Wie Erfahrung zählt | DTM
2019-07-16 00:15:00

Wie Erfahrung zählt

Wie Erfahrung zählt

Norisring-Rennsieger Bruno Spengler (BMW) und die beiden Audi-Fahrer Mike Rockenfeller und Jamie Green sind die Teilnehmer mit der meisten Erfahrung im diesjährigen DTM-Feld.

Zusammen bringen sie es auf beeindruckende 531 Rennen und zu Dritt standen sie auf dem Podium nach dem Sonntagsrennen auf dem Norisring. War das Zufall, oder hat ihnen ihre mächtige Erfahrung zum Erfolg auf dem High-Speed-Straßenkurs am Dutzendteich verholfen?

Im Motorsport werden neue Talente oft gefeiert: Max Verstappen und Charles Leclerc gelten als die neue Generation in der Formel 1 und die Medien freuen sich, wenn junge Fahrer aufkommen und für einen neuen Impuls sorgen. Das ist seit jeher der Lauf der Dinge im Sportgeschäft: Newcomer steigen auf, fordern die etablierten Stars heraus und übertreffen sie schließlich.

In der DTM haben Fahrer wie Jake Dennis und Sheldon van der Linde in ihrer Debütsaison bereits einen guten Eindruck hinterlassen und gezeigt, dass sie sich zu den Stars der Zukunft entwickeln können.

Was aber keineswegs bedeutet, dass wir die ‚Älteren’ vergessen sollten: Roger Federer, immerhin 37, hat im Finale von Wimbledon bewiesen, dass Erfahrung genau so wichtig ist wie jugendlicher Überschwang. Er spielte großartig, und das für über vier Stunden, um das einmal mehr zu zeigen.

Und wie ist es im Motorsport?

Spengler und Green feierten beide 2005 ihren Einstand in der DTM. Green hatte im Jahr zuvor den Titel in der Formel-3-Euroserie gewonnen. Bis zum Start der aktuellen Saison hatten sie beide 177 DTM-Rennen absolviert, aber Green musste nach einer Blinddarm-OP am Misano-Wochenende pausieren. Damit hat Spengler nun zwei Rennen mehr auf der Liste als sein britischer Rivale, 185 für den Kanadier und 183 für Green.

Rockenfeller stieg nach Erfolgen in den Porsche-Markenpokalen und im GT-Rennsport mit der Marke aus Stuttgart-Zuffenhausen 2007 in die DTM ein. Für ihn war das Sonntagsrennen auf dem Norisring sein 163. Start in der DTM.

Mit seinem Sieg in Nürnberg beendete Spengler eine Durststrecke von zwei Jahren: 2017 hatte der BMW-Fahrer, ebenfalls auf dem Norisring, zuletzt gewonnen. Mit einem bravourösen Auftritt in der ersten Runde übernahm er von Startplatz fünf aus die Führung, blieb fortan unangefochten an der Spitze und fuhr seinen 16. Rennsieg in der DTM nach Hause.

Bruno Spengler beendete mit dem Sieg auf dem Norisring eine zweijährige Durststrecke

 

„Erfahrung ist immer wichtig“, sagt er. „Nicht nur in der DTM, sondern in vielen Sportarten. In der DTM gibt es so viele gute Fahrer, die jede Menge Erfahrung haben, sowohl in der DTM selbst als auch aus verschiedenen anderen Serien. Sogar die jungen Fahrer, die in die Serie kommen, sitzen auf Anhieb in einem neuen Auto und bringen viel Erfahrung aus anderen hochkarätigen Serien mit. Das bedeutet, dass man wirklich alles auf den Punkt bringen muss, um in der DTM erfolgreich zu sein. Das macht es auch so schwierig.“

 

Die Altstars als Vorbild

Als Spengler selbst in die DTM einstieg, hat er damals zu den Routiniers aufgesehen? „Absolut“, gibt er zu. „Es gab Fahrer wie Bernd Schneider oder Manuel Reuter, aber auch Mika Häkkinen oder Jean Alesi. Gegen sie bin ich nicht nur gefahren, manche waren sogar meine Teamkollegen. Das hat mich richtig stolz gemacht. Ich kam da als junger Bursche rein und konnte soviel von ihnen lernen! Das war etwas ganz Spezielles, ich habe diese Zeit sehr genossen.“

Jamie Green machte mit seinem Podiumsplatz klar, dass er zwar unlängst seinen Appendix verloren, jedoch während seiner kurzen Zwangspause nichts von seinen Fähigkeiten als DTM-Fahrer eingebüßt hat.

