiativen von Tuningfirmen wie AMG.

Mit der Einführung des 190ers begann jedoch bei Mercedes ein neues Kapitel und die 2,3-Liter-Ausführung mit 16-Ventilmotor machte einige Mitarbeiter hellhörig. Sie überlegten, was man mit einem solchen Auto wohl auf der Rundstrecke anstellen könnte...

Als jemand die Idee äußerte, dass Mercedes die Fähigkeiten des 190 E 2.3-16 mit einem Einladungsrennen anlässlich der Eröffnung des neuen Nürburgrings unter Beweis stellen könne, brauchte es zur Umsetzung nicht lange.

Die Aussicht auf etwas Fahrspaß mit identischen Autos auf der Strecke, zusammen mit einer tollen Zeit an einem Wochenende ohne Formel-1-Rennen überzeugte viele damalige Grand-Prix-Stars, die sich sofort für die Teilnahme entschieden.

Dank einer Sonderregelung, die es aktiven oder ehemaligen Rennfahrern ermöglichte, zu Sonderkonditionen Mercedes-Fahrzeuge zu erwerben, verfügte ‚Das Haus’ über gute Kontakte in der Formel 1. Ziel war es, alle noch lebenden Weltmeister für das Rennen zu gewinnen. Das klappte zwar nicht ganz (siehe weiter unten), aber dennoch kam ein hochkarätiges Teilnehmerfeld für das Einladungsrennen am 12. Mai als ersten Wettbewerb auf der neuen Strecke zusammen.

Als Hauptpreis für den Sieger wurde ein neues Serienfahrzeug in Aussicht gestellt und sämtliche Spesen wurden übernommen. Wer konnte da schon nein sagen?

Der neue Mercedes-Benz 190 E mit 2,3-Liter 16-Ventilmotor war der Star bei der prestigeträchtigen Eröffnungsveranstaltung der neuen Strecke

 

Ein Feld mit zahlreichen Stars

Von den damals aktiven Formel-1-Fahrern sagten die McLaren-Teamkollegen Niki Lauda und Alain Prost zu, ebenso die beiden Williams-Fahrer Jacques Laffite und Keke Rosberg.

Der Italiener Elio de Angelis, der für Lotus fuhr, war ebenfalls mit dabei, und dann gab es noch diesen jungen Brasilianer namens Ayrton Senna, der direkt aus der Formel 3 kam. Dort hatte er zwar im Vorjahr den britischen Meistertitel gewonnen, doch sein Name war allenfalls bei Experten bekannt.

Der Youngster hatte für das Toleman-Team erst vier Grands Prix absolviert und bis zu seiner Sternstunde im verregneten Grand Prix von Monaco, in dem er nach einer bravourösen Leistung auf Platz zwei hinter Prost ins Ziel fuhr, sollte es noch einen Monat dauern.

Es war Sennas Manager Domingos Piedade, der seine guten Beziehungen zu Mercedes hatte spielen lassen, um seinem jungen Schützling die Teilnahme beim Einladungsrennen zu ermöglichen.

Auch ehemalige Fahrer waren mit von der Partie: Der dreimalige Weltmeister Jack Brabham sagte zu, ebenso die ehemaligen Titelträger

Phil Hill, John Surtees, Denny Hulme, James Hunt, Jody Scheckter und Alan Jones. Auch der fünfmalige Titelträger Juan Manuel Fangio hatte die Teilnahme eingeplant und war auch in die Eifel gereist, entschloss sich aber wegen gesundheitlicher Probleme gegen den Rennstart.

Die ehemaligen Mercedes-Werksfahrer Hans Herrmann und Stirling Moss kamen zum Einsatz, ebenso Carlos Reutemann, John Watson und die Nürburgring-Experten Klaus Ludwig, Manfred Schurti und Udo Schütz. In jeder Hinsicht war es ein sensationelles Fahrerfeld.

Gerhard Lepler, ein erfahrener Mercedes-Ingenieur, der für spezielle Projekte verantwortlich war, erhielt den Auftrag für die Vorbereitung der 20 Fahrzeuge für die spezielle Veranstaltung. Alle Fahrzeuge wurden mit Überrollkäfig, Feuerlöscher, Rennschalensitz sowie einem Hauptschalter ausgestattet. Die Schalldämpfer wurden entfernt, die Karosserie 15 Millimeter tiefer gelegt und diverse weitere kleine Änderungen durchgeführt. Ansonsten waren die Autos identisch mit jenen aus der Serienproduktion.

 

Auch Klasse im Nassen

Wie so oft in der Eifel fand das Rennen auf nassem Geläuf statt. Das störte die tausende Zuschauer keineswegs. Viel Prestige stand auf dem Spiel, das Rennen wurde sogar live im Fernsehen übertragen.

Die Fahrer pushten ihre Autos auf dem hochmodernen Grand-Prix-Kurs an ihre Grenzen und hatten dabei jede Menge Spaß

 

„Das war eine Veranstaltung, wie ich sie wirklich geliebt habe“, sagte Alain Prost im Interview mit dem britischen Journalisten Adam Cooper. „Es war toll, die ganzen Jungs zu treffen. Wir hatten viel Spaß, aber trotz der Freude und der Tatsache, dass wir uns alle trafen, war der Wettbewerbsgeist da. Alle, sogar die Älteren, nahmen das wirklich ernst!“

Für Prost war es auch die Gelegenheit, bei der er Senna erstmals richtig kennenlernte, der später nicht nur sein Teamkollege bei McLaren, sondern auch sein größter Rivale werden sollte. Da sie etwa gleichzeitig am Flughafen angekommen waren, nahm der Franzose den Brasilianer mit für die Fahrt zum Ring.

Es gab keinen frühen Vorgeschmack auf die Rivalität zwischen den beiden, die sich später entwickelte: Prost startete zwar von der Pole-Position, seine Chancen waren jedoch bald dahin, nachdem Elio de Angelis dem Franzosen während der ersten Runde ins Auto gefahren war. Alan Jones führt eine Weile das Feld an, musste dann aber mit einem technischen Problem an die Box.

 

Senna übernimmt die Führung

Damit konnte Senna auf den ersten Platz vorfahren und er führte fortan das Feld an. Er lenkte sein Fahrzeug behutsam auf der feuchten Strecke und hielt Abstand zu den rutschigen, frisch gestrichenen Randsteinen.

Es war zwar ein regionales Tourenwagenrennen, aber es war bis dahin in vielerlei Hinsicht der wohl wichtigste Sieg in Sennas noch frischer Formel-1-Karriere

 

Manche von den anderen Fahrern hatten weniger zu beweisen. Für sie ging es eher um eine gute Show als um ein gutes Ergebnis. Hinter Senna komplettierten Lauda und Reutemann das Podium, Rosberg und Watson belegten die Plätze vier und fünf.

Das Rennen war ein spektakulärer Erfolg. Nicht nur machte sich Senna einen Namen, auch für die Formel 1, sondern es wurde auch der Speed und die Agiliät des Mercedes 190 E unter Beweis gestellt. Heute wird der 2.3-16 von Sammlern gesucht, besonders in der Champagner-Metallicfarbe, in denen die Fahrzeuge von Senna und Lauda an den Start gingen.

Sennas 190 E in Champagner-Metallicfarbe wird von Sammlern sehr geschätzt

 

Das Siegerauto befindet sich in der Ausstellung des Mercedes-Benz-Museums in Stuttgart.

 

Der Wegbereiter für die Mercedes-Rückkehr in den Rennsport

Neben Sennas Fahrerqualitäten machte das Rennen auch die Eignung des Mercedes-Benz 190 für den Motorsport offenkundig.

Daher dauerte es nicht lange, bis ein 190 seinen Einstand in der DTM erlebte. Gute Ergebnisse, anfangs noch von Privatfahrern, führten letztendlich zur vollständigen Rückkehr von Mercedes-Benz mit Werksteams in den Rennsport.

Später entwickelte sich Mercedes-Benz zum erfolgreichsten Hersteller in der Geschichte der DTM.

 

Nürburgring Champions Mercedes-Benz Cup – 12. Mai 1984

1 Ayrton Senna                   26:57,780 Min. (121,286km/h)

2 Niki Lauda                        26:59,160 Min.

3 Carlos Reutemann           27:01,470 Min.

4 Keke Rosberg                  27:01,980 Min.

5 John Watson                    27:02,250 Min.

6 Denny Hulme                   27:04,130 Min.

7 Jody Scheckter                27:04,900 Min.

8 Jack Brabham                  27:11,250 Min.

9 Klaus Ludwig                     27:16,270 Min.

10 James Hunt                     27:17,460 Min.

11 John Surtees                   27:23,170 Min.

12 Phil Hill                            27:29,840 Min.

13 Manfred Schurti              27:34,780 Min.

14 Stirling Moss                   27:35,430 Min.

15 Alain Prost                      27:37,120 Min.

16 Udo Schütz                     27:45,910 Min.

17 Jacques Laffite               27:48,890 Min.

18 Hans Herrmann             28:34,880 Min.

19 Elio De Angelis              27:14,080 Min. + 2 Runden

nicht gewertet:       Alan Jones              

 

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