Der Brite Jamie Green meint, dass bei den Neuerungen in der DTM die Erfahrung keine so große Rolle mehr spielt

 

Beim Briten, ein weiterer Routinier der Serie, mangelt es ebenfalls keineswegs an Erfahrung. Green betrachtet jedoch die Bedeutung der Erfahrung aus einer etwas anderen Perspektive: „In den letzten Jahren hat sich in der DTM unheimlich viel verändert, was heißt, dass Erfahrung aus früheren Jahren vielleicht etwas überholt ist“, schätzt er ein. „Der Motor ist in diesem Jahr komplett anders, in den beiden vergangenen Jahren wurde die Downforce drastisch reduziert. Auch mit den Regeln zum Thema Reifendruck ist die Herausforderung neu, besonders im Rennen. Es ist alles irgendwie neu: Der Fahrstil, die Abläufe sind anders. Daher glaube ich, dass Erfahrung nicht mehr si wichtig ist.“

 

Über das Lernen und das Vorhersagen der Zukunft

Obwohl er bereits so viele Rennen gefahren ist, lernt Green immer noch dazu: „Mit dem Safety-Car, der in den letzten Rennen eine so große Rolle im Ausgang des Rennens gespielt hat, ist es auch für mich, trotz meiner ganzen Erfahrung, manchmal schwer zu verstehen, was da passiert.

Da ich länger dabei bin als viele andere, heißt aber auch, dass ich vielleicht mehr Fehler gemacht habe als andere. Somit erkennt man manchmal etwas eher, wenn ein Problem auftaucht. Damit kann man schneller reagieren. Das ist wohl ein Vorteil von der Erfahrung, dass man Situationen schneller erkennen und vielleicht sogar die Zukunft etwas vorhersagen kann, weil man das alles schon einmal erlebt hat.“

Rockenfeller: „So lange die Leistung stimmt, bleibt man dabei…”

 

Mike Rockenfeller war froh, dass er erstmals seit dem Saisonauftakt in Hockenheim wieder auf dem Podium stand. „Ja, das war ziemlich cool, dass wir da als dienstältesten Fahrer dort oben standen“, sagt er. „Wir waren das ganze Wochenende über schon schnell, aber man braucht auch immer etwas Glück. Für mich hat es gut funktioniert: Ich konnte von Startplatz elf aus ohne Probleme nach vorne fahren.“

„Es ist nicht, dass wir schon 45 Jahre alt sind oder so“, ergänzt Rockenfeller, „aber es ist schon so, dass wir drei vielleicht im letzten Drittel unserer Karriere sind, während andere noch am Anfang stehen. Aber ganz ehrlich, darüber denke ich nicht viel nach. Es geht einfach um die Leistung: wenn man liefert, ist man mir dabei, und wenn nicht, dann bist du weg. So einfach ist es. Darüber hinaus ist es auch die Kombination, die zählt: Wenn das Auto sich gut fährt, wenn die Balance stimmt, dann bist du schnell. Und das gibt dir vielleicht auch etwas mehr Selbstvertrauen, was auch hilft, noch schneller zu sein. So hängt alles miteinander zusammen. Andererseits: Wir sind in der DTM. Beim nächsten Mal kann auch ganz schnell wieder einer der jungen Fahrer oben stehen!“

 

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Welt der Zahlen

Der fünfmalige DTM-Champion Bernd Schneider hat die meisten DTM-Rennen bestritten, nämlich 236 an der Zahl. Die meisten Rennen fuhr er mit Mercedes-Benz, aber am Anfang seiner Karriere fuhr er Ford.

Auf Rang zwei folgt mit Klaus Ludwig eine weitere deutsche Rennsportlegende. Der dreimalige Champion ist 219 DTM-Rennen für Ford, Mercedes-Benz und Opel gefahren.

Der nächste ist Jörg van Ommen mit 214 Rennstarts. Der erste nicht-deutsche Fahrer ist der Däne Kurt Thiim, Titelträger des Jahres 1986, der 211 Mal an einem DTM-Rennen teilnahm.

Manuel Reuter ist der fünfte Fahrer im exklusiven Kreis des ‚200-Clubs’ mit genau 200 Rennstarts. Von den aktuellen DTM-Fahrern steht Bruno Spengler mit 185 Rennen (nach dem Norisring-Wochenende) ganz oben. Auch der zweimalige Champion Gary Paffett hat so viele Rennen bestritten.

Mit 236 Starts ist Bernd Schneider die meisten DTM-Rennen gefahren

